Die MHP Riesen Ludwigsburg bleiben dran, besiegen im Endspurt um die Playoff-Plätze in der Basketball-Bundesliga die Skyliners Frankfurt 97:65 (45:30).
Nach schwachem Auftaktviertel (18:19) setzt sich Klasse, Homogenität und reifere Spielanlage der Riesen zum ungefährdeten 8. Heimsieg durch. Auch eine Folge, dass die Riesen bis auf Kapitän Yorman Polas Bartolo erstmals wieder komplett antreten können.
Dennoch bleibt der Kampf um die acht Endrundenplätze eine Zitterpartie. Trotz der positiven Bilanz und dem 8. Platz (13 Siege, 11 Niederlagen), der für die Pre-Playoffs (Platz 7 - 10) berechtigen würde, zeigt das Team von Mikko Riipinen (38) konstant zwei Gesichter. Im Spiel selbst, als auch von Spiel zu Spiel: Starke Läufe und schwache Phasen wechseln sich ab. Die Handschrift des Trainers ist erst in Ansätzen erkennbar.
Stabil dagegen der Ansturm auf die MHP-Arena in der Barockstadt. Bereits zum 13. Mal in Folge war die Arena mit fast 4000 Fans so gut wie ausverkauft. Kalkuliert sind vom Klub lediglich 3200 Fans pro Spiel. Mehreinnahmen, die Präsident Alexander Reil (58) für seinen Etat (ca. 6 Mio. Euro) gut gebrauchen kann.
Reil, der auch Ligapräsident ist, weiß, dass die Ansprüche seit Trainer John Patrick (57) gewaltig gestiegen sind. Der Deutsch-Amerikaner hat Ludwigsburg in zehn Jahren (2013-22 und 2024/25) zum Topteam entwickelt, wurde 2019/20 "Vize.". Daran wird jeder Trainer gemessen. Auch Riipinen, der im Nebenberuf schwedischer Nationaltrainer ist. Reil: "Wir wollen über die Pre-Playoffs ins Viertelfinale." Heißt: Die Riesen müssen mindestens Zehnter werden, um sich über die Play-Ins für die Runde der letzten Acht zu qualifizieren.
Die Versetzung von Riipinen ins 2.Trainerjahr ist deshalb an Bedingungen geknüpft. Nur bei Erreichen des Viertelfinals darf sich der Schwede Hoffnungen machen, auch nächste Saison Riesen-Coach zu sein. Reil: "Wenn wir das Viertelfinale nicht erreichen, können wir unsere Option ziehen:" Heißt: Sollten die Riesen die Endrunde der acht Besten nicht erreichen, könnte Reil den Zweijahresvertrag vorzeitig auflösen. Für Reil zählt im Profisport nur eines: Die bedingungslose und totale Erfolgsorientierung. Eine Drucksituation, die für den Bundesliganovizen Riipinen im täglichen Existenzkampf gewöhnungsbedürftig ist.

Dass der Schwede gerne bleiben würde, daraus macht er kein Geheimnis, macht der Residenzstadt und der Region eine Liebeserklärung. Riipinen: "Der Marktplatz, das Schloss, der Märchengarten sind ein Traum, sind meine zweite Heimat. Dazu kommt Stuttgart mit seinen Shopping- und Flanier-Meilen, seinem schwäbischen Charme." Sein größtes Kompliment gilt freilich dem Klub und alles was mit der Basketball-Akademie drumherum entstanden ist. Riipinen: "Hier steckt ein unheimliches Potenzial."
Das würde er gerne weiterentwickeln, wenn man ihn nur lässt. Riipinen weiß, dass die Bundesliga im Land des Welt- und Europameisters stärker und ausgeglichener denn je ist. Jeder kann jeden schlagen. Und Riipinen muss dagegenhalten, koste es, was es wolle.
Um sich in den restlichen 10 Spielen für die Playoffs zu qualifizieren, braucht Ludwigsburg mehr Stabiltät, weniger Ballverluste (16 pro Spiel), bessere Freiwurfquoten (67 Prozent) und eine intensivere Defensive. Last not least müssen die Riesen die Konstanz finden. Riipinen einsichtig: "Stabilität und Konstanz, weniger Missverständnisse, konsequente Verteidigung, das müssen wir bis zu den Playoffs verbessern." Sein Motto: "Wir sind gut, aber noch nicht gut genug."
Zum nächsten Heimspiel empfangen die Riesen Chemnitz (Mittwoch 1.4. 20.00 Uhr, MHP-Arena)
Klaus Henrich
Fotocredits: Klaus Henrich

