26. Mai 2024 / Region - Online

Restaurant Giuseppe Gentile - feine italienische Küche in Schönaich

Wenn Sie wirklich gut italienisch essen wollen - Giuseppe Gentile - Schönaich

Veröffentlicht am 26. Mai 2024 um 00:00 Uhr


Seit Jahr und Tag pilgern italophile Gourmets aus dem ganzen Grossraum Stuttgart zu „Gentile Gusto“ ins provinzielle Schönaich. Hier ist der Name Programm. Vor gut 25 Jahren hat der aus Sizilien stammende Giuseppe Gentile (jaja, er heisst wirklich so!)  einen Feinkostladen mit allerlei Köstlichkeiten eröffnet, die der Deutsche fast nur aus dem Urlaub kannte: Salsiccia, Limoncello, Tartuffo… Auch wir haben meist einmal im Quartal hier eingekauft und jedes Mal aufs Neue über das Angebot gestaunt. Doch längst war klar, dass eine räumliche und inhaltliche Expansion im Raum steht. 

Nun hat sowohl der riesige Gentile-Gusto-Supermarkt als auch ein angeschlossenes Ristorante neu eröffnet – wobei die Vokabel „angeschlossen“ vollkommen unpassend erscheint, so prächtig, fast ein bisschen protzig kommt das Lokal daher. Dabei bleibt Gentile dem nicht sehr hübschen Schönaicher Industriegebiet treu, ist jedoch ins äusserste Eck in Richtung Steinenbronn gezogen. Der grosse Zweckbau wirkt von aussen zwar nicht sehr einladend, ist von innen jedoch mit allen Raffinessen ausgestattet. Wunderbarerweise hat das Lokal auch montags geöffnet, so dass wir nach einem ersten Bummel über den wahrlich riieeesigen Supermarkt gleich mal zum Mittagessen hier bleiben. Die reguläre Speisekarte gilt leider nur abends, beeindruckt jedoch durch aussergewöhnliche Kreationen: wie den Haussalat Gentile mit Fenchel, Schwarzkohl, Blutorangen, Mandeln und Pecorino oder Ravioli mit Entenkeule, Büffelricotta, Honigorangen und Thymian. Falls man hier ein ganzes Menü zelebrieren möchte, sollte man durchaus den grossen Geldbeutel mitnehmen und vielleicht auch den angebotenen Shuttle Service nach Hause buchen. 

Mittags liegt die kleine Wochenkarte aus. Ein halbes Dutzend Gerichte wird angeboten (u.a. Caprese, Risotto mit Kürbis und Gorgonzola, Saltimbocca, Kalbskutteln).  Kann man einzeln ordern oder zu einem Menü zusammenstellen. Wir wählen Spaghetti Carbonara (15,00 Euro) und die Pizza Special (14,00 Euro). Was erst mal reichlich profan klingt, entpuppt sich jedoch als gaumenschmeichlerische Spezialität. Die Spaghetti werden mit Pecorino, Eiern und Backenspeck zubereitet und heben sich glücklicherweise von den sonst in deutschen Lokalen verhunzten Varianten mit Sahne deutlich ab. Gross ist die Portion nicht, ist halt ein klassisches Primo Piatto. Dass ein Gast am Nachbartisch lautstark die dürftige Menge beklagt, treibt uns Fremdscham-Tränen in die Augen. Allerdings ist die Pasta ziemlich arg al dente – zwei Minuten mehr hätten ihr gut getan. Dafür ist die Pizza wirklich mächtig und schmackhaft: mit fluffigem Boden, frischem Rucola, reichlich Mozzarella Fior di Latte, süsslichen Kirschtomaten, Olivencreme und Grana Padano. Eine herzhafte, allerdings etwas zu salzig geratene Mischung. Neben der 0,75- Liter-Flasche San Pellegrino (6,00 Euro) hätten wir fast noch eine zweite gebraucht. Als Überraschung entpuppt sich der weisse Lacryma Christi del Vesuvio (6,50 Euro für 0,2 Liter) aus Kampanien. Die „Tränen Christi“ werden von mineralischen, sehr trockenen Untertönen geprägt – fast glaubt man das Vulkangestein des Vesuvs herauszuschmecken. Muss man wirklich sehr kalt trinken. Und halt: zu jedem Tagesgericht wird ein frischer, knackiger Salat serviert – die Blattsalate überzeugen durch Bitternoten und einer sparsam eingesetzten Vinaigrette aus feinem Olivenöl und Balscamicoessig. Brot und Olivenöl stehen selbstverständlich auf jedem Tisch.

Der Service ist absolut erstklassig: zurückhaltend, souverän, formvollendet, zuverlässig. Auf Wunsch wird mit Muttersprachlern natürlich auch italienisch parliert. Die Inneneinrichtung setzt Braun- und Goldtöne in verschiedene Materialien um, in Stein, Textilien, Leder, Lamellen, Tapeten, Lampen. Für unseren Geschmack ein bisschen zu prahlerisch und pompös. Sehr angenehm wirken aber die farblich schön aufeinander abgestimmten Tischläufer, Brotsäckchen und Besteckhüllen aus (Kunst)Leder.  Verwirrend ist der Flur zu den Toiletten mit geschätzt 6 verschiedenen Türen. Hier kann es schon mal vorkommen, dass man an der Personalumkleide rüttelt oder eine ältere Dame am trickreichen Handgriff auf den Damentoiletten scheitert. 

Obwohl wir bereits vor 12 Uhr eintreffen, ist das Lokal schon gut besetzt. Generös weist man uns aber noch einen grosszügigen Vierertisch mit umlaufenden Eckbänken zu. Eine halbe Stunde später sind fast alle Tische besetzt. Eine Reservierung scheint daher empfehlenswert

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