Die Blauen treten auf der Stelle.
Auch im 2.Jahr unter Trainer Marco Wildersinn (45) werden die Stuttgarter Kickers die überlebenswichtige Rückkehr in die 3.Liga nicht schaffen. Nach der 0:3-Pleite gegen FSV Frankfurt im Waldau-Stadion (4500 Fans) ist der Abstand zum Aufstiegsplatz auf 16 Punkte angewachsen. Die letzten 6 Punktspiele bedeutungslos. Oder doch nicht? Wildersinn will sich mit einem fulminanten Schlussspurt und einem ERfolg im WFV-Pokal die Vertragsverlängerung im Fotofinisch sichern. Wildersinn: "Wir kämpfen um Platz 3 und den Einzug ins WFV-Pokalfinale."
Doch brächte es den Kultklub weiter? Unter Wildersinn, der noch von Sportdirektor Marc Stein verpflichtet wurde, hat sich die Truppe spielerisch nur mäßig entwickelt. Vom 100-Tore-Sturm, der unter Trainer Mustafa Ünal in die Regionalliga stürmte (2022/23) und nur um zwei Punkte am Durchmarsch in die 3.Liga (2023/24) vorbeischrammte, ist nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Der Angriff ist mit bisher nur 40 Toren (28 Spiele) bestenfalls ein laues Lüftchen. Selbst gegen dezimierte Gegner fehlt es an Durchschlagskraft. Für Wildersinn auch eine Folge des Umbruchs vor dieser Saison. Wildersinn: "Wir haben jetzt eine entwicklungsfähige Mannschaft. Und diese Entwicklung würde ich gerne weiter begleiten."
Wenn man ihn lässt. Denn Vertragsgespräche haben mit dem Fußballlehrer, wie Wildersinn bestätigt, bis jetzt noch nicht stattgefunden. Was nicht unbedingt auf eine Vertragsverlängerung schließen lässt.
Dennoch ist für Lutz Siebrecht (58), den sportlichen Leiter, noch nichts entschieden. Siebrecht knapp: "Wir sprechen intern mit den betroffenen Personen, sobald eine Entscheidung gefallen ist, werden wir sie kommunizieren." Heißt: Es haben Gespräche mit Trainerkandidaten stattgefunden, aber nicht mit Wildersinn.
Im Klartext: Knapp fünf Wochen vor Saisonschluss stehen die Blauen ohne Trainer für die nächste Saison da. Die Spieler wirken mehr und mehr orientierungslos, die Fans ratlos.
Ein Krisenszenario, das auch das Umfeld und Kickers-Ikonen wie Wolfgang Wolf (68) umtreibt.
Wolf, mit dem die Blauen ihre größte Zeit erlebten, zwei Jahre in der Bundesliga spielten, redet Klartext. Wolf: "Die Kickers hätten Wildersinn schon nach dem ersten Jahr mit einem Rückstand von 23 Punkten auf Platz 1 feuern müssen. Unter Wildersinn ist keine Entwicklung zu sehen."
Aber auch Siebrecht bekommt sein Fett ab. Wolf: "Die jetzige Situation ist unerträglich, kurz vor Toresschluss immer noch keinen Coach für die nächste Saison zu haben. Das geht voll auf die Kappe des sportlichen Leiters. Wo bleibt die Planungssicherheit? Was denkt der sich eigentlich? Das ist absolut amateurhaft."
Fazit: Den Kickers fehlt die im Profisport notwendige Erfolgsorientierung. Dazu gehört auch, rechtzeitig die Weichen für die sportliche Zukunft zu stellen. Die Entscheidung der Trainerfrage steht über allem. Der Coach ist der wichtigste leitende Angestellte im Profigeschäft. Er ist für die sportliche Vorleistung verantwortlich. So gesehen ist es bereits fünf nach Zwölf. Eine Bankrotterklärung für Siebrecht und die Führungsetage um Präsident Rainer Lorz. (63).

Klaus Henrich
Fotocredits: Stuttgarter Kickers FB

