13. Juli 2026 / Stuttgart - Online

Städtischer Milliardenverlust und Kreditaufnahme

Umbau des Waldau-Stadions steht auf der Kippe - Neubau der Gegentribüne erneut verschoben - Werden 20 Mio. Euro in den Sand gesetzt ?

Veröffentlicht am 13. Juli 2026 um 08:17 Uhr

Jeden Tag kommen neue Horrormeldungen aus dem Stuttgarter Rathaus: "Stuttgart treibt das Haushaltssicherungsgesetz 2030+ konsequent voran:

Weitere Einsparungen durch Gemeinderat und Verwaltung müssen folgen" heißt es in einer Pressemitteilung vom 17.6.2026. Die schlimmstmögliche Wendung scheint jetzt erreicht. Nach 711,7 Mio Euro Verlust im Hauhalt 2025, der jetzt vom Gemeinderat festgestellt wurde, droht das laufende Jahr mit einem Haushaltsminus von 658 Mio. Euro nur unwesentlich weniger schlecht zu werden. Wegen des Gesamtverlusts von ca. 1,4 Milliarden Euro in 2025 /26 muss die Stadt sogar Kredit aufnehmen.

Im Klartext: Die Stadt Stuttgart, das neue Detroit Deutschlands, muss sparen ohne Ende. Und in allen Bereichen. Um nicht selbst eines Tages zur Konkursmasse zu werden. Droht jetzt auch das Aus für den Neubau der auf ca. 20 Mio. Euro veranschlagten Gegentribüne des Waldau-Stadions, die bereits seit 2022 beschlossen worden ist? Sportamtsleiterin Daniela Klein bleibt (noch) gelassen: "Die Planungen laufen unter Berücksichtigung der städtischen zehnprozentigen  Kürzung bei allen Vorhaben weiter." Weil deshalb erneut umgeplant werden muss, steht der für dieses Jahr im Herbst geplante Baubeginn in den Sternen.

Tatsache ist, dass es einen Gemeinderatsbeschluss gibt, die Gegentribüne im ältesten Fußball-Stadion Deutschlands komplett abzureißen und neu zu bauen. Die Revision dieses Beschlusses könnte allerdings nur durch einen neuen Beschluss des Gemeinderats kommen. Doch da scheinen sich die Stimmen zu mehren, den Neubau der Gegentribüne ganz abzublasen. Zumal der Neubau eigentlich überflüssig ist, weil die ca. 45 Jahre junge Gegentribüne noch sehr gut in Schuss ist, wovon sich der Autor auch selbst überzeugt hat. 

Dieser Ansicht sind mit großer Mehrheit auch die Kickers-Fans und die Ultras, die während einer unübersehbaren langen Abriss- und Neubauphase ohne Heimat wären. Zudem würde bei einem Neubau der Gegentribüne die Gesamtkapazität des Stadions nur um 1000 auf 12 500 PLätze gesteigert. Sportamtsleiterin Daniela Klein stellt klar: "Statisch gibt es bei der Tribüne überhaupt keine Probleme." Heisst im Klartext: Die Tribüne ist uneingeschräkt Besuchertauglich, entgegen allen anderen Behauptungen. Andere Klubs in der Regionalliga wären froh, sie hätten überhaupt so ein schmuckes Stadion wie die Kickers. 

Während die neuen Staatsparteien CDU und Grüne, sowie  SPD und freie Wähler bisher gegenüber Stuttgart-Inside ihrer Auskunftspflicht nicht nachgekommen sind, sagen Die LInke SÖS Plus: "Wir haben den Neubau der Gegentribüne nicht unterstützt. Wir sehen die Notwendigkeit nicht... Unsere Umfragen bei Teilen der Fan-Szene der Stuttgarter KIckers haben ergeben, dass es für einen Abriss-Neubau kein Verständnis gibt." In der Stellungnahme der AfD heißt es u.a.: "Der geplante Neubau ist eine Investition, die trotz der angespannten Haushaltslage richtig und notwendig ist, Sportvereine wie die Kickers leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Breitensport, die Nachwuchsarbeit, die Gesundheitsförderung und nicht zuletzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt."  

Rückblende: In den Jahren 2014/15 war die Haupttribüne im GAZI-Stadion auf der Waldau für eine Gesamtsumme von 14,6 Mio. Euro absolut erstligareif mit einem tollen VIP-Bereich ausgerüstet worden. Damals spielt Geld noch keine Rolle. Auch weil die Stadt annahm, dass der langjährige und traditionelle Zweitligist, wieder den Aufstieg in die 2.Liga schaffen würde. Zudem wollte die Stadt im vorauseilenden Gehorsam sämtliche Forderungen des DFB (einschliesslich Rasenheizung) erfüllen. Doch zweitens kam es anders, als man denkt. Die Blauen setzten unter Präsident Rainer Lorz (seit 2010) zu einem in der Vereinsgeschichte beispiellosen NIedergang und Absturz an. Erst im Amateurbereich in der Oberligta (5.Liga) zogen die Blauen die Notbremse, stiegen nach 5 Jahren wenigstens wieder in die Regionalliga auf.

Als Viertligist mit einem Zuschauerschnitt von 4020 pro Spiel, so sagen selbst viele Kickers-Fans,  reiche das jetzige Waldau-Stadion mit einer Kapazität von ca. 11500 Zuschauern und seinem Komfort allemal aus, zumal der 20 Mio. teure Neubau, wenn das denn am Ende reicht, nur eine Kapazitätserweiterung um 1000 auf 12 500 Plätze brächte. Auch wenn künftig die Frauen des VfB Stuttgart ebenfalls im Waldau-Stadion spielen sollten.

Zudem führen Kritiker an, dass die Blauen, so wie das früher zu Zweitligazeiten und den beiden Bundesligajahren der Fall war, im Aufstiegsfall in die 3.Liga, viele Risikospiele im Neckarstadion (MHP-Arena) austragen müssten. Fragen über Fragen. Und über allem schwebt das Damoklesschwert des Sparhaushalts von OB Frank Nopper und des Gemeinderats. Trotz Kreditaufnahme soll an Investitionen nicht gespart werden. Aber selbst Sportamtsleiterin Daniela Klein traut dem Frieden nicht, räumt ein: "Aktuell müsen wir mit allem rechnen." .

Wozu also 20 Mio. Euro, Gelder  des Steuerzahlers,  zum Fenster rauswerfen? Ein Schmuckkästchen bleibt das älteste Fußball-Stadion Deutschlands auch so.

Klaus Henrich

Fotocredits Klaus Henrich / ASP-Architekten 

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