FSME-Risiko steigt: Zecken auch im Winter aktiv
Deutschland erlebt erneut ein zeckenreiches Jahr: Aufgrund milder Winter sind Zecken mittlerweile ganzjährig aktiv, wodurch das Risiko von Infektionen mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) steigt. Bereits im Januar 2025 wurden erste FSME-Fälle gemeldet, wie Expert:innen auf einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim mitteilten.
Zweithöchste FSME-Fallzahl seit Beginn der Meldepflicht
Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden im Jahr 2024 insgesamt 686 FSME-Fälle in Deutschland registriert. Dies ist die zweithöchste Zahl seit Einführung der Meldepflicht, übertroffen nur vom Rekordjahr 2020 mit 718 Fällen. Besonders alarmierend: Auch in Landkreisen, die nicht als offizielle Risikogebiete gelten, treten vermehrt Infektionen auf.
Prof. Dr. Gerhard Dobler vom Nationalen Konsiliarlabor für FSME warnt, dass das Infektionsrisiko mittlerweile bundesweit bestehe. Besonders betroffen waren 2024 die Bundesländer Bayern mit 311 und Baden-Württemberg mit 226 gemeldeten Fällen. Allerdings wurden in fast allen Bundesländern Erkrankungen registriert – nur Hamburg und Schleswig-Holstein blieben bislang verschont.
Klimawandel begünstigt Zeckenaktivität
Ein wesentlicher Faktor für die Ausbreitung der Zecken und FSME-Infektionen ist der Klimawandel. „Zecken sind bereits ab einer Temperatur von fünf Grad Celsius aktiv“, erklärt Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Da die Winter zunehmend milder werden, überleben mehr Zecken die kalte Jahreszeit, was zu einem Anstieg der Infektionen führt.
FSME-Risiko breitet sich in Europa aus
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern ist das FSME-Risiko gestiegen. Infizierte Zecken wurden mittlerweile in Frankreich, den Niederlanden, England und Dänemark nachgewiesen. Neue FSME-Virusstämme breiten sich zudem aus Osteuropa weiter nach Westen aus.
Dunkelziffer vermutlich hoch
Untersuchungen von Blutspender:innen zeigen, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher sein könnte. Eine Studie aus dem Ortenaukreis ergab, dass das Infektionsgeschehen heute siebenmal höher ist als vor 40 Jahren. Ähnliche Untersuchungen in Österreich deuten darauf hin, dass dort bis zu jeder achte Ungeimpfte bereits eine FSME-Infektion durchgemacht hat.
Experten raten dringend zur Impfung
Angesichts der steigenden Fallzahlen betonen Mediziner die Bedeutung der FSME-Impfung. „FSME kann schwere gesundheitliche Folgen wie Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen verursachen“, warnt Prof. Dr. Dobler.
Eine Grundimmunisierung erfordert drei Impfungen, Auffrischungen sollten alle fünf Jahre erfolgen – ab 50 bzw. 60 Jahren alle drei Jahre. In Deutschland erreicht bislang kein Bundesland die für eine deutliche Fallreduktion erforderliche Impfquote von 50 Prozent.
Weitere Informationen und aktuelle FSME-Fallzahlen stellt das Robert-Koch-Institut unter https://survstat.rki.de bereit.

