4. Mai 2026 / Veranstaltungen

AND NOW HANAU: Dokumentartheater im Hotel Silber trifft auf gelebte Erinnerungskultur

Szenische Lesung von „AND NOW HANAU“ im Hotel Silber verbindet Theater und Ausstellung zu einem eindringlichen Dialog über rechten Terror.

Veröffentlicht am 4. Mai 2026 um 09:23 Uhr

Dokumentartheater trifft Zeitgeschichte:
„AND NOW HANAU“ als Teil der Sonderausstellung im Hotel Silber

Am 6. Mai präsentiert das Theaterhaus Stuttgart in Kooperation mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg (HdG BW) eine besondere szenische Lesung von Tuğsal Moğuls „AND NOW HANAU“. Die Aufführung findet im geschichtsträchtigen Ambiente des Hotels Silber statt und ist eng verknüpft mit der aktuellen Sonderausstellung „Rechtsextremer Terror. Gewalt gegen die offene Gesellschaft“, die sich mit Kontinuitäten rechter Gewalt und ihren gesellschaftlichen Folgen auseinandersetzt.
 
Ein notwendiger Dialog: Theater im Kontext der Ausstellung
Gerade in diesem Kontext erhält das dokumentarische Theaterstück eine besondere Verortung: Die dortige Ausstellung „Rechtsextremer Terror“ beleuchtet die Kontinuitäten rechter Gewalt in Deutschland – vom Nationalsozialismus bis in die unmittelbare Gegenwart. Das Stück von Tuğsal Moğul bildet hierzu das künstlerische Pendant.  Es rekonstruiert die Nacht des 19. Februars 2020 in Hanau minutiös, legt die schmerzhaften Leerstellen in der staatlichen Ermittlungsarbeit offen und zeigt, wie sehr die Betroffenen um Aufklärung kämpfen mussten – und wie Fragen nach Verantwortung und strukturellem Versagen bis heute nachwirken.
Durch die Aufführung am Gedenkort wird die rein theatrale Ebene verlassen. Die Zuschauer:innen erleben die Aufarbeitung des Anschlags an einem Ort, der sich wissenschaftlich und pädagogisch mit den Mechanismen von Ausgrenzung und Hass befasst. Diese Synergie macht deutlich, dass Hanau kein isoliertes Ereignis war, sondern Teil einer gefährlichen Kontinuität, der man sich aktiv entgegenstellen muss. Der Erinnerungsort Hotel Silber, einst Gestapo-Zentrale und heute ein zentraler Ort der Auseinandersetzung mit staatlicher Gewalt und Verfolgung, schafft dafür einen eindringlichen Resonanzraum.
Die Form der szenischen Lesung trägt diesem Kontext bewusst Rechnung und verzichtet auf das klassische Bühnenbild. In reduzierter Gestalt konzentriert sich die Aufführung auf Dokumente, Stimmen und Sprache. So schafft sie den Raum für Reflexion und verbindet die künstlerische Perspektive mit der inhaltlichen Arbeit der Ausstellung. In der intimen, beklemmenden Atmosphäre des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers entfaltet das Wort eine andere, beinahe gerichtliche Wucht. Diese Form der Präsentation unterstreicht den Charakter des Stücks als „Einspruch“ gegen das offizielle Vergessen und passt sich der Ernsthaftigkeit des Ausstellungsortes an
 
Vom Theaterhaus in den Gedenkort: Die Reduktion auf das Wesentliche
Besucher, die das Stück bereits aus dem Theaterhaus Stuttgart kennen, werden eine neue Perspektive gewinnen. Während die dortige Inszenierung auf einer charakteristischen runden Bühne zu erleben ist, setzt die Version im Hotel Silber auf bewusste Reduktion. Und wer "And now Hanau" noch nicht im Theaterhaus gesehen hat, für den lohnt sich der Besuch im Theaterhaus dann erst recht. 
Denn gegenüber der szenischen Lesung im Hotel Silber steht die Inszenierung im Theaterhaus Stuttgart als eigenständige Bühnenproduktion. Die Theaterbühne nutzt die Arena-Situation. Es ist eine raumgreifende Produktion, die mit Distanz und Nähe spielt. So entsteht „And now Hanau“ dort als vielschichtiges Dokumentartheater mit Ensemble, räumlicher Dynamik und einer offenen Bühnenanordnung, die das Publikum unmittelbar einbezieht. Die theatrale Verdichtung und körperliche Präsenz im Theaterhaus erzeugen einen kollektiven Erfahrungsraum, der sich deutlich von der konzentrierten Form der Lesung unterscheidet.
Beide Formate ergänzen sich: Während die Inszenierung im Theaterhaus die emotionale und ästhetische Dimension des Stoffes in den Vordergrund rückt, verankert die szenische Lesung im Hotel Silber das Stück gezielt im erinnerungspolitischen Diskurs der Ausstellung.
 
Über die Kooperation
Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Theaterhaus Stuttgart und dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Sie soll den Diskurs über rechtsextreme Strukturen in Deutschland vertiefen und den Stimmen der Hinterbliebenen in einem Raum, der der Aufarbeitung von Unrecht gewidmet ist, Gehör verschaffen.
 
Veranstaltungsdetails
Titel: AND NOW HANAU – Szenische Lesung
Datum: 6. Mai, 19 Uhr
Ort: Hotel Silber, Dorotheenstraße 10, 70173 Stuttgart
Anmeldung:  veranstaltungen-hs@hdgbwde
 
Die nächsten Vorstellungen im Theaterhaus:
23. Mai, 19:30 Uhr
27. Juni 19:30 Uhr
Tickets unter www.theaterhaus.com

Fotocredits:© Martin Kemeter

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