Pünktlich um 20.15 Uhr ging es los – und dann zeigte Gregory Porter 1:45 Stunden lang, warum er als einer der besten aktuellen Jazz-Interpreten gilt. Seine wahrhaft beeindruckende Stimme ist perfekt, um die Mischung aus Jazz, Soul und Gospel zu präsentieren, die seine Songs kennzeichnet. Von seidenweich und gefühlvoll bis sehr kräftig – er beherrscht alle Facetten. Und seine 5-köpfige Band (2 x Tasteninstrumente, Bass, Saxophon, Schlagzeug) hält dieses Level mühelos, so dass wir insgesamt einen Abend auf höchstem musikalischem Niveau erlebten.
Wenn man bedenkt, dass er in den etwas über 100 Minuten gerade mal 10 Stücke gebracht hat, dann ist klar, dass die alle in speziellen „extended versions“ gespielt wurden. So gab es manchmal lange Intros, die dann in den eigentlichen Song mündeten, oder er überließ nach dem ersten Teil das Feld seinen Mitstreitern, die in einer an Jam-Sessions erinnernden Art zeigten, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen. Nach deren Soli stieg er dann sehr fließend mit seinen Vocals wieder ein, und so schufen die Musiker neue Gesamtkunstwerke, basierend auf den Versionen, die man von den Tonträgern kannte.
Dass es nach Wochen der trockenen Hitze ausgerechnet an diesem Abend nahezu die gesamte Zeit leicht regnete, war ein bisschen schade, aber dank der vom Veranstalter verteilten Plastikumhänge war auch das gut auszuhalten.

Auch wenn ich persönlich es ein bisschen schade fand, dass er meinen Lieblingssong „real good hands“ nicht gespielt hat, so war es doch ein spannender und kurzweiliger Abend mit 6 wirklich phantastischen Musikern. Und das in einem perfekten Ambiente – was durchaus erheblichen Einfluss hat: das letzte Mal, als wir Porter erlebt haben, spielte er – ebenfalls bei den JazzOpen - auf der großen Bühne im Neuen Schloss. Und damals war unser Fazit gewesen, dass dieser Rahmen für seine Art von Musik für unseren Geschmack etwas unpassend groß gewesen war.
Entsprechend begeistert waren die Besucher, die die Musiker am Ende mit standing ovations verabschiedeten.
Hier die Setliste (aber ohne Gewähr – ich habe versucht, es mir so gut wie möglich zu merken)
- If Love is Overrated
- On My Way to Harlem
- Take Me to the Alley
- Liquid Spirit
- Hey Laura
- No Love Dying
- Musical Genocide
- Water Under Bridges
- Free
- Zugabe:
- It's Probably Me (Sting cover)
Vorgruppe: Larceny Band (die Band von Schlagzeuger David Giesel; im Rahmen des „playground BW“ der JazzOpen)
Noch ein paar Informationen zum Künstler
Gregory Porter, wurde 1971 in Kalifornien geboren. Er begann seine Musikkarriere in Jazzclubs in San Diego und zog später nach New York City, um Profi-Musiker zu werden.
Seine beiden ersten Alben „Water“ (2010) und „Be Good“ (2012) erhielten jeweils Grammy-Nominierungen. Porter hat sich als einer der bekanntesten zeitgenössischen Jazzkünstler etabliert, mit fünf Alben, die die Top 10 erreichten. Er gewann zwei Grammys für das beste Jazz-Vokal-Album und wurde siebenmal nominiert.
Eine Art „Markenzeichen“ ist die spezielle Kappe, die er immer trägt. Die zog er nach eigenen Angaben ursprünglich an, weil er aus seiner frühen Jugend Narben hat, die er damit verbergen wollte. Inzwischen sagt er“ die Leute erkennen mich daran, und so werde ich das auch weiterhin tragen“.
https://www.gregoryporter.com/

Steffen Eifert (www.mrmac.de)
Bilder: Steffen Eifert

