25. April 2026 / Kultur

Wenn die eigene Familie zur Frage wird: „Opa war ein Nazi?“ im Theaterhaus Stuttgart

NS-Familiengeschichte wird neu hinterfragt: Im Theaterhaus Stuttgart bringt „ZweitZeuge“ die aktuelle Debatte eindringlich auf die Bühne.

Veröffentlicht am 25. April 2026 um 09:14 Uhr

„Opa war ein Nazi?“ – Theaterabend in Stuttgart trifft Nerv der Zeit

Die Frage ist unbequem – und aktueller denn je: Was hat die eigene Familie während der NS-Zeit getan? Seit der Veröffentlichung der NSDAP-Mitgliederkartei durch das US-Nationalarchiv wächst das Interesse vieler Enkelinnen und Enkel, die Vergangenheit ihrer Großeltern genauer zu beleuchten. Auch in Stuttgart wird diese Entwicklung spürbar – und findet jetzt eine eindrucksvolle künstlerische Entsprechung.

Im Theaterhaus Stuttgart steht am 28. und 29. April 2026 das Stück „ZweitZeuge – Opa war ein Nazi“ auf dem Spielplan – und greift damit ein Thema auf, das derzeit bundesweit diskutiert wird.

Zwischen Familiengeschichte und gesellschaftlicher Verantwortung
Die Inszenierung erzählt von der Begegnung einer Enkelin eines NS-Täters mit dem Holocaust-Überlebenden Jean Vaislic. Dabei entsteht ein intensiver Dialog über Erinnerung, Schuld, Schweigen und Verantwortung. Das Besondere: Das Stück verbindet persönliche Geschichten mit einer gesellschaftlichen Dimension – und macht erlebbar, was viele aktuell umtreibt.

Während Archive heute Fakten liefern, bleiben die emotionalen Fragen oft unbeantwortet: Warum haben Menschen damals so gehandelt? War es Ideologie, Anpassung oder Druck? Genau hier setzt die Produktion von Ilka Vierkant an. Sie eröffnet einen Zugang, der über reine Recherche hinausgeht – hin zu einem reflektierten Umgang mit der eigenen Herkunft.

Ein Abend, der nachwirkt
„ZweitZeuge – Opa war ein Nazi“ ist mehr als Theater: Die Inszenierung versteht sich als Einladung zur Auseinandersetzung. Sie zeigt, wie aus der Konfrontation mit der Vergangenheit eine Haltung für die Gegenwart entstehen kann. Gerade in Zeiten, in denen viele Familien beginnen, ihre Geschichte neu zu erzählen, wird das Theater zur Plattform für Dialog und Erkenntnis.

Das Stück richtet sich bewusst auch an ein jüngeres Publikum und wird ab 13 Jahren empfohlen. Nach der rund einstündigen Aufführung folgt ein Publikumsgespräch – Raum für Fragen, Austausch und persönliche Perspektiven.

Termine & Infos
Ort: Theaterhaus Stuttgart
Termine:

28. April 2026, 20:15 Uhr
April 2026, 11:00 Uhr & 20:15 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde + Publikumsgespräch
Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Mit „ZweitZeuge – Opa war ein Nazi“ bringt das Theaterhaus Stuttgart ein Stück auf die Bühne, das den aktuellen Diskurs nicht nur aufgreift, sondern vertieft – und damit weit über den Theaterraum hinaus wirkt.

Fotocredits: © Theater Duisburg / Sascha Kreklau

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