Die Stuttgarter Philharmoniker kämpfen an allen Fronten
Hinter den Kulissen tobt der Machtkampf um den neuen Generalmusikdirektor, den Nachfolger des legendären Dan Ettinger. Wer setzt sich durch? Die Intendanz oder das Orchester, das eigene Vorstellungen hat? Auf der Bühne der Stuttgarter Liederhalle im Hegelsaal, der altehrwürdige Beethovensaal wird gerade renoviert, hat indes die neue Konzertsaison mit einem Urknall begonnen. Statt eines klassischen Sinfoniekonzerts zündeten die Philharmoniker am Samstag die "philharmonicpops". Im Hegelsaal wackelten die Wände. Die Liederhalle am zerbersten.
Im Jahresprogrammheft 2026/27 der Philharmoniker heißt es: "Ob auf der Bühne oder im Saal: Hier treffen echte Spielernaturen aufeinander - besessen von ihrem Metier und immer auf dem Sprung zum nächsthöheren Level. Dieser sinfonische Trip durch legendäre japanische Computerspiele lässt Zockerherzen höherschlagen...."
Seit 2018 begeistert die beliebte Konzertreihe "Symphonic Memories" die Fans von Videospielmusik weltweit. 2026 macht "Symphonic Memories" erneut in Stuttgart Station.
Für die neue Konzertreihe geben die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung Eckehard Stier und Mischa Cheung (Klavier) ihr bestes, interpretieren die Werke der Japanischen Komponisten Keiichi Okabe - NIER SERIES, Yoko Shimomura - KINGDOM HEARTS (Rhapsody) und Nobuo Uematsu -FINAL FANTASY VII (Sinfonie in drei Sätzen) als perfekte Philharmonicpops. Das vorwiegend jüngere Publikum reißt's von den Sitzen, stehende Ovationen und zwei Zugaben beenden einen rauschenden Konzertabend. Der hätte für die Besucher eigentlich noch bis Mitternacht so weitergehen können.
Für den neuen Chefdramaturgen der Stuttgarter Philharmoniker, Marcus Caratelli steht fest: "Die Welt der Gaming- und Filmmusik ist für uns sehr reizvoll, denn gerade hier können wir einem jungen und interessierten Publikum unsre Kernmarke klassisches Orchester vermitteln, das wir sonst vielleicht nie in unseren Konzerten sehen würden. Es geht nicht nur darum zu zeigen, wie ihre geliebten Soundtracks live vor ihren Augen und Ohren entstehen, sondern auch, welche ungeheuer mitreißende Kraft von der Körperlichkeit und Unmittelbarkeit dieser sinfonischen Live-Konzerte ausgehen kann. Letzlich wollen wir mit dem neuen Format der Philharmonicpops versuchen, eine Brücke zwischen vertrauter Popkultur und der traditionellen Orchesterwelt zu schlagen und damit im Idealfall auch der klassischen Musik neue Zielgruppen zuzuführen."
Weitere Philharmonicpops gibt's am 17.4.2027 und am 22.5.2027 in der Liederhalle (Hegelsaal).
Text und Fotocredits: Klaus Henrich


