Im Programm 26/27 ist Tempo Tempo angesagt
Viele sind berufen, wenige auserwählt.
Wer tritt bei den Stuttgarter Philharmonikern die Nachfolge des legendären Generalmusikdirektors Dan Ettinger an? Der Israeli war vor zwei Jahren überraschend zurückgetreten, ist heute Musikdirektor an der New Israeli Opera in Tel Aviv und am Teatro San Carlo in Neapel. Jetzt soll die Stelle des GMD nach zwei Jahren für die Saison 2027/28 endlich wieder besetzt werden. Spätestens im Herbst wird der Verwaltungsrat die Entscheidung treffen, ehe dann der Gemeinderat zustimmt.
Bis dahin sind die Stuttgarter Philharmoniker in strenger Klausur, gleichen zur Zeit mehr einem Karmeliterorden, im dem ja bekanntlich strenges Schweigegebot herrscht. Keiner soll den Namen des mutmaßlichen Nachfolgers von Dan Ettinger vorzeitig ausplaudern. Über allem wacht streng Generalprior und Intendant Christian Lorenz.
Soviel ist aber bekannt, dass es zwischen Orchester und dem Intendanten unterschiedliche Auffassungen über die Besetzung des Postens gibt.
Wie Stuttgart Inside erfuhr, stehen folgende Kandidaten im Dutzend zur Wahl: Josep Caballe Domenech, Yoel Gamzou, Frank Strobel, Ryan Mc Adams, Samuel Lee, Frank Beermann, Michal Nesterowicz, Dmitry Matvienko, Frau Holly Hyun Choe, Madame Chloe Dufresne, Auel Dawidiuk und Sebastian Weigle.
Alle zwölf Kandidaten haben in der letzten Spielzeit 2025/26 ein Gastdirigat bei den Stuttgarter Philharmonikern gegeben, sind also auch durch unzählige Proben bereits mit dem Orchester vertraut. Und das Orchester konnte sich ein Bild von ihnen machen.
Das Brutto-Festgehalt, also tarifliche Grundvergütung und außerordentlicher Zuschlag wird sich zwischen 150 000 und 450 000 Euro im Jahr bewegen, ähnlich wie beim neuen GMD der württembergischen Staatsoper, Nicholas Carter.
Der überaus beliebte und sachkundige Chefdramaturg Albrecht Dürr, das Aushängeschild der Philharmoniker, erlaubt sich trotzdem die strenge Ordensregel zu durchbrechen, erklärt zum Anforderungsprofil des neuen GMD: "Er muss ein Meister der Kommunikation nach innen und nach außen sein. Zum zweiten muss er sein Handwerk von der Epoche des Barock bis zur Moderne absolut beherrschen. Drittens muss er eine Persönlichkeit in jeder Hinsicht sein. Vor allem als Interpret großer sinfonischer Werke."

Daran wird's auch in der Spielzeit 2026/27, die noch ohne den neuen GMD über die Bühne gehen wird, nicht mangeln. Drei Reihen großer sinfonischer Konzerte mit 18 Aufführungen im Beethoven-Saal der Stuttgarter Liederhalle sind geplant. 140mal wird Stuttgarts Orchester in dieser Spielzeit, Tourneen im Ausland eingeschlossen, auftreten.
Im Zentrum stehen erneut die drei großen Reihen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Die Reihe "Klassik Highlights" widmet sich dem Thema absolute Raritäten.So wird im Eröffnungskonzert u.a "Le tobeau de Couperin" von Maurice Ravel gegeben. Die "Sinfonischen Horizonte" befassen sich mit dem Thema Musikmetropolen, also Städte wie Paris, Rom, Wien, Hamburg, London. Städte, die in der Musikgeschichte bis heute eine herausragende Stellung als Musikmetropolen erlangt haben, weil dort seit langem bedeutende Institutionen existieren, große Komponisten wirkten, oder heute noch wirken.
Last not least kommt die "Große Reihe" wieder zu Ehren. Das Herzstück der Philharmoniker (9 Konzerte) steht unter dem thematischen Aspekt Tempo Tempo. Weil die Programmplanung noch davon ausging, dass 2026/27 das Bahnprojekt "Stuttgart 21" eröffnet werde, haben sich die Philharmoniker den Themen Mobilität und Geschwindigkeit gewidmet und unter dem Motto Tempo, Tempo unter anderem eine bunte Mischung von Musik zu und über Eisenbahnen, Automobile, Motorräder, also Verkehrsmittel unterschiedlicher Kategorien zusammengestellt. Höhepunkt ist zum Abschluss das Sonderkonzert "90 Jahre Carmina Burana." Fazit: Zumindest die Stuttgarter Philharmoniker sind schneller als die Bahn.
Dazu gibt's wieder die "Nachtschwärmer-Konzerte", die Serie "Mitten im Orchester" und die "Beethoven-Tage". 2027 ist der 200.Todestag des Komponisten Ludwig van Beethoven. Neu sind dagegen die "philharmonicpops" mit denen die Philharmoniker vor allem das jüngere Publikum gewinnen wollen. Dazu gibt's Stars und Hits aus unterschiedlichen Genres - in dieser Konzertsaison aus einem legendären Computerspiel, aus Funk, Jazz, Soul, Hip Hop und einem angesagten deutschen Popstar und seiner Band.
Fazit: Die Stuttgarter Philharmoniker ziehen alle Register. Motto: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.
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Klaus Henrich
Fotocredits: Klaus Henrich / Philharmoniker

