Fahrradklima-Test 2024: Baden-Württemberg punktet mit Spitzenplätzen – muss aber bei Sicherheit und Miteinander nachlegen
Der am 17.06.25 veröffentlichte 11. ADFC-Fahrradklima-Test zeigt: Baden-Württemberg bleibt bundesweit eine Hochburg der Fahrradfreundlichkeit. Tübingen, Freiburg, Karlsruhe und Ettlingen konnten sich Top-Platzierungen sichern – Tübingen sogar den ersten Platz in seiner Kategorie. Doch bei aller Freude über die Erfolge mahnt der ADFC: In Sachen Verkehrssicherheit und respektvollem Miteinander im Straßenverkehr bleibt im Südwesten noch viel zu tun.
„Wir gratulieren den ausgezeichneten Städten herzlich“, sagt Dr. Matthias Zimmermann, Landesvorsitzender des ADFC Baden-Württemberg. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich konsequente Radverkehrsförderung auszahlt – etwa in Tübingen mit dem 'Blauen Band' oder in Ettlingen. Doch das allein reicht nicht: Wir müssen endlich auch die Verkehrssicherheit und das Miteinander im Straßenverkehr in den Fokus rücken.“
Radverkehrsförderung zeigt Wirkung
Insgesamt 172 Städte und Gemeinden aus Baden-Württemberg wurden im weltweit größten Zufriedenheitsranking von Radfahrenden bewertet. Die durchschnittliche Gesamtnote der 26 größeren Städte (>50.000 Einwohner) lag bei 3,8 – ein leichter Fortschritt gegenüber 2022. Besonders positiv hervorgehoben wurden Verbesserungen beim Radverkehrsnetz (Note 2,9) und der Verfügbarkeit öffentlicher Leihräder (Note 3,2).
Die Kommunikation rund ums Fahrrad profitiert laut ADFC ebenfalls von den landesweiten Kampagnen wie RadKULTUR. Hier lag die Bewertung bei 3,7 – deutlich besser als der Bundesdurchschnitt (4,1).
Defizite bei Sicherheit und Miteinander
Kritisch bleibt jedoch das Urteil in zentralen Sicherheitsfragen: Akzeptanz von Radfahrenden, subjektives Sicherheitsgefühl, Konflikte mit dem Autoverkehr und Hindernisse auf Radwegen wurden häufig schlechter bewertet als die Gesamtnote. Auch die Sonderauswertung zum „Miteinander im Verkehr“ fällt im Südwesten negativ auf.
„Noten zwischen 3 und 4 in Sicherheitskategorien sind ein Alarmsignal“, so Zimmermann. „Wenn wir den Radverkehr wirklich stärken wollen, brauchen wir gezielte Maßnahmen: baulich getrennte Radwege, Temporeduzierungen, sichere Kreuzungen und eine Null-Toleranz-Haltung bei Regelverstößen.“
Forderung nach konsequentem Handeln
Der ADFC fordert unter anderem:
- Trennung von Auto- und Radverkehr ab 1.500 Kfz/Tag
- Verkehrsberuhigung in gemischten Bereichen
- Entfernung von Hindernissen auf Radwegen
- Stärkere Verkehrsüberwachung und Ahndung von Verstößen
„Ein gutes Fahrradklima lebt von gegenseitiger Rücksicht und Respekt – das ist keine Aufgabe allein der Kommunen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung“, betont Zimmermann.
Leuchtturm-Städte als Vorbild
Städte wie Tübingen (Note 2,77), Ettlingen (2,76) und Eislingen/Fils (2,92) konnten ihre Noten um mindestens 0,3 Punkte verbessern. Ihre Investitionen in sichere, durchgängige Radwegenetze zahlen sich aus und zeigen, was möglich ist – wenn Förderung und politischer Wille Hand in Hand gehen.
Einzelergebnisse online:
🔗 fahrradklima-test.adfc.de
Über den ADFC:
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) vertritt bundesweit die Interessen der Alltags- und Freizeitradler*innen. In Baden-Württemberg engagieren sich über 1.000 Ehrenamtliche in rund 65 Verbänden für sicheren, nachhaltigen und attraktiven Radverkehr.

