Lionel Richie bei den jazzopen stuttgart
Der Meister hatte offenbar leichte Verspätung, was zu dem witzigen Ergebnis führte, dass José James als Vorgruppe, nachdem er sich verabschiedet hatte, zur Freude der Besucher mit seiner Band wieder auf die Bühne zurückkehrte und fast 30 Minuten zusätzlich spielte. Das war eine sehr gute Lösung, denn die Musik dieser Künstler war definitiv besser als eine ewig lange Wartezeit.
Um 21 Uhr war es dann so weit – Lionel Richie erschient auf der Bühne. Und dann dauert es etwa 45 Sekunden, bis das Publikum beim Opener „Hello“ zum ersten Mal lautstark mitsingt. Und etwa 3 Minuten, bis beim zweiten Song alle stehen und mitfeiern.
Ganz klar: man muss das nicht mögen. Richie ist trotz (oder wegen?) seiner 76 Jahre eine Rampensau im positivsten Sinne – er WILL, dass die Leute mitmachen (und ich bin sicher, er hätte sich noch viel mehr Mitsingen gewünscht, aber der Stuttgarter ist nun mal eher introvertiert. Und auch nicht so wahnsinnig textsicher …). Er fordert die Begeisterung, und das Publikum ist für Stuttgarter Verhältnisse geradezu enthusiastisch.
„Cool“ ist das über weiter Strecken hinweg nicht – da wird geklatscht und gesungen, als ob es eine Schlagernacht wäre. Aber man hat den dringenden Eindruck, dass alle Anwesenden SEHR viel Spaß dabei haben, und ich glaube, darum geht es hier. Richie flachst herum, macht Späße und jammert über die Hitze in seiner schicken Jacke. Und zeigt dann zwischendurch mal kurz, dass er nicht nur der Meister der Schmusesongs ist, sondern dass er natürlich auch den messerscharfen Funk draufhat. Bei „Brickhouse“ und ähnlichen Songs aus der Commodores-Zeit ist Schluss mit gemütlich – und auch das wird gemeinsam wild gefeiert.
Im Gegensatz zu Kylie Minogue, die ihren Schwerpunkt ja sehr stark auf den aktuelleren Tracks hatte und daher ihre größten Hits teilweise gar nicht brachte und teilweise in Medleys verwurstete, scheint Lionel da genau andersherum zu ticken. Ich bin ziemlich sicher: wenn man in Spotify seine erfolgreichsten Songs auflistet, dann hat man ziemlich genau das Programm des heutigen Abends.
Also: ein „Gute-Laune“-Abschluss der JazzOpen mit einer feinen Mischung aus Balladen, Funk, Pop und der All-Time-Greatest-Hymne „we are the world“, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.
Einziger Wehrmutstropen ist, dass er sein eigentlich 2-stündiges Programm auf akkurat 90 Minuten eingedampft hat – man hätte sich doch sehr über ein paar mehr Minuten gefreut.
Setlist
- Hello
- Running with the Night
- Easy
- Penny Lover
- Stuck On You
- Sail On
- You Are
- Brick House / Fire
- Three Times a Lady
- Fancy Dancer / Sweet Love / Lady (You Bring Me Up)
- Truly
- Endless Love
- My Destiny
- Dancing on the Ceiling
- Say You, Say Me
- We Are the World
Zugabe: - All Night Long (All Night)
Einige Infos zum Künstler:
Lionel Brockman Richie Jr. (* 20. Juni 1949 in Tuskegee, Alabama) ist ein US-amerikanischer Soulsänger, Songwriter, Musikproduzent und Saxophonist. Er gewann in den 1980er Jahren vier Grammys sowie 1986 einen Oscar.
Richie war im Jahr 1968 Mitbegründer der R&B-Gruppe The Commodores. In den 1970er Jahren wurden die Commodores zu einer der erfolgreichsten Soul- und R&B-Gruppen. Lionel Richie war Leadsänger, Saxophonist und Songschreiber der Gruppe.
1982 begann Richie seine Solokarriere mit dem Debütalbum Lionel Richie und hatte in den USA mit Truly einen weiteren Nummer-eins-Hit. Seine beiden nächsten Alben Can’t Slow Down und Dancing on the Ceiling festigten seinen Status als Superstar. Ein Höhepunkt seiner Karriere war der Auftritt bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Dort sang Lionel Richie All Night Long (All Night) vor einem Fernsehpublikum von etwa 2,3 Milliarden Menschen. 1985 schrieb er gemeinsam mit Michael Jackson und Quincy Jones das Wohltätigkeitslied We Are the World, das zum Welthit wurde.
Richie hat beinahe 100 Millionen Alben verkauft und 22 Hits in den US-Top-Ten platziert – davon 13 in seiner erfolgreichsten Phase zwischen Sommer 1981 und Anfang 1987.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lionel_Richie

Steffen Eifert (www.mrmac.de)
Bilder: Steffen Eifert

