Die eImotion sports GmbH Germany ist Veranstalter des Stuttgarter Rasen-Tennisturniers BOSS OPEN (6.-14. Juni 2026). Das Unternehmen ist Teil der eImotion group, die das Turnier auf der Anlage des TC Weissenhof organisiert. Stuttgart Inside sprach mit Geschäftsführer und Turnierdirektor Edwin Weindorfer (58);
1. Stuttgart-Inside: Herr Weindorfer, Sie sind seit 20 Jahren, seit 2007, mit e|motion Veranstalter des Weissenhof-Tennisturniers, 2020 musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Wie fällt Ihr Fazit nach 20 Jahren aus?
Wir haben schon eine lange und interessante Reise in Stuttgart hinter uns. Als wir das Turnier 2007 zum ersten Mal veranstaltet haben, wurde noch auf Sand gespielt. Mit dem Sieg von Rafael Nadal war unser Einstieg perfekt. Danach hat sich aber gezeigt, dass ein Turnier auf roter Asche nach Wimbledon vom Teilnehmerfeld her seine Grenzen hat. Als sich dann die Möglichkeit ergeben hat, auf Rasen zu wechseln, haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt.
2. Sie haben das ehemalige Sandplatz-Turnier 2015 auf Rasen umgestellt. Würden Sie es nochmal machen?
Ja – zu 100 Prozent! Der Umstieg war die einzig richtige Entscheidung, wie die Rasensieger Rafael Nadal, Roger Federer, Matteo Berrettini, Frances Tiafoe oder Taylor Fritz zeigen.

3. Was sind die Vorzüge von Rasen gegenüber Sand?
Ich denke, beide Beläge haben ihre Vorzüge. Bei Rasen kommt dazu, dass die Saison mit fünf Wochen sehr kurz ist und mit Wimbledon das wichtigste und traditionellste Turnier auf diesem Untergrund gespielt wird.
4. Wie hoch ist Ihr diesjähriger Etat?
Rund acht Millionen Euro.
5. Ist Stuttgart das neue deutsche Wimbledon des Tennis?
Wimbledon ist Wimbledon, und der Weissenhof ist der Weissenhof! Die Anlage in Stuttgart hat ihre besondere, eigene Atmosphäre. Und natürlich spielt Wimbledon in die BOSS OPEN hinein – indem wir auf derselben Rasenmischung spielen. Dadurch, dass wir während des Turniers Erdbeeren anbieten und seit mehr als einem Jahrzehnt stolzer Partner von Wimbledon sind.
6. Sie haben seit 2022 BOSS als neuen Namensgeber und Hauptsponsor gewonnen. Ist das Turnier damit noch exklusiver geworden?
Wir sind mit BOSS im Jahr 2022 eine Partnerschaft eingegangen, die sehr erfolgreich ist und die dem Turnier eine neue und moderne Note verliehen hat. Wir haben beträchtliche Investitionen getätigt und zusammen mit BOSS auch viele neue Ideen einfließen lassen. Dabei setzen wir neben Weltklassetennis vor allem auf die Themen Mode und Lifestyle.
7. Wenn nicht BOSS, was wäre ihr Traum als Namensgeber und Hauptsponsor?
Diese Frage stellt sich für uns nicht – wird sind stolz und glücklich zugleich, dass wir BOSS als Namensgeber und Hauptsponsor gewinnen und im Vorjahr den Vertrag bis 2030 verlängern konnten.
8. Sie haben das Turnier zu einer Marke gemacht. Was ist der Markenkern?
Der zentrale Kern bleibt der Tennissport, um den wir in Stuttgart herum aber weitere Schwerpunkte setzen. Dazu zählen der enge Kontakt zu den Tennisstars, Veranstaltungen wie das BOSS OPEN-Fest oder die Ischgl Night, aber auch das kulinarische Angebot auf der Anlage.

