Mehr als 2.300 Nieren schenken neue Lebensperspektiven
Klinikum Stuttgart feiert ein besonderes Jubiläum: Seit vier Jahrzehnten ermöglicht das Transplantationszentrum Menschen mit schwerem Nierenversagen ein neues Leben. Mehr als 2.300 Nierentransplantationen wurden seit der Gründung durchgeführt – darunter rund 600 Lebendspenden.
Bei einer Jubiläumsveranstaltung würdigten Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin und Politik die medizinischen Leistungen des Zentrums sowie die wichtige Rolle von Organspenderinnen und Organspendern. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand dankte den Verantwortlichen für ihr Engagement und setzte sich erneut für die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende ein.
Tausende Menschen warten auf eine Spenderniere
Der Bedarf an Spenderorganen bleibt weiterhin deutlich höher als die Zahl verfügbarer Organe. Bundesweit warteten Ende 2025 mehr als 6.200 Menschen auf eine Niere. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – 1.594 davon nach einer postmortalen Organspende und 672 durch Lebendspenden.
Für viele Patientinnen und Patienten mit dauerhaftem Nierenversagen bleibt zunächst nur die Dialyse. Mehr als 79.000 Menschen in Deutschland sind regelmäßig auf diese Behandlung angewiesen. Eine Transplantation kann jedoch ein entscheidender Schritt zurück zu mehr Freiheit und Lebensqualität sein.
„Eine Dialyse rettet Leben, ersetzt aber nicht vollständig die Funktion einer gesunden Niere“, erklärt Prof. Dr. Vedat Schwenger, Ärztlicher Direktor des Transplantationszentrums am Klinikum Stuttgart. Eine erfolgreiche Transplantation ermögliche vielen Betroffenen deutlich mehr Selbstbestimmung im Alltag.
Organspende als Zeichen der Solidarität
Hinter jeder transplantierten Niere steht eine persönliche Geschichte – geprägt von schwerer Krankheit auf der einen Seite und der Bereitschaft zur Hilfe auf der anderen. Von den mehr als 2.300 am Klinikum Stuttgart übertragenen Nieren stammten rund 1.700 von verstorbenen Spenderinnen und Spendern. Etwa 600 Nieren wurden durch Lebendspenden ermöglicht.
Prof. Jan Steffen Jürgensen, Vorstand des Klinikums Stuttgart, betont die Bedeutung der Spenderinnen und Spender sowie ihrer Angehörigen: Eine Organtransplantation sei nicht nur eine medizinische Höchstleistung, sondern auch ein Ausdruck von Mitmenschlichkeit und Solidarität.
Das Transplantationszentrum Stuttgart gehört zu den 37 Nierentransplantationszentren in Deutschland. Jährlich werden hier mehr als 70 Nierentransplantationen durchgeführt.
Diskussion um Widerspruchslösung
Bei der Veranstaltung sprach sich Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand erneut für eine Änderung des bisherigen Systems aus. Aktuell gilt in Deutschland die Entscheidungslösung: Eine Organspende ist grundsätzlich nur möglich, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder Angehörige im Sinne des mutmaßlichen Willens entscheiden.
Ende Juni 2026 warteten allein in Baden-Württemberg rund 850 Menschen auf ein Spenderorgan. Gemeinsam mit sieben weiteren Bundesländern hat Baden-Württemberg deshalb eine Initiative im Bundesrat zur Einführung der Widerspruchslösung eingebracht.
Dabei soll künftig jede volljährige Person grundsätzlich als Organspenderin oder Organspender gelten, sofern sie zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt hat. Die persönliche Entscheidungsfreiheit bleibe dabei bestehen.
Enge Zusammenarbeit mit der DSO
Auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation gratulierte zum Jubiläum. Die Stiftung koordiniert bundesweit die Abläufe rund um postmortale Organspenden und arbeitet eng mit Krankenhäusern und Transplantationszentren zusammen.
PD Dr. Christina Zezios von der DSO Baden-Württemberg würdigte die langjährige Kooperation mit dem Klinikum Stuttgart und hob den hohen Stellenwert der Organspende am Standort hervor.
In Baden-Württemberg wurden 2025 insgesamt 154 postmortale Organspenden realisiert – so viele wie seit 2007 nicht mehr. Daraus konnten 462 Organe zur Transplantation vermittelt werden. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Lücke zwischen Bedarf und verfügbaren Spenderorganen weiterhin groß.
Fotocredits: Klinikum Stuttgart

