Graham Nash in Stuttgart: Songs, Stories und ein Hauch Musikgeschichte
Stuttgart, 29. September 2025 – Liederhalle, Beethoven-Saal
Es gibt Abende, an denen man das Gefühl hat, nicht nur ein Konzert zu besuchen, sondern ein Stück Musikgeschichte live zu erleben. Der Montagabend in Stuttgart gehörte genau dazu. Graham Nash – Folk-Rock-Legende, Mitbegründer von The Hollies und prägende Stimme von Crosby, Stills, Nash & Young – gastierte mit seiner Tour „More Evenings of Songs & Stories 2025“ im Beethoven-Saal der Liederhalle.
Schon vor Beginn lag eine besondere Spannung in der Luft. Beim Eintreffen in der Liederhalle ergab sich eine spontane Begegnung mit dem Tourleiter, der sich in aller Ruhe Zeit für ein kurzes Gespräch nahm. Eine kleine Szene, die die Grundstimmung des Abends vorwegnahm: Nähe statt Distanz, Persönliches statt Abgehobenheit.

Von den 60ern bis heute – ein musikalischer Bogen
Als Nash kurz nach 20 Uhr die Bühne betrat, wurde es im vollbesetzten Beethoven-Saal schlagartig still. Mit seiner klaren Stimme eröffnete er den Abend und spannte direkt einen Bogen von den frühen 70ern bis in die Gegenwart. Songs wie „Wasted on the Way“ oder „Military Madness“ erinnerten an politisch bewegte Zeiten, die sich mit den aktuellen Krisen der Welt erschreckend deckungsgleich anfühlen.
Natürlich durften die Klassiker nicht fehlen: „Bus Stop“ aus der Zeit mit den Hollies, das unvergängliche „Our House“ und das generationenübergreifende „Teach Your Children“ verwandelten den Saal in einen Chor. Doch Nash beließ es nicht bei Nostalgie – Stücke wie „Train to Marrakesh“ und „Love of Mine“ zeigten, dass seine Stimme auch heute noch etwas zu sagen hat.
Begleitet wurde er von einer hochkarätigen Band: Todd Caldwell am Keyboard, Adam Minkoff als musikalisches Multitalent und Zach Djanikian an Gitarre und Mandoline. Gemeinsam schufen sie ein Klangbild, das bewusst reduziert blieb und dadurch genau die Intimität ermöglichte, die Nashs Songs brauchen.
Geschichten, die verbinden
Zwischen den Liedern nahm sich Nash immer wieder Zeit, Geschichten zu erzählen: Erinnerungen an die wilden Jahre der 60er, Begegnungen mit Weggefährten oder persönliche Erlebnisse, die den Songs Tiefe verliehen. Diese Erzählungen waren mehr als Anekdoten – sie waren Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Ein Höhepunkt des Abends war zweifellos „Find the Cost of Freedom“, das im Saal eine fast andächtige Stille auslöste. Kurz darauf brach das Publikum in Begeisterung aus, als „Woodstock“ und schließlich „Suite: Judy Blue Eyes“ den Abend mit voller Energie beschlossen.
Fazit: Mehr als Nostalgie
Graham Nash hat in Stuttgart gezeigt, dass große Musik nicht alt wird. Mit über 80 Jahren steht er nach wie vor mit klarer Stimme und spürbarer Leidenschaft auf der Bühne. Sein Konzert war keine reine Rückschau, sondern ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Songs Geschichten tragen – Geschichten, die auch Jahrzehnte später noch Bedeutung haben.
Wer dabei war, nahm nicht nur Melodien mit nach Hause, sondern auch das Gefühl, Teil eines einzigartigen Moments zu sein.
Setlist – Stuttgart, 29.09.2025
Wasted on the Way
Train to Marrakesh
Military Madness
I Used to Be a King
Right Between the Eyes
Bus Stop
Immigration Man
Over the Wall
Better Days
Love the One You're With
Simple Man
Love of Mine
Southbound Train
Cathedral
Just a Song Before I Go
Our House
Teach Your Children
Find the Cost of Freedom
Woodstock
Suite: Judy Blue Eyes
Fotocredits: Ralf Alten Stuttgart Inside