9. Sie liegen sehr auf Tuchfühlung mit den French Open, müssen jedes Jahr um die Teilnahme von Stars wie Alexander Zverev zittern. Ist der Zeitpunkt der BOSS OPEN im Tenniskalender ein Nachteil?
Wäre der Termin ein Nachteil, dann hätten Stars wie Rafael Nadal, Roger Federer, Dominic Thiem, Taylor Fritz oder im Vorjahr Alexander Zverev nicht in Stuttgart gespielt. Die Rasensaison ist kurz und jedes Spiel ein wichtiger Schritt in Richtung des Grand Slams in Wimbledon. Es kann aber auch der Fall eintreten, dass Spieler, die in Paris weit kommen, ihre Batterien wieder aufladen müssen und daher nicht bereit für Stuttgart sind.
10. Sie sind ein Aushängeschild der Sportstadt Stuttgart. Sind Sie mit der Unterstützung der Stadt zufrieden?
Ich formuliere es einmal so – bei der Unterstützung durch die Sportstadt Stuttgart gibt es noch Luft nach oben.
11. Große, bedeutende Turniere leben von Zugpferden. In Österreich war es früher Thomas Muster. In Deutschland Boris Becker, dann Michael Stich. Jetzt Alexander Zverev. Wie wichtig ist ein Zugpferd für die BOSS OPEN?
Natürlich sind deutsche Spieler für das Turnier wichtig, aber aus dem Vorverkauf lässt sich erkennen, dass wir sehr viele Tickets absetzen, bevor wir die ersten Spieler bekanntgeben, die in Stuttgart spielen werden. Ein Besuch bei den BOSS OPEN ist mittlerweile viel mehr, als sich Tennismatches anzusehen. Es gibt auch die Möglichkeit, den Spielern ganz nahe zu sein, Partys zu feiern, einfach eine gute Zeit zu haben. Dieses Paket zieht die Besucherinnen und Besucher an.
12. Welche Stars schlagen in diesem Jahr auf?
Es stehen mit Alexander Zverev, Ben Shelton, Titelverteidiger Taylor Fritz und Alexander Bublik vier Spieler aus den Top Ten auf der Meldeliste. Dazu hat der Tennis-Exzentriker Nick Kyrgios sein Comeback am Weissenhof angekündigt. Mit dem zweifachen Stuttgart-Sieger Matteo Berrettini und Frances Tiafoe sind zwei weitere Spieler mit dabei, die hier schon gewonnen haben.
13. Der Weltranglistenerste, der Südtiroler Jannik Sinner ist bei den French Open überraschend ausgeschieden. Das wäre doch die allerbeste Gelegenheit, ihn für die BOSS OPEN zu gewinnen. Ist das keine Überlegung wert?
Jannik Sinner hat in den vergangenen Monaten extrem viel gespielt und auch angekündigt, dass er nach Paris eine Pause einlegen wird.
14. Apropos Zugpferde. Bei den Damen besteht eine gewisse Flaute an guten deutschen Spielerinnen. Bei den Herren schaut es nach Zverev auch nicht so gut aus. Kein weiterer Deutscher unter den Top 50. Droht im deutschen Herren-Tennis die nächste Krise?
Deutschland verfügt im Moment mit Justin Engel, Diego Dedura, Max Schönhaus und Niels McDonald über vier vielversprechende Talente. Sie sind 18 Jahre jung und mittendrin in ihrer Entwicklung. Justin Engel hat im Vorjahr in Stuttgart sogar das Viertelfinale erreicht – das zeigt, dass das Potenzial für eine erfolgreiche Karriere da ist. Dazu halten sich etablierte Spieler wie Yannick Hanfmann, Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff konstant in den Top 100.
15. Sie sind auch ein Visionär. Wie sehen Sie die Zukunft des Turniers. Wollen Sie in die 500er-Klasse aufsteigen?
Die Vertragsverlängerungen mit der HUGO BOSS AG und dem TC Weissenhof bis 2030 geben uns Planungssicherheit. Wir werden weiter innovativ bleiben – so findet in diesem Jahr erstmals ein „Economic Summit“ mit hochkarätigen Speakern statt. Neuerungen eine Chance geben, Bewährtes nachschärfen – daran halten wir fest. Sollte sich einmal eine Option ergeben, das Turnier aufzuwerten, werden wir diese Möglichkeit prüfen.
16. Welches Finale hätte ihre größte Sympathie?
Ich werde jetzt keine Namen nennen. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer wünsche ich mir eine intensive und spannende Partie, die im Tiebreak des dritten Satzes entschieden wird.

Klaus Henrich
Fotocredits: Ralf Alten

