Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften.
Geht's nach dieser Fußball-Weisheit sind die Stuttgarter Kickers vom erträumten Titel in der Regionalliga Süd und dem Wiederaufstieg in die 3.Liga nach drei Spielen (7 Punkte, 9:6 Tore) noch weit weg.
Mit dem 2:2 (1:0)-Unentschieden gegen den SC Freiburg verpassen die Blauen, nach zuvor zwei Siegen, nicht nur den Sprung an die Spitze der Regionalliga Südwest, sondern sie müssen erneut die Erfahrung machen, dass sie zumindest in der Defensive noch keinesfalls den Anspruch eines Spitzenteams erfüllen. Jeweils zwei Gegentore in den ersten drei Spielen der noch jungen Saison, das ist zuviel.
Bliebe es beim Schnitt von zwei Gegentoren pro Spiel, hätten die Blauen am Saisonende nach 34 Punktspielen 68 Gegentore. Damit ist noch keine Mannschaft aufgestiegen. Letzte Saison stieg Aspach mit 43 Gegentoren, 2025 Hoffenheim II mit 37 Gegentoren, 2024 der VfB II mit 50 Gegentoren auf. Die Liste ließe sich fortsetzen. Stuttgarts OB und Fußball-Experte Frank Nopper, der das Spiel mit Interesse verfolgte, würde bestimmt nicht widersprechen.
Zweimal konnten die Kickers durch Udogo zum 1:0 (20.) und Bozic zum 2:1 (51.) in Führung gehen. Zweimal luden die Blauen die Freiburger zu leichten Gegentreffern ein. Vor allem der 2:2-Ausgleich durch einen verwandelten Foulelfmeter durch Rüdlin, dem ein überfüssiges Foul durch Zukaj vorangegangen war, ohne dass Torgefahr bestanden hätte, brachte Trainer Holger Bachthaler zurecht das eine ums andere Mal in Rage.
Bachthaler: "Was mich maßlos ärgert, ist das Gegentor zum 2:2, weil wir davor zweimal schlecht verteidigt haben. Wir verursachen diesen Elfer in einer Situation, in der keine Gefahr besteht für unser Tor. Da müssen wir uns natürlich cleverer verhalten. Das war sehr, sehr ärgerlich."
Es hätte leicht noch schlimmer werden können. Denn die 4230 Fans im Waldau-Stadion mussten eigentlich bei jedem SC-Angriff die Luft anhalten, denn die Kickers-Abwehr mit großen Zuordnungs- und Abstimmungsproblemen. Wenigstens lässt sich Torwart und Kapitän Felix Dornebusch von der allgemeinen Nervosität in der Defensive nicht anstecken und strahlt eine gewisse Ruhe aus.
Trainer Holger Bachthalers Fazit brachte es auf den Punkt: "Wir müssen uns vorwerfen, dass wir insgesamt besser verteidigen müssen. In allen drei Regionalligaspielen haben wir viel zu einfache Gegentore bekommen. Da müssen wir ansetzen." Aber wie? Das Problem der nicht sattelfesten Defensive setzt sich aus der letzten Saison nahtlos fort.
"Grundsätzlich möchte ich einen aktiven Fußball spielen, mit einer klaren Struktur im Spiel gegen den Ball und dem Fokus, über Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte zum Torerfolg zu kommen." So hatte Bachthaler zu Saisonbeginn im Interview mit Stuttgart Inside seine Trainerphilosophie umschrieben. Vielleicht sollte er damit in der Defensive beginnen.
Am besten schon im nächsten schweren Auswärtsspiel beim Meisterschaftsmitfavoriten FC Homburg/Saar (Samstag 14 Uhr).
Text und Fotocredits: Klaus Henrich
1.) Christian Mauersbergers Treffer wird wegen Abseits nicht anerkannt
2.) Blauer Jubel - Dejan Bozic hat zur 2:1-Führung getroffen

