Stuttgarts Opernprojekt auf dem Prüfstand: Expertenanhörung vorgeschlagen
Sanierung, Interimslösung oder Neubau? Stadt und Land wollen das Milliardenprojekt erneut ergebnisoffen bewerten lassen. Die laufenden Planungen sollen trotzdem weitergehen.
Die geplante Sanierung und Erneuerung der Württembergischen Staatstheater steht erneut auf dem Prüfstand. Stadt und Land wollen angesichts kritischer Stimmen aus Teilen des Landtags eine ergebnisoffene Expertenanhörung auf den Weg bringen. Dabei sollen die bisherigen Planungen und Erkenntnisse noch einmal umfassend bewertet und auch Alternativen wie eine Interimslösung oder ein Neubau betrachtet werden.
Darauf verständigten sich Ministerpräsident Cem Özdemir, Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, Kunstministerin Petra Olschowski und Erster Bürgermeister Dr. Fabian Mayer bei einem Spitzengespräch am Montag, 14. September.
Alle Varianten sollen erneut betrachtet werden
Im Mittelpunkt der geplanten Anhörung steht eine Neubewertung des Gesamtprojekts aus heutiger Perspektive. Dafür sollen die bislang gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt und die verschiedenen Möglichkeiten für die Zukunft der Staatstheater erneut gegenübergestellt werden.
Neben der geplanten Sanierung soll ausdrücklich auch die Frage nach Interimslösungen und einem möglichen Neubau betrachtet werden. Ebenso sollen Einsparpotenziale und die Dimension sowie die konkrete Ausgestaltung des Projekts untersucht werden.
Die bisherige Planung bleibt dabei zunächst bestehen. Sie basiert auf parlamentarischen Beschlüssen, Entscheidungen der zuständigen Gremien, einem Bürgerforum sowie umfangreichen fachlichen Untersuchungen zu unterschiedlichen Varianten, Standorten und Sanierungsmöglichkeiten.
Keine Pause für das laufende Projekt
Die Expertenprüfung soll nach Möglichkeit parallel zu den bereits laufenden Planungs- und Verfahrensschritten erfolgen. Eine wesentliche Verzögerung des Projekts soll vermieden werden.
Notwendige Arbeiten an der bestehenden Planung sowie Maßnahmen zur Sicherung des künftigen Spielbetriebs sollen deshalb weitergeführt werden. Auch die erforderlichen Aufwendungen für den laufenden Betrieb und notwendige Instandhaltungen wollen Stadt und Land weiterhin gemeinsam tragen.
Oper, Ballett und Schauspiel sollen gesichert bleiben
Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die Expertenanhörung kommt, steht für Stadt und Land eine zentrale Frage im Vordergrund: Die Württembergischen Staatstheater sollen ihr künstlerisches Profil und ihr international herausragendes Niveau behalten. Gleichzeitig muss der Spielbetrieb von Oper, Ballett und Schauspiel auch während der kommenden Jahre verlässlich gewährleistet werden.
Ministerpräsident Cem Özdemir bezeichnete die Sanierung als Jahrhundertprojekt und betonte die Bedeutung einer breiten politischen und gesellschaftlichen Unterstützung. Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper unterstützt die Expertenanhörung ebenfalls, fordert jedoch ein zügiges Vorgehen.
Format soll kurzfristig festgelegt werden
Wie die Expertenanhörung konkret aussehen soll, wer beteiligt wird und in welchem zeitlichen Rahmen sie stattfindet, soll nun kurzfristig zwischen Land, Stadt, der Projektgesellschaft und den Württembergischen Staatstheatern abgestimmt werden.
Damit ist die grundsätzliche politische Entscheidung für die Zukunft der Stuttgarter Oper und ihrer Staatstheater erneut in Bewegung. Gleichzeitig wollen Stadt und Land an der bisherigen Arbeit festhalten und eine Entscheidung ohne unnötigen Zeitverlust vorbereiten.
Quelle: Gemeinsame Medieninformation von Staatsministerium und Landeshauptstadt Stuttgart.
Text: M.C. Alten-Siegl
Fotocredits: Dominik Thewes/Stadt Stuttgart

