Risikomonitor 2025: DAX-Unternehmen schlagen Alarm – Bürokratie, Cyberangriffe und Geopolitik als größte Geschäftsrisiken
Hohenheim, 4. Juni 2025 – Deutsche Börsenunternehmen schlagen verstärkt Alarm: Die Zahl der gemeldeten Geschäftsrisiken ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 30 Prozent gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Risikomonitor 2025 hervor – einer gemeinsamen Analyse der Universität Hohenheim und der Kommunikationsberatung Crunchtime Communications, für die 134 Geschäftsberichte von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ausgewertet wurden.
Regulatorik und Cyberangriffe dominieren Risikolandschaft
Fast alle analysierten Unternehmen sehen in überbordender Bürokratie (98 %) und Cyberangriffen (98 %) zentrale Bedrohungen für ihr Geschäft. Es folgen geopolitische Unsicherheiten und Finanzrisiken mit jeweils 86 Prozent. Damit dominieren externe Einflüsse weiterhin die Risikowahrnehmung. Gleichzeitig nimmt die Risikoberichterstattung an Systematik und Tiefe zu: 90 Prozent der Unternehmen setzen auf quantitative Bewertungen, nur wenige bleiben bei rein qualitativen Einschätzungen.
„Nicht nur Mittelstand und Handwerk stöhnen unter der Bürokratielast – auch große börsennotierte Konzerne melden das nun deutlich offensiver“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz habe dieses Problem offenbar erkannt: Bürokratieabbau sei ein zentrales Vorhaben im Koalitionsvertrag.
Finanzrisiken auf dem Vormarsch
Während geopolitische Entwicklungen mit hoher Konstanz als Risiko bewertet werden, haben sich Finanzrisiken in den vergangenen zwei Jahren vom Randthema zur Top-Sorge entwickelt. Gründe sind Zinspolitik, Währungsschwankungen und Handelskonflikte. Auch Klimawandel, Fachkräftemangel sowie Wettbewerbs- und Compliance-Themen rücken stärker in den Fokus.
Zurückhaltende CEOs: Risiken werden selten im Vorwort genannt
Trotz der wachsenden Bedrohungslage bleiben die Vorstandsvorsitzenden in ihren Vorworten auffällig zurückhaltend. Im Schnitt werden nur 1,2 Risiken erwähnt – weniger als noch 2023. 40 Prozent verzichten komplett auf Risikothemen. Geopolitik (37 %) ist hier das am häufigsten angesprochene Thema, während Cyberangriffe (4 %) oder Fachkräftemangel (ebenfalls 4 %) kaum Erwähnung finden.
Für Johannes Fischer, Geschäftsführer von Crunchtime und Lehrbeauftragter in Hohenheim, eine verpasste Chance: „Gerade Personalthemen könnten CEOs nutzen, um Vertrauen und Nähe zu schaffen. In Zeiten von Multikrisen sind es oft die menschlichen Aspekte, die Orientierung geben.“
Branchenvergleich: Hohe Sensibilität in Chemie und Medizin
Besonders risikobewusst zeigen sich die Branchen Chemie, Pharma, Bio- und Medizintechnik: Alle untersuchten Unternehmen dieser Gruppen benennen Regulatorik, Cyberangriffe und Fachkräftemangel als Top-Risiken. In der Finanzbranche dominieren – wenig überraschend – finanzielle Risiken (92 %), während Tech-Unternehmen besonders häufig vor Wettbewerbsdruck warnen.
Fazit: Deutsche Unternehmen in der Multikrise
Der Risikomonitor 2025 zeichnet ein deutliches Bild: Die deutsche Wirtschaft sieht sich einer Vielzahl ernsthafter Bedrohungen gegenüber – allen voran externen Faktoren, aber auch wachsendem Druck im eigenen Einflussbereich. Die Kommunikationsstrategie der Führungsetagen hinkt jedoch hinterher. Eine transparentere, auch persönlichere Ansprache der Risiken könnte laut den Studienautor:innen Vertrauen schaffen – bei Mitarbeitenden, Investoren und der Öffentlichkeit.
👉 Zur Studie: Crunchtime Risikomonitor 2025 (PDF)
Bildnachweis: Universität Hohenheim / Uta Rometsch

