"Wofür kämpfst Du?" – Staatsoper Stuttgart zeigt mit Der rote Wal ein radikales Musiktheater zwischen Märchen und RAF-Mythos
Wenn sich eine Orca-Dame in einen Menschen verwandelt, um gegen eine zerstörerische Welt zu kämpfen, wird das zur Allegorie auf revolutionären Widerstand: Mit Der rote Wal – Ein deutsches Herbstmärchen bringt die Staatsoper Stuttgart am 18. Juni 2025 ein außergewöhnliches neues Musiktheater auf die Bühne. Es ist ein Werk, das Märchenmotive mit politischer Zeitgeschichte – genauer gesagt, mit dem Mythos der RAF und dem Deutschen Herbst 1977 – verwebt.
Im Zentrum steht Gladis, ein Orca-Wal, der in einer Welt der Superyachten, Kreuzfahrtriesen und sinnlosen Zerstörung seine eigene Form von Auflehnung findet. Für 24 Stunden erhält sie durch den geheimnisvollen Lone einen menschlichen Körper – im Tausch gegen ihre Flosse. Ihr Weg führt sie nach Stuttgart: mitten hinein in eine Gesellschaft zwischen Theaterbesuch und Stadtguerilla, zwischen Protest und Pose. Und plötzlich stellt sich nicht nur für Gladis die Frage: Was ist legitimer Widerstand – und wann beginnt Terror?
Oper trifft Rap, Mythos trifft Moral
Das Libretto stammt von Markus Winter, besser bekannt als Maeckes von Die Orsons, der auch selbst auf der Bühne in der Rolle des Lone zu sehen sein wird. Für ihn ist es das erste Opernlibretto – aber keineswegs ein Schritt ins Unbekannte: Winter bewegt sich seit Jahren souverän zwischen Pop, Rap und Theater. Die Musik komponierten die Brüder Vivan und Ketan Bhatti, deren Werke sich zwischen Klassik, Elektronik und Hip-Hop bewegen. Gemeinsam schaffen sie eine Partitur, die das Opernformat sprengt – mit Beats, Chören und orchestralen Ausbrüchen.
Inszeniert wird das Stück von Martin G. Berger, die musikalische Leitung übernimmt Marit Strindlund. In der Hauptrolle der Gladis glänzt Madina Frey, bekannt aus dem Tina Turner Musical. Weitere Rollen übernehmen Ks. Matthias Klink, Josefin Feiler und der Stuttgarter Rapper Baron.
Zwischen Realität und Fiktion: Der deutsche Herbst als Musiktheater
Der rote Wal ist kein Historienstück. Es ist ein Hybrid – Märchen, Allegorie und politische Reflexion zugleich. Es fragt: Was bleibt von den Kämpfen der Vergangenheit? Welche Formen des Widerstands sind heute denkbar – oder nötig? Und was passiert, wenn sich Fiktion und Erinnerung überlagern?
Termine und Ausblick
Die Uraufführung findet am 18. Juni 2025 um 19 Uhr statt. Weitere Vorstellungen folgen am 22. und 29. Juni, im Juli sowie im Dezember 2025 und Januar 2026.
Mit Der rote Wal stellt sich die Staatsoper Stuttgart einmal mehr an die vorderste Front einer künstlerisch wie politisch relevanten Musiktheaterlandschaft – und fragt: Wofür kämpfst Du?
Uraufführung
Der rote Wal – Ein deutsches Herbstmärchen
Musik: Vivan und Ketan Bhatti
Libretto: Markus Winter alias Maeckes
18. Juni 2025, 19 Uhr
Staatsoper Stuttgart
👉 Mehr Infos und Tickets: staatsoper-stuttgart.de
Bildnachweis: Staatsoper Stuttgart

