E-Scooter-Unfälle nehmen stark zu: Experten fordern mehr Sicherheit im Straßenverkehr
E-Scooter gehören längst zum Alltag in vielen Städten und sind ein beliebtes Verkehrsmittel für kurze Wege. Gleichzeitig steigt die Zahl der Unfälle mit Verletzten deutlich an. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen eine starke Zunahme der Unfallzahlen im Jahr 2025. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sieht deshalb Handlungsbedarf und fordert zusätzliche Maßnahmen für mehr Sicherheit.
Nach den aktuellen Daten stieg die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Vergleich zum Vorjahr um 38,1 Prozent. Während 2024 noch 11.944 Unfälle registriert wurden, waren es 2025 bereits 16.496 Fälle. Auch die Zahl der Todesopfer erhöhte sich: 38 Menschen kamen bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, im Jahr zuvor waren es 27.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Verletzten. Die Zahl der Schwerverletzten stieg um mehr als ein Viertel auf 1.895 Personen. Auch die Zahl der Leichtverletzten nahm erheblich zu und lag 2025 bei 16.184 Fällen.
DVR fordert Nachweis für sichere E-Scooter-Nutzung
Als Reaktion auf die steigenden Unfallzahlen setzt sich der DVR für einen verpflichtenden Befähigungsnachweis für E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer ohne Führerschein ein. Ziel ist es, grundlegende Verkehrsregeln sowie den sicheren Umgang mit den Fahrzeugen besser zu vermitteln.
Nach Einschätzung des Verkehrssicherheitsrats zeigen die Unfallzahlen, dass es häufig an Regelkenntnissen und praktischer Erfahrung fehlt. Eine entsprechende Ausbildung könnte insbesondere für Jugendliche auch im Rahmen schulischer Angebote erfolgen.
Mindestalter soll auf 15 Jahre steigen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz jüngerer Verkehrsteilnehmer. Laut DVR-Auswertung waren 2025 rund 2.200 verunglückte E-Scooter-Fahrende oder unerlaubte Mitfahrende jünger als 15 Jahre. Vier Jugendliche kamen dabei ums Leben, mehr als 200 erlitten schwere Verletzungen.
Der DVR fordert deshalb, das derzeitige Mindestalter für die Nutzung von E-Scootern von 14 auf 15 Jahre anzuheben. Damit soll sichergestellt werden, dass Nutzerinnen und Nutzer über ausreichend Reife und Erfahrung im Straßenverkehr verfügen.
Häufige Verstöße: falsche Fahrbahnwahl und Alkohol
Ein Blick auf die Unfallursachen zeigt, dass Regelverstöße eine wichtige Rolle spielen. Besonders häufig wurde eine falsche Nutzung von Fahrbahnen oder Gehwegen festgestellt. Weitere häufige Ursachen waren Fahrten unter Alkoholeinfluss sowie eine nicht angepasste Geschwindigkeit.
Der DVR sieht deshalb neben besserer Ausbildung auch eine konsequentere Kontrolle der bestehenden Verkehrsregeln als notwendig an. Gerade dort, wo Vorschriften bewusst ignoriert werden, sollen Kontrollen dazu beitragen, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen.
Bessere Sichtbarkeit in der Dunkelheit gefordert
Ein weiterer Sicherheitsaspekt betrifft die Erkennbarkeit der Fahrzeuge. Besonders beim Überqueren von Straßen werden E-Scooter-Fahrende bei Dunkelheit oder schlechter Sicht häufig übersehen.
Der DVR spricht sich daher für verpflichtende gelbe Seitenmarkierungsleuchten bei neuen Fahrzeugen aus. Auch für bereits zugelassene E-Scooter sollen zusätzliche Reflektoren die Sichtbarkeit verbessern.
Neue Regeln sollen Sicherheit weiter erhöhen
Bereits beschlossene Maßnahmen wie eine kommende Blinkerpflicht für neue E-Scooter sowie höhere Bußgelder bei bestimmten Verstößen bewertet der DVR positiv. Auch die geplante Einbindung von E-Scootern in die Gefährdungshaftung der Fahrzeughalter wird als wichtiger Schritt gesehen. Dadurch könnten Unfallopfer bei Schäden durch falsch abgestellte Fahrzeuge künftig leichter Entschädigungen erhalten.
Neben gesetzlichen Anpassungen bleibt auch das persönliche Verhalten entscheidend: Wer mit dem E-Scooter unterwegs ist, sollte aufmerksam fahren, Verkehrsregeln beachten und zum eigenen Schutz einen Helm tragen. Denn mit steigender Nutzung wächst auch die Bedeutung einer sicheren Mobilität in den Städten.
Fotocredits: © Daniela Stanek, DVR

