Schwarzer Pfingstsamstag für Stuttgart.
Sowohl der VfB Stuttgart (0:3 gegen Bayern München) als auch die Stuttgarter Kickers (1:4 gegen Großaspach) haben ihre Pokalfinals vergeigt. Der VfB Stuttgart ist aufgrund seines 4.Platzes für die Champions League und den DFB-Pokal qualifiziert. Die Stuttgarter Kickers schauen in die Röhre, verpassen den lukrativen Einzug in den DFB-Pokal und die stolze Summe von 211 886 Euro für die 1.Runde.
Die Stuttgarter Kickers liefern vor imposanter Kulisse im heimischen Waldau-Stadion (8533 Zuschauer) Großaspach einen brillanten Schlagabtausch, aber im Abschluss fehlt, wie schon so oft in dieser Saison, die Durchschlagskraft und Konsequenz. So bleibt der 1:2-Anschlusstreffer durch Mario Borac (76.) die einzige Ausbeute. Großaspach dagegen nutzt seine Chancen konsequent. Am Ende schrammt das Skandal-Finale nur knapp am Abbruch vorbei.
Dazu trägt Schiedsrichter Roman Reck (36, Schiedsrichtergruppe Leonberg) seinen Teil dazu bei. Es stellt sich die Frage, warum ein Schiri, der nach WFV-Angaben nur bis zur Oberliga pfeift, für ein Spiel auf höchstem Regionalliga-Niveau angesetzt wird, in dem es nicht nur ums Prestige, sondern auch um viel Geld geht. Der WFV wollte die Frage nicht beantworten.
So wurde es kein würdiges Pokalfinale, sondern ein Festival der Fehlentscheidungen, der Fanausschreitungen, der Pöbeleien und eines Überfalls.
Erst entscheidet der Mann in Schwarz nach angeblichem Foul von Melkamu Frauendorf (1. Gelbe Karte) im Strafraum auf Strafstoß für Aspach, eine krasse Fehlentscheidung. Den Elfer verwandelte Fabian Eisele zum 0:2 für Aspach (64.) Dann muß Frauendorf nach einem Kopfballduell mit Gelb-Rot vom Platz (70.). Eher hätte sein Gegenspieler Gelb sehen müssen.
Entscheidungen, die dem Spiel eine starke, emotionale Wendung geben. Zudem scheint der Schiri, den hohen Temperaturen eingedenk, auch konditionelle Probleme zu haben, was die Sache nicht besser macht.
Der Kickers-Block gerät zunehmend in Wallung, zumal auch der Aspacher Michael Kleinschrodt die Fans mit einer Geste, er zeigt das Herz mit Daumen und Zeigefinger, provoziert. Die Fans werden daraufhin mit Bechern nach dem Spieler. Die Situation eskaliert, Pyrotechnik erleuchtet das Waldau-Stadion, ein Platzsturm droht. Der überforderte Schiedsrichter schickt die Teams kurz vor Spielende für eine Viertelstunde in die Kabinen, um die Gemüter zu beruhigen. An der 1:4-Pleite der Blauen ändert sich nichts mehr. Die Kickers-Fans skandieren: "Scheiß WFV...."
Torhüter Felix Dornebusch diplomatisch: "Der Schiedsrichter hat nicht gut gepfiffen, aber es lag auch an uns: Das Selbstverständnis der letzten Wochen, als wir vier SIege in Serie einfuhren, hat gefehlt." Kapitän Nico Blank: "Wir werden das wegstecken. Neue Saison werden wir wieder angreifen und den Pokal gewinnen."
Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht: "Ich bin sehr enttäuscht, aber diese Niederlage wirft uns nicht um, sie hilft uns, uns weiter zu entwickeln." Interimstrainer Kerem Arslan: "Ich bin enttäuscht, wir wollten noch eine Saisonbestleistung bringen. Aspach hatte die bessere Effizienz. Die entscheidenden Situationen hat der Schriri nicht gepfiffen."
Was den Schiedsrichter betrifft, ist der WFV am Zug, der seinen eigenen Wettbewerb auf den Prüfstand stellen muss. Ein erfahrener Schiedsrichter, mindestens auf Regionalliga-Niveau, wenn nicht mit Profi-Erfahrung, wäre der Bedeutung eines Pokalfinals angemessen. Wie es hinter vorgehaltener Hand auch beim WFV heißt.
Für die Stuttgarter Kickers macht's die Sache nicht besser. In einer schwachen Saison wurde der Aufstieg in die 3.Liga zum 3.Mal in Folge verpasst (Platz 7, 14 Punkte Rückstand auf den Meister). Mit der vorzeitigen Freistellung von Trainer Marco Wildersinn Ende April gab es eine erste Konsequenz. Jetzt schrammen die Kickers auch am lukrativen DFB-Pokal vorbei. Heißt auch: Der Sportgeschäftsführer selbst steht unter Druck, muss liefern. Der neue Trainer Holger Bachthaler ist um seine schwere Aufgabe nicht zu beneiden.
Da ein Drama bekanntlich erst zu Ende ist, wenn es seine schlimmst mögliche Wendung genommen hat, geht es lange nach Spielschluss des Skandalfinals gegen 19.30 Uhr nochmal richtig zur Sache. Nach dem Polizeibericht rasten einige Kickers-Fans im Kickers-Trikot aus, entwickeln kriminelle Energie und attackieren den Aspacher Michael Kleinschrodt und dessen Papa auf dem Parkplatz des Waldau-Stadions. Beide erleiden leichte Verletzungen. Kleinschrodt wird zudem bestohlen. Die Täter konnten unerkannt flüchten. Die Kriminalpoilizei ermittelt. Zeugen können sich unter - 0711/8990-5778 - melden. Unrühmliches Ende eines Skandal-Pokalfinals.
Zu den Ereignissen nehmen die Blauen wie folgt Stellung: "Die Stuttgarter Kickers verurteilen jede Form von Gewalt, Einschüchterung und persönlichen Übergriffen klar und unmissverständlich. Die Ereignisse rund um das WFV-Pokalfinale haben viele Menschen innerhalb und außerhalb unseres Vereins erschüttert. Diese Betroffenheit können wir nachvollziehen und nehmen sie sehr ernst."
Trainingsauftakt zur Saison 2026/27 ist am 29.Juni im ADM-Sportpark.
Übrigens: Mittelfeldspieler Per Lockl wechselt zum Ligakonkurrenten SSV Ulm. Der Verbleib von Felix Dornebusch ist weiter offen. Der Torwart hat Angebote von Ligakonkurrent SGV Freiberg und von Zweitligist VfL Bochum. Ungewiss ist auch der Verbleib von Flamur Berisha und Marlon Faß, die in Großaspach im Gespräch sind. Perfekt dagegen, dass Yannick Glessing vom FV Illertissen kommt.
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Klaus Henrich
Foto 1 und 2: Fanausschreitungen ; Foto 3: Blaue Enttäuschung nach dem Spiel; Foto 4: Das Schiedsrichtergespann
Foto 5: Enttäuschte KIckers; Foto 6: Ehrung der Kickers vom WFV für den 2.Platz; Foto 7. Aspach-Macher Uli Färber und seine Frau Andrea Berg; Foto 8. Aspacher Sieger
Fotocredits: Klaus Henrich

