2. Juli 2025 / Wirtschafts-News

AOK-Gesundheitsbericht 2024

Wie krank sind die Erwerbstätigen in Stuttgart?

Veröffentlicht am 2. Juli 2025 um 08:43 Uhr

Gesund arbeiten in Stuttgart? Der AOK-Gesundheitsbericht 2024 gibt Antworten

Stuttgart hat im Städtevergleich die Nase vorn – doch psychische Belastungen nehmen weiter zu.

 
Die Landeshauptstadt bleibt gesund: Laut aktuellem AOK-Gesundheitsbericht 2024 liegt der Krankenstand unter den AOK-versicherten Erwerbstätigen in Stuttgart stabil bei 5,6 % – und damit weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,5 %. Was auf den ersten Blick beruhigend wirkt, zeigt bei genauerem Hinsehen aber auch neue Herausforderungen, vor allem bei psychischen Erkrankungen und Langzeitausfällen.

 
Stuttgart unter den Top-Städten Baden-Württembergs
Im Vergleich mit anderen Großstädten im Bundesland steht Stuttgart gut da:

  • Gleichauf mit Freiburg (5,6 %)
  • Besser als Karlsruhe (6,0 %), Heidelberg (6,3 %) und Mannheim (6,7 %)

Nur ländlichere Regionen wie der Bodenseekreis (5,2 %) oder Waldshut (5,1 %) schneiden besser ab. AOK-Vizedirektor Jürgen Weber betont:

„Trotz urbaner Dichte und wirtschaftlicher Dynamik ist Stuttgart ein gesunder Standort – auf Augenhöhe mit Regionen, die für hohe Lebensqualität stehen.“
 
Weniger krank als der Bundesschnitt – aber mit zunehmenden Krankschreibungen

  • 61,5 % der Beschäftigten meldeten sich 2024 mindestens einmal krank (Deutschland: 63,6 %)
  • Durchschnittliche Krankheitsdauer: 9,4 Kalendertage (Deutschland: 10,5 Tage)
  • Durchschnittliche Fehltage pro Kopf: 20,5 (leicht gestiegen gegenüber 2023 mit 20,2)
  • Krankschreibungen pro 100 Versicherte: 218 Meldungen (+2,5 % ggü. Vorjahr)
     

Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen bleiben dabei ein ernstzunehmender Faktor: Nur 5 % der Krankmeldungen entfallen auf sie – aber sie verursachen rund ein Siebtel aller Fehltage. 2023 lag dieser Wert noch bei 13,0 %.


Langzeiterkrankungen: Wenige Fälle, viele Ausfälle
Nur 2,5 % der AU-Fälle dauern länger als sechs Wochen – verursachen aber knapp ein Drittel der gesamten Fehltage. Hauptverursacher: psychische Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparates.

Sarah Kilian, Präventionsexpertin der AOK:
„Langzeit-Krankschreibungen haben enorme Auswirkungen auf Betriebe. Umso wichtiger ist ein professionelles Gesundheitsmanagement – mit Fokus auf Prävention.“
 
Gesundheitsförderung als Erfolgsfaktor
Die AOK Stuttgart-Böblingen arbeitet mit rund 185 Unternehmen aktiv an Präventionskonzepten. Besonders im Fokus:

  • Individuelle AU-Analysen
  • Gesundheitstage im Betrieb
  • Maßgeschneiderte Programme, z. B. das AOK-RückenKonzept für mehr Bewegung und Rückengesundheit

Jürgen Weber:
„Gesunde Beschäftigte sind das Rückgrat jedes Unternehmens – in Zeiten von Fachkräftemangel wichtiger denn je.“
 
Psychische Gesundheit im Fokus
Auch mentale Gesundheit rückt zunehmend ins Zentrum betrieblicher Verantwortung. Unternehmen, die hier investieren, steigern nicht nur Produktivität und Mitarbeiterbindung, sondern verbessern auch ihr Employer Branding.

Sarah Kilian:
„Ein modernes Unternehmen wird heute auch an seinem Engagement für Gesundheit und Work–Life-Balance gemessen.“
 
Branchenvergleich: Wer ist am stärksten betroffen?

  • Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherung: 7,1 % Krankenstand (höchster Wert)
  • Banken & Versicherungen: niedrigster Krankenstand

 
Fazit: Stuttgart bleibt stark – doch die mentale Gesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit


Die gute Nachricht: Stuttgart liegt beim Krankenstand vorn. Die schlechte: Psychische Belastungen und Langzeitausfälle nehmen weiter zu. Wer als Arbeitgeber zukunftsfähig bleiben will, kommt an einer aktiven Gesundheitskultur nicht mehr vorbei.

 
🩺 Mehr erfahren?
Besuche das AOK-Gesundheitsportal oder kontaktiere dein regionales Gesundheitszentrum für Infos zu Präventionsprogrammen und betrieblichen Angeboten.

 
Datenbasis: Analyse von über 207.000 AOK-versicherten Beschäftigten im Stadtkreis Stuttgart (Stand 2024). Alle Daten wurden auf Basis von Versichertenjahren berechnet.

 
Bildnachweis AOK 

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