2. Mai 2026 / Kultur

Zum 75.Jubiläum des Institut Francais

Von der Erzfeindschaft zur Erzfreundschaft 750 Jahre deutsch-französische Geschichte Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart lebt Geschichte auf

Veröffentlicht am 2. Mai 2026 um 08:30 Uhr

Im Rahmen der deutsch-französischen Wochen zeigt das Landesarchiv Baden-Württemberg, das Hauptstaatsarchiv Stuttgart und das Institut francais als Initiator zu dessen 75.Gründungsjubiläum, die zweisprachige Ausstellung "Kostbare Schätze aus 750 Jahren deutsch-französischer Begegnungen.- Tresors precieux 750 ans de rencontres franco-allemandes (bis 24.Juli im Hauptstaatsarchiv Stuttgart).

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Die Ausstellung, die sich als Ensemble, also als Gemeinsames versteht,  zeigt in Dokumenten, Lithographien, Landkarten, Kunstobjekten und anderen Zeugnissen, die wechselvolle Geschichte zweier Herzländer Europas von 1274 bis 2026. Viele wegweisende Begegnungen über die Grenzen hinweg zeigen uns eine Historie in Krieg und Frieden, in Freundschaft, in Konkurrenz und in Partnerschaft.

"Die politische und kulturelle Nähe Frankreichs und Deutschlands kommt dabei gerade in der engen Verbindung zwischen Württemberg und Montbeliard, sowie dem Elsass mit Straßburg einzigartig zum Ausdruck" heißt in der Einführung des Katalogs zur Ausstellung von den Kuratoren Peter Rückert und Wolfgang Mährle (beide Hauptstaatsarchiv Stuttgart). Zwischen dem Südwesten, namentlich Württemberg und Frankreich, respektive dem Elsass und Burgund ist die Geschichte voller Begegnungen.

Nicht umsonst hat der Initiator des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, der französische Staatspräsident Charles de Gaulle seine berühmte Rede an die deutsche Jugend (in deutscher Sprache) im Ludwigsburger Schloss (9.9.1962) gehalten. Eine Hommage an die besonderen Beziehungen Württembergs zum Elsass und zu Frankreich.

Die Ausstellung ist in 15 Sektionen sehr übersichtlich gegliedert. Sie beginnt mit geistlichen Begegnungen und politischen Kontakten. Deutsch-französische Begegnungen haben eine lange, besondere Tardition. In ihrer Frühzeit waren sie vor allem im Kontext von Kirche und Herrschaft greifbar. So beim Besuch schwäbischer Mönche beim Konzil von Lyon 1274. Zu sehen ist ein Papstprivileg (als Pergamentschriftrolle mit päpstichem Siegel) für das Kloster Herrenalb .

Weitere Bereiche der Ausstellung sind: Dynastische Bündnisse, etwa die lothringische Heirat des Hauses Württemberg oder der Heiratsvertrag für Graf Eberhard IV. und Henriette von Mömpelgard im Jahre 1397. Mit zunehmender Säkularisierung kommt es zwischen den Nationen auch zu künstlerischen Verbindungen (Sektion 4), so durch den württembergischen Architekten und  Baumeister Heinrich Schickardt (1558-1635).

In Sektion 6 wird Frankreichs Expansion nach Osten unter Louis XIV, dem Sonnenkönig dargestellt. Louis XiV. wirbt in einem Dokument um Württemberg.

Im folgenden geht es um die Einflüsse Französischer Barockkultur am Württembergischen Hof, so am Ludwigsburger Schloss, das zum schwäbischen Versailles wurde. Seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts wurde französische Kultur und Lebensart in Europa prägend. Am Hof und in gebildeten Kreisen war es "chic" französisch zu sprechen. Bis zum 1.Weltkrieg blieb Franreich auch dokumentiert durch die Weltausstellungen in Paris, die führende Kulturnation Europas.

Aber auch die dunklen, belastenden Kapitel im deutsch-französischen Verhältnis im 19. und 20. Jahrhundert werden ausgiebig und vorurteilsfrei thematisiert. Von den Eroberungskriegen Napoleons (Dokument über die Gründung des Rheinbundes 1806)  geht es über den deutsch-französischen Krieg mit der Fröschweiler Chronik (Kriegs- und Friedensbilder aus dem Jahr 1870 von Karl Klein) zu den beiden Weltkriegen. Die Urkatastrophe des 1.Weltkriegs (Frontkarten zur Schlacht von Verdun 1916). Oder im Graben verschüttet: Feldpostbriefe des württembergischen Vizefeldwebels Paul Hub.  Der 2. Weltkrieg wird mit Fotos - Vormarsch der Wehrmacht über die Maas in Frankreich - dokumentiert.

Die bedingungslose Kapitulation des deutschen Reiches am 8.Mai 1945 führt im deutsch-französischen Verhältnis zu neuer Annäherung der Erzfeinde. Dies wird nach 1945 durch Städtepartnerschaften und deren Partnerschaftsurkunden ( Acte de Jumelage) zwischen Ludwigsburg und Montbeliard, sowie zwischen Stuttgart und Straßburg dargestellt. Städtepartnerschaften entstehen  im Vorfeld des Elyseevertrages von 1963. Die Dialektik der Geschichte schlägt zu: Aus der Erzfeindschaft des 19. und 20. Jahrhunderts wird Erzfreundschaft. Zum Höhepunkt der Ausstellung kann an einer Hörstation die komplette Rede von Charles de Gaulle an die deutsche Jugend im Ludwigsburger Schloss gehört werden. De Gaulle: "Sie sind ein großes Volk..." Die Herzen der Jugend von damals und die der Besucher von heute fliegen ihm immer noch zu. De Gaulle: "Jawohl, Sie sind ein großes Volk..." Was für das französische Volk, das sei an dieser Stelle gesagt, genau so gilt. Die Gedanken der Aufklärung und die französische Revolution haben die Geschichte Europas und der Moderne maßgeblich bestimmt. 

Vive l'amitie franco-allemande - es lebe die deutsch-französische Freundschaft.

(Danach wird die Ausstellung im französischen Montbeliard (16.10-2026 bis 14.2.2027) zu sehen sein.) 

  

Die Ausstellung im Hauptstaatsarchiv ist noch bis 24.Juli 2026 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8.30 Uhr - 17.00 Uhr

Donnerstag: 8.30 Uhr bis 19.00 Uhr

Freitag: 8.30 Uhr - 16.00 Uhr

Öffentliche Führungen Mittwochs: 11.30 Uhr  

 

Klaus Henrich

 

Fotocredits: landesarchiv BW

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