Kaufmann: "Ich will das Wunder von Stuttgart"
Der TVB Stuttgart scheint unter seinem neuenTrainer Misha Kaufmann (42) langsam, aber sicher in der Handball-Bundesliga anzukommen. Mit dem Schweizer Coach spielt der TVB zum erstenmal eine Saison ohne Abstiegsangst. Es wird in der elften Saison in der Handball-Bundesliga, langsam, aber sicher auch Zeit. Immerhin ist Stuttgart einer von sieben gutsituierten Großstadtklubs, der zwischenzeitlich über einen Etat von annähernd 10 Mio. Euro verfügt .
In den letzten drei Spielen, die allesamt gewonnen wurden, darunter im vorletzten Spiel das schwäbische Prestigederby bei Frisch Auf Göppngen (33:32) deuteten die WILD BOYS an, zu was sie fähig sind. Der TVB Stuttgart sprang noch auf Platz 12 (28:40 Punkte), verfehlte das wiederholt ausgegebene Ziel unter die TOP 10 zu kommen, nur knapp. Kaufmann: "Wir hatten in der Bundesliga verschiedene Phasen, aber schon seit Jahresbeginn geht's aufwärts, sind wir immer erfolgreicher geworden."
Kaufmanns Systemumstellung macht's möglich. Meistens ohne Kreisläufer spielt Kaufmann, wie schon bei seinem letzten Klub ThSV Eisenach, mit vier Rückraumspielern (statt drei) ein System, das in der Bundesliga eine Revolution der Systeme auslösen könnte. Das bewirkte zuletzt das innovative System des zwischenzeitlich verstorbenen Rolf Brack, im Angriff - für den Torwart - einen siebten Feldspieler zu bringen, um damit Dominanz zu erzielen. Eine Systemvariante, die heute jeder drauf hat.
Die Umstellung des Systems im Rückraum von drei auf vier Spieler scheint allmählich bei den Spielern angekommen und verinnerlicht zu sein. Kaufmann: "Bei diesem System kommen viele Aspekte zusammen. Es gibt kürzere Passwege, deshalb mehr Raumbewegungen und mehr Einlaufsituationen. Letztlich mehr überraschende Momente und Abschlussmöglichkeiten." Eine Entwicklung, die vor allem Rückraumspieler Kai Häfner (36) zugute gekommen ist. Der Nationalspieler hat sich zum zweitbesten Torjäger in der stärksten Liga der Welt entwickelt. Hinter dem Berliner Matthias Gidsel (327 Tore in 34 Spielen) erzielte Häfner 255 Tore ln 34 Spielen, was einer Wurfquote von 68,55 Prozent entspricht. Kaufmann: "Kai ist ein absoluter Weltklassespieler."
Und Misha Kaufmann auf dem Weg zum Weltklassetrainer, der Stuttgart in ein neues Handball-Zeitalter katapultieren will. Seinen Wunschkader mit 19 Spielern hat er für die nächste Saison 2026/27 bereits zusammen. Sein Ziel: "Ich will das Team weiterentwickeln. Die Voraussetzungen in Stuttgart sind optimal. Jürgen Schweikardt, die Familie Schweikardt hat beim TVB Stuttgat ein gesundes Fundament und ein großes Netzwerk geschaffen, hier liegt ein sehr großes Potenziel."
Das will Kaufmann ausreizen und Stuttgart an die Spitze im deutschen Handball heranführen. Kaufmann im Klartext: "Ich will das Wunder von Stuttgart." Heißt: Stuttgart soll in naher Zukunft in der Champions League spielen. "Das Wunder von Stuttgart" darf Visionär Kaufmann mit Fug und Recht in den Mund nehmen. Denn der gebürtige Berner ist nicht nur Meister seines Fachs, er kommt auch aus der (Haupt-)Stadt, die dem "Wunder von Bern" 1954 Pate gestanden hat.
Ein Wunder, das ihm auch Geschäftsführer Jürgen Schweikardt (46) durchaus zutraut. Schweikardt: "Misha ist ein absoluter Volltreffer."
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Klaus Henrich
Fotocredits: TVB Stuttgart

