Die Kickers bleiben dran.
Dornebusch, Dornebusch..., hallt es nach dem 1:0-Sieg der Stuttgarter Kickers beim FC Homburg/Saar durchs Wald-Stadion. Die Sprechchöre wird Felix Dornebusch (32) nicht so schnell vergessen. Auch deshalb nicht, weil die Blauen an Spiele beim FC Homburg/Saar nicht die besten Erinnerungen haben. In der Saison 2023/24 (18.5.24) verspielten die Blauen am letzten Spieltag mit Dornebusch bei der 0:3-Pleite Meisterschaft und Durchmarsch in die 3.Liga. Jetzt festigen die ungeschlagenen Kickers mit dem 3.Sieg im 4.Spiel hinter Offenbach und Heilbronn den 3.Platz in der Regionalliga Süd.
Für Dornebusch, den Ex-U19-Nationalspieler, war der 1:0-Sieg über den Mitaufstiegsfavoriten eine späte Genugtuung. Im 2.Auswärtssieg in Folge vergibt zunächst Dejan Bozic per Strafstoß die 1:0-Führung (7.), ehe Maximilian Zaiser in der 67.MInute nach schöner Kombination das Goldene Tor erzielt. Ein totaler Triumph in blau. Nicht nur weil Dornebusch erfolgreiche Revanche nehmen kann, sondern weil der Torwart in der turbulenten Nachspielzeit seinen eigenes Drama schreibt und zum Triumphator witd.
Der erste Akt des Nachspieldramas wird durch ein Handspiel von Melkamu Frauendorf im Strafraum eingeleitet: Fälliger Handelfmeter für Homburg. Der zweite Akt ist durch das Wechselspiel zwischen dem Schützen Celik und Dornebusch geprägt. Der Schütze legt sich den Ball auf dem Punkt zurecht, während Dornebusch den Schützen fixiert, seinen Torschuss zu antizpieren versucht, damit Spannung und Nervosität beim Schützen steigert. Plötzlich ist das Motto "Die Angst des Torwarts beim Elfmeter" (Peter Handke) umgekehrt, geht die Angst auf den Schützen über.
Dornebusch: "Angst vorm Elfmeter habe ich sowieso nicht, deshalb habe ich auch vor dem Spiel keine Videoaufnahmen von möglichen Schützen angeschaut." Dornebusch im Klartext: "Der Torwart hat beim Elfer nichts zu verlieren." In der Regionalliga Süd führen 75-80 Prozent aller Strafstöße zum Torerfolg.
Sein Rezept für den Höhepunkt des 3.Akts. Dornebusch. "In der langen Zeit zwischen Pfiff des Elfers und dessen Ausführung muss ich versuchen, den Schützen zu lesen, muss ich versuchen den Schuss rauszuzögern, damit der Schütze ins Nachdenken kommt. Je länger der Schütze braucht, den Ball auf den Punkt zu legen und dann auszuführen, desto besser für den Torwart. Vor allem die Zeit von der Punktlegung bis zur definitiven Ausführung ist entscheidend. Wenn's länger als acht Sekunden dauert, läuft die Zeit für den Keeper." Und dann beginnt die Zeit für Dornebusch zu laufen.
Letzte Überlegung für "Dorne", sich nach rechts oder links zu werfen. Er entscheidet sich für die Goldene Mitte, also fast stehen zu bleiben und liegt goldrichtig, wehrt den Elfer mit den Fäusten ab. Sieg für Blau. Noch nicht ganz.
Weil im klassischen Drama im 4.Akt die Spannung nochmal vergrößert wird, kommt Homburg nach Dornebuschs Faustabwehr wieder in Ballsbesitz, doch auch den Nachschuss wehrt "Dorne" ab.
Der 5.Akt: Statt der Katastrophe, wie im Drama üblich, sind die Blauen beim Schlusspfiff obenauf und feiern ihren Matchsieger. Ob Trainer Holger Bachthaler, Sportgeschaftsführer Lutz Siebrecht, die Bank, alle stürmen den Platz und feiern ihren Dorne. Der Torwart rettet den Kickers zwei von drei Punkten Dornebusch: "Als Keeper kannst du dich für die linke oder rechte Seite entscheiden, meistens ist es am besten in der Mitte zu bleiben."
Dornebuschs Fazit: "Der gute Start gibt uns Selbstvertrauen. Wir wollen solange als möglich da oben dabeibleiben." Aber er sagt auch: "Wir müssen weiter viel investieren. Vom Aufstieg zu reden wäre verfrüht."
Freudestrahlend auch Trainer Holger Bachthaler: "Wie haben uns auch nach einem verschossenen Elfer nicht aus dem Konzept bringen lassen. Wir haben gegen einen guten Gegner zu Null zu gespielt und gewonnen. Auch deshalb, weil die Abwehr und deren Chef Luca Trslic den Torraum gut verteidigt hat."
Begeistert auch Sportgeschäftsführer Lutz Siebrecht: "Dornebusch hat wieder einmal gezeigt, was für ein wichtiger Faktor er für uns ist." Auch Siebrecht bremst aufkommende Euphorie: "Für Aufstiegsträume ist es noch zu früh, wir müssen weiter hart arbeiten."
Am Dienstag müssen die Kickers im Pokalachtelfinale beim TSGV Waldhausen (17.15 Uhr) ran. Am Samstag geht's in der Regionalliga gegen FSV Mainz 05 II (14 Uhr, Waldau-Stadion) weiter.

Text: Klaus Henrich
Fotocredits: Stuttgarter Kickers

