Die Jazz Open 2025 boten am gestrigen Abend ein besonderes Highlight für Liebhaber elektronischer Musik: Auf dem Schlossplatz trat mit Jean-Michel Jarre einer der einflussreichsten Künstler des Genres auf. Der französische Komponist, Produzent und Klangvisionär, der seit den 1970er Jahren als Wegbereiter elektronischer Musik gilt, präsentierte ein spektakuläres Programm zwischen Retrospektive und Zukunftsvision.

Bekannt wurde Jarre durch Alben wie Oxygène und Équinoxe, mit denen er die Möglichkeiten von Synthesizern in den Mittelpunkt einer neuen musikalischen Sprache rückte. Seine Karriere steht unter dem prägenden Einfluss des Musique-Concrète-Pioniers Pierre Schaeffer, dessen experimentelle Ansätze Jarres frühen Werken ihren unverwechselbaren Charakter verliehen.

Am Schlossplatz ließ sich das Publikum trotz einer Verzögerung von rund 30 Minuten nicht die Stimmung nehmen. Als der Künstler schließlich die Bühne betrat, eröffnete er eine eindrucksvolle audiovisuelle Show, die seine Musik mit monumentalen Projektionen und aufwändiger Lichtregie kombinierte. Stücke wie Magnetic Fields, Oxygène und Stardust wurden von großflächigen Visuals untermalt, die auf die Bühnenwand projiziert wurden und die Klanglandschaften visuell erlebbar machten. Jarre gelang es, elektronische Musik als Gesamtkunstwerk zu inszenieren – ein Erlebnis, das weit über das reine Konzertformat hinausging.

Bereits vor dem Hauptact zeigte sich der Abend vielfältig: Der deutsche Komponist und Pianist Martin Kohlstedt eröffnete das Programm mit einem Set, das akustische Klaviermusik mit elektronischen Beats und Soundflächen verband. Sein Spiel auf dem Klavier und dem Fender Rhodes zeichnete sich durch einen organischen Stil aus, der Klassik, Ambient und Clubmusik miteinander verwob.
Im Anschluss daran trat die Gauthier Dance Company unter der Leitung von Eric Gauthier auf. In einem Auszug aus dem aktuellen Programm präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer eine moderne Ballettinterpretation, die durch Präzision, Ausdrucksstärke und choreografische Innovation überzeugte. Die Verbindung von Tanz und Musik bereitete das Publikum atmosphärisch auf die darauffolgende Hauptshow vor.

Mit Jean-Michel Jarre stand am Ende des Abends ein Künstler auf der Bühne, der elektronische Musikgeschichte geschrieben hat – und der sich trotz seiner langen Karriere nicht auf Nostalgie verlässt. Vielmehr verstand es Jarre, seine Klassiker in einem modernen Kontext zu präsentieren und gleichzeitig den Raum für neue klangliche Entwicklungen zu öffnen.

Die Jazz Open 2025 zeigten an diesem Abend eindrucksvoll, dass elektronische Musik, wenn sie mit solch künstlerischer Konsequenz betrieben wird, weit mehr sein kann als reine Unterhaltung – nämlich eine Form kulturellen Ausdrucks mit visionärem Potenzial.
Bildnachweis Ralf Alten Stuttgart Inside

