Stuttgarter Kickers starten ohne konkretes Saisonziel
Seinen ersten Pflichtspielsieg hat Holger Bachthaler am Mittwochabend beim 14:0 der Stuttgarter KIckers über SV Degerschlacht in der 2.Runde des WFV-Pokals errungen. Freitagabend (7.8.) wartet zum Auftakt in der Regionalliga Süd der klassische Südschlager gegen den SSV Ulm 1846 (19 Uhr, Waldau-Stadion). Über 6 000 Karten sind bereits verkauft. Mit 8000 bis 10000 Zuschauern wird gerechnet. Zur Saison 2026/27 sprach Stuttgart Inside mit dem neuen KIckers-Trainer Holger Bachthaler (51), der für die große Aufgabe sogar zum Vollprofi wird..
Das Interview
Stuttgart Inside: Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Kickers entschieden?
Bachthaler: "Die Kickers sind ein Traditionsklub mit professionellen Strukturen und einer immensen Strahlkraft. Dieser sportliche Reiz war ausschlaggebend. Zudem kann ich hier unter Profibedingungen arbeiten."
Sie haben bisher im magischen Dreieck zwischen Illertissen, Ulm und Augsburg gearbeitet. Treten Sie jetzt in die große Fußballwelt ein ?
Bachthaler: "Ich arbeite bei einem tollen Verein unter Profibedingungen und bleibe in der Nähe zu meiner Familie, die in Senden wohnt. Für mich persönlich sind das gute Voraussetzungen, um mit Spaß meiner Arbeit nachgehen zu können."
Wie lange haben Sie gebraucht, um das Angebot der Kickers anzunehmen?
Bachthaler: "Die grundsätzliche Überzeugung dieses Angebot anzunehmen, war sofort da, Aber da ich als Verwaltungsfachwirt noch einen zweiten Job im öffentlichen Dienst beim Zweckverband Illertissen hatte, mussten da noch ein paar Details bis zum Übertritt in den Profifussball geklärt werden."
Was verbinden Sie mit den Kickers?
Bachthaler: "Die Kickers sind ein Traditionsverein mit einer großen Vergangenheit, tollen Fans und einem super Stadion. Deshalb ist es mein Wunsch an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Dafür müssen wir viel und gute Arbeit abliefern und viel Zeit investieren. Wenn wir das tun, können wir eine erfolgreiche Saison spielen."
Was ist Ihr Saisonziel?
Bachthaler: "Wir wollen zunächst besser abschneiden als zuletzt. Aktuell können wir noch kein Saisonziel festlegen, weil wir immer noch in der Findungsphase sind. Wir müssen weiterhin unsere Abläufe, das Spiel gegen den Ball verfeinern. Dafür müssen wir weiter hart arbeiten. Das ganze ist ein Prozess."
Wenn Sie kein konkretes Saisonziel ausgeben, laufen Sie Gefahr weniger zu erreichen, als Sie eigentlich wollten.
Bachthaler: "Wir werden die Mannschaft Woche für Woche so vorbereiten, damit die Jungs mit einem guten Gefühl in die Spiele gehen. Natürlich wollen wir den maximalen Erfolg haben und wenn möglich jedes Spiel gewinnen. Dazu gehört aber, konstant in jedem Spiel den maximalen Einsatz auf den PLatz zu bekommen und als Mannschaft gut zu funktionieren. Daran gilt es zu arbeiten und die richtige Mentalität zu entwickeln. Wenn uns dies gelingt, dann werden wir eine erfolgreiche Saison spielen."
Sie müssen den Fans was bieten, Ihr Vorvorgänger Mustafa Ünal hatte im Aufstiegsjahr den Hunderttoresturm und als Trainer die sensationelle Bilanz von 77 Siegen 14 Unentschieden und 9 Niederlagen nach 100 Spielen. Wollen Sie es genauso so machen?
Bachthaler: "Das ist natürlich eine tolle Statistik, hat aber für mich keine Relevanz, weil die Situation nicht vergleichbar ist. Wir wollen im Hier und Jetzt erfolgreich arbeiten und mit den jetzigen Gegebenheiten das Maximum erreichen."
Gegen Drittligist Jahn Regensburg setzte es beim 1:2 die erste Testspielniederlage. Müssen sie nachjustieren?
Bachthaler: "Wir müssen uns in vielen Bereichen noch verbessern, was aber zum jetzigen Zeitpunkt in der Vorbereitung völlig normal ist.
