Blaue Nehmerqualitäten
Die Stuttgarter Kickers drehen beim 2:1 (1:1)-Arbeitssieg gegen SG Barockstadt Fulda-Lehnerz ein fast schon verlorene Partie und wenden damit die Krise ab, bleiben als Vierter (13 Punkte) mit drei Punkten Rückstand auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe und Tabellenführer Offenbacher Kickers (16 Punkte).
Die Verunsicherung und das mangelnde Selbstvertrauen nach zuvor zwei verlorenen Partien waren den Kickers im ersten Durchgang deutlich anzumerken. Nach dem 0:1-Rückstand (19.) gelang den Blauen nach der schönsten Kombination des ganzen Spiels zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause der 1:1- Ausgleich (44.) durch Dejan Bozic.
Für die Moral der Kickers spricht, dass sie auch nach einem von Melkamu Frauendorf vergebenen Foulelfmeter nicht aufgeben und kurz danach den 2:1-Siegtreffer durch Sebastian Müller (61.) erzielen, der zum schwer erkämpften, aber nicht unverdienten zweiten Heimsieg reicht.
Viele der 3480 Fans in Deutschlands ältestem Fußball-Stadion fragen sich, ob das schon die Wende war?
Ohne den angeschlagenen Christian Mauersberger wirken die Blauen auch nach 7 Spielen noch nicht als homogene Einheit, vieles bleibt Stückwerk, flüssige Kombinationen gab es zu selten, die mangelnde Passgenauigkeit tut ein übriges. Und die Abwehr bleibt ein Sanierungsfall. Das muss der Trainer Holger Bachthaler schnell abstellen. Vielleicht geht's ohne Dreierkette, dafür Viererkette besser. Das wichtigste an diesem Samstagnachmittag im Waldau-Stadion ist der Sieg. Nur der zählt.
Bachthaler: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Man hat gespürt, dass die Mannchaft Wiedergutmachung betreiben wollte." Aber Bachthaler sagt auch: "Als absolute Spitzenmannschaft hätten wir mit zwei bis drei Toren gewonnen."
Bachthalers Fazit bleibt im grünen Bereich: "Es gibt keinen Grund, sich nicht über den Sieg zu freuen. Viele in der stärksten Regionalliga aller Zeiten wären froh, wenn sie in unserer Situation wären." Da mag Bachthaler vielleicht an seinen Ex-Klub SSV Ulm 1846, gerade Schlusslicht, gedacht haben. In einem Punkt hat Bachthaler sicher recht: Gewonnen ist gewonnen. Freuen nach Siegen darf man sich auch.
Bleibt die Gretchenfrage: Spitzenteam oder Mittelmaß ?
Wo stehen die runderneuerten Kickers wirklich?
Die Antwort werden die nächsten drei Spiele geben. Bereits am Freitag geht's zu FSV Frankfurt (19 Uhr); dann müssen die Blauen zu Topfavorit Heilbronn-Freiberg (26.September, 14 Uhr). Danach gastiert Spitzenreiter Offenbacher Kickers im Waldau-Stadion (2.Oktober 19 Uhr).
Auch für Kapitän und Torwart Felix Dornebusch eine absolute Standortbestimmung. Dornebusch: "Wir strotzen gerade nicht vor Selbstvertrauen. Aber die Qualität ist da. Wir müssen uns weiter entwickeln, in allen Mannschaftsteilen. Dann können wir weiter oben dran bleiben." Gerade, weil es in den nächsten drei Partien (fast) um alles geht. Dornebuschs Ausblick: "Die nächsten drei Partien sind Spiele der Wahrheit."

Text: Klaus Henrich
Fotocredits: Klaus Henrich

