Freitag in 14 Tagen (28.8.) startet der TVB Stuttgart gegen den Bergischen HC (19 Uhr, Porsche-Arena) in seine 11. Saison in der Handball-Bundesliga. Schon oft angekündigt wollen die "WILD BOYS" als einer von sieben Großstadtklubs endlich in die TOP10 in der stärksten Liga der Welt vorstoßen. Schon letzte Saison zeichnete sich mit dem Schweizer Trainer Misha Kaufmann eine Aufwärtsentwicklung ab. Jetzt soll der Fahrstuhl endgültig nach oben gehen. Das wäre auch nach dem Geschmack von Ex-Nationalspieler und Rückraumstrategen Kai Häfner (37). Stuttgart Inside sprach mit Häfner.
Das Interview
Stuttgart-Inside: Sie sind in der Handball-Szene ein Glückspilz.
Häfner (lacht): Warum?
Wegen des knappen Angebots an Linkshändern, verdienen Linkshänder automatisch doppelt soviel.
Häfner: "Das stimmt nicht. Da hat sich in den letzten Jahren hinsichtlich Qualität und Dichte viel getan. Mit der Ausbildung von guten Linkshändern ist es steil nach oben gegangen. Das Doppelte ist es jedenfalls nicht, was gute Linkshänder verdienen. Am Ende entscheidet bei Linkshändern, wie auf jeder anderen Position, die Qualität."
Sie spielen seit 20 Jaren in der Handball-Bundesliga. Wie hat sich die stärkste Liga der Welt entwickelt?
Häfner: "Die Liga ist scneller, dynamischer, athletischer geworden. Der Trend geht weg von den klassischen Rückraumwürfen hin zu den Nahdistanzwürfen. Die Eins-zu-Eins-Situationen auf höchstem Niveau zeichnen die Liga aus."
Von Schwäbisch Gmünd zum TV Bittenfeld, über Frisch Auf Göppingen, HBW Balingen-Weilstetten. Melsungen und Hannover wieder zum TVB Stuttgart. Schließt sich für Sie der Kreis?
Häfner: "Ja, das hatte ich schon zu meinem Amtsantritt 2023/24 beim TVB Stuttgart gesagt. Es freut mich wieder in der Heimat, in der Nähe meiner Familie zu sein und mit meinem Bruder Max im selben Team zu spielen. Zudem ist der TVB Stuttgart ein toller Klub."
Bei welchem Klub haben Sie sich am meisten zuhause gefühlt oder fühlen Sie sich zuhause ?
Häfner: "Das ist ganz schwer zu sagen, deshalb möchte ich auch keinen Klub herausheben. Ich habe mich bei jedem Klub zu seiner Zeit wohlgefühlt oder fühle mich wohl. Jetzt fühle ich mich beim TVB Stuttgart beim richtigen Klub zur richtigen Zeit."
Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt, von welchem haben Sie am meisten profitiert?
Häfner: "Da kann ich mich auf keinen festlegen. Ich hatte das Privileg mit vielen guten Trainern zu arbeiten, deshalb habe ich von vielen profitiert."
Sie scheinen mit reiferen Jahren im besser zu werden. Letzte Saison waren Sie mit 255 Toren, davon 133 Strafwürfen im Zenit ihres Könnens.
Häfner: "Ja, das war eine herausragende Saison. Auch deshalb, weil sich meine Rolle durch das neue Spielsystem verändert hat."
Warum sind Sie nie ins Ausland gewechselt?
Häfner: "Die Angebote waren da, aber es hat vom Zeitpunkt nie ganz gepasst."
Was waren die wichtigsten Titel für Sie?
Häfner: "Das war der EM-Titel 2016, aber aber die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2016 und Silber bei Olympia 2024 haben herausragende Bedeutung."
Ihr Fazit nach 154 Spielen und 361 Toren im Nationalteam?
Häfner: "Damit ist etwas in Erfüllung gegangen, was ich immer angestrebt habe. Es war immer etwas sehr besonderes in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich habe das Trikot mit großem Stolz getragen."
Sie sind vor zwei Jahren von der Nationalmannschaft zurückgetreten. Ist ein Comeback zur WM im Januar 2027 im eigenen Land völlig ausgeschlossen?
Häfner: "Zur Zeit habe ich keine Comeback-Pläne. Aber völlig ausgeschlossen ist nie etwas. Wenn Not am Mann ist, stehe ich für die WM im eigenen Land zur Verfügung."
Kommen wir nochmal zum TVB Stuttgart. Der TVB Stuttgart wollte schon lange unter die TOP10 in der Bundesliga. Liegt das diese Saison drin?
Häfner: "Da bin ich zuversichtlich, dass wir dieses Ziel in dieser Saison erreichen. Auch weil wir in der Vorbereitung sehr gut arbeiten."
Liegt's auch an Trainer Misha Kaufmann?
Häfner: "Zweifellos. Kaufmann bringt die Energie, er ist der Motor. Misha ist ein sensationeller Trainer, der absolut akribisch arbeitet. Bei ihm stimmt das Gesamtpaket."
Welche Rolle spielt seine neue Rückraum-Philiosphie mit vier statt drei Rückraumspielern anzugreifen?
Häfner: "Ja, das ist was total Neues, eine Supersache, fast schon eine Handball-Revolution."
Ihr Vertrag läuft nach der Spielzeit 2026/27 aus. Werden Sie noch ein Jahr in Stuttgart dranhängen ?
Häfner: "Dazu kann ich noch nichts sagen."
Wer wird deutscher Handball-Meister:
Häfner: "Der SC Magdeburg."

Text: Klaus Henrich
Fotocredits: TVB Stuttgart