Das Defensivverhalten muss besser werden, wir brauchen hierbei mehr Stabilität und auch in den Umschaltsituationen Zielstrebigkeit und mehr Klarheit, allen voran im Torabschluss. Wir müssen aus unseren Chancen mehr Kapital schlagen. Das sind unsere Aufgaben für die nächsten Wochen."
Haben Sie Ihre Stammformation schon im Kopf?
Bachthaler: "Natürlich habe ich Ideen und Vorstellungen, wie eine Startaufstellung für das erste Punktspiel gegen Ulm aussehen könnte."
Dafür haben Sie die Qual der Wahl. Ist Ihr Kader mit ca. 30 Spielern nicht zu groß ?
Bachthaler: "Ich denke nicht, dass der Kader aktuell zu groß ist. Wir haben derzeit 22 einsatzfähige Feldspieler, wovon zweii noch im Jugendbereich angesiedelt sind. zwei gerdae erst den Sprungt aus der U19 in den Erwachsenenbereich vollzogen haben."
Hätten Sie noch einen Wunschspieler?
Bachthaler: Für den ausgeschiedenen David Tomic im zentralen MIttelfeld sollten wir Augen und Ohren offenhalten. Bis zum Ende der Transferperiode kann noch Bewegung in den Kader kommen, sowohl auf der Zugangs-, wie auf der Abgangsseite. Wir werden den Spielermarkt im Auge behalten."
Was ist Ihre Trainerphilosophie?
Bachthaler: "Grundsätzlich möchte ich einen aktiven Fußball spielen, mit einer klaren Struktur im Spiel gegen den Ball und dem Fokus, über Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte, zum Torerfolg zu kommen. Nicht weniger wichtig ist mir aber, dass meine Mannschaft auch im eigenen Ballbesitz die Qualität besitzt, um Torchancen herauszuspielen. Fußball ist ein interaktives Spiel mit vielen Ballbesitzwechseln, daher gilt es grundsätzlich in allen vier Spielphasen klare Abläufe und Prinzipien zu entwickeln."
Welcher Trainertyp sind Sie. Mehr der autoritäre oder mehr laisser-faire-Typ?
Bachthaler: "Ich habe eine klare Vorstellung, was Menschenführung angeht. Wir brauchen klare Regeln für eine gute Arbeitsatmosphäre. Aber das Team steht über allem, das Ego muss zurücktreten."
Haben Sie als Trainer ein Vorbild?
Bachthaler: "Nein, kein konkretes. Aber ich versuche mich ständig weiter zu entwickeln."
Haben Sie ihr Hobby zum Beruf gemacht ?
Bachthaler: "Ja, aber ich habe mich auch in meinem mehr bürgerlichen Beruf wohlgefühlt. Aber mit jungen Menschen für ein bestimmtes Ziel zusammen zu arbeiten, die Entwicklung von Spielern zu begleiten, das iist schon was faszinierendes."
Ihre größten Erfolge als Trainer?
Bachthaler: "Ich habe fünfmal den Landespokal gewonnen. Mit SSV Ulm gegen Frankfurt im DFB-Pokal in der 2.Runde gewonnen und mit Illertissen gegen Nürnberg in der 1.Runde."
Sie haben mit Illertissen Erfahrung in der Bayernliga. Ist sie stärker als die Regionalliga Südwest ?
Bachthaler: "Die Regionalliga Südwest mit ihren vielen Traditionsvereinen ist sicherlich stärker."
Wer sind Ihre größten Konkurrenten in der Regionalliga Südwest ?
Bachthaler: "Das sind sicher Sandhausen, Heilbronn-Freiberg, Ulm, Steinbach Homburg und Offenbach."
Zum Auftakt geht's im Schlagerspiel (Freitag 7.8. 19 Uhr, Waldau-Stadion) gegen SSV Ulm 1846. Schon ein richtungsweisendes Spiel ?
Bachthaler: "Ich weiß um die Bedeutung dieses brisanten Derbys. Ein guter Saisonstart ist immer von Vorteil und kann eine gewisse Richtung vorgeben."
Wie würden Sie persönlich einen Sieg gegen Ulm, ihren Ex-Klub, feiern?
Bachthaler: "Daran verschwende ich jetzt keinen einzigen Gedanken."
Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg.
Klaus Henrich
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Fotocredits: Stuttgarter Kickers

