30. Januar 2026 / Kultur

Christoph Sonntag feiert umjubelte Premiere von „AZNZ 2.0“ im Theaterhaus Stuttgart

Der König des schwäbischen Kabaretts zündet mit „AZNZ 2.0“ im Theaterhaus Stuttgart ein fulminantes Feuerwerk aus Pointen.

Veröffentlicht am 30. Januar 2026 um 09:00 Uhr

Premiere von „AZNZ 2.0“: Christoph Sonntag begeistert im Theaterhaus Stuttgart

Mit der Premiere seines neuen Programms „AZNZ 2.0 – Alte Zeiten, Neue Zeiten“ hat Christoph Sonntag am gestrigen Abend im Theaterhaus Stuttgart, Saal T1, ein fulminantes Comeback seines Kultformats gefeiert – temporeich, pointensicher und näher am Zeitgeist denn je.



Was einst als legendäre SWR3-Comedy unter dem Titel „AZ-NZ – Alte Zeiten, Neue Zeiten“ begann und mit der TV-Aufzeichnung aus der Porsche Arena Fernsehgeschichte schrieb, erlebt nun eine ebenso bissige wie zeitgemäße Neuauflage. Denn die „neuen Zeiten“ von damals sind heute selbst längst Geschichte – und Sonntag beweist eindrucksvoll, dass sich über diesen ewigen Wandel hervorragend lachen lässt. Oder wie er es selbst formuliert: Heute ist morgen schneller gestern, als man denkt.

Mit viel Nostalgie, aber ohne jede Verklärung, führt der gebürtige Waiblinger sein Publikum von den vermeintlich einfachen Tagen der Vergangenheit in die hochkomplexe Gegenwart. Damals: Filterkaffee, weite Hosen, Autos ohne elektronische Bevormundung. Heute: selbstparkende Fahrzeuge, haarlose Körperzonen bis unter die Achseln und Kaffeekapseln in unüberschaubarer Vielfalt. Aus diesem Kontrast entwickelt Sonntag einen rasanten Humor-Parcours, der kaum Luft zum Durchatmen lässt.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist sein humorvoll gepflegtes Nicht-Verhältnis zur Waldorfschule. Mit genüsslicher Ironie seziert Sonntag pädagogische Ideale, klangvolle Vornamen und eine Weltsicht, in der alles getanzt, gemalt und erfühlt wird – nur bitte nicht zu konkret. Figuren wie „Sven Torben Ole“ werden dabei ebenso liebevoll wie gnadenlos karikiert und sorgen für große Lacher im Saal. Sonntag macht klar: Verständnis ist möglich – Nähe eher nicht.



Die Show überzeugt zudem durch ihre aufwendige Inszenierung: Ein außergewöhnliches Bühnenbild, fetzige Musikeinlagen und technisch ausgefeilte Übergänge bilden den Rahmen für Sonntags scharfzüngige Wortkunst. Besonders gefeiert werden seine absurden Gedankenspiele, wenn etwa das Zutatenetikett eines Gurkenglases plötzlich als Textvorlage für Beethovens Fünfte oder gar die Nationalhymne herhalten muss.

Immer wieder sucht Sonntag den direkten Draht zum Publikum, improvisiert, kommentiert und steigert seine Pointen mit schwäbischem Mutterwitz und spürbarer Spielfreude. Genau hier liegt seine große Stärke: In der Liveshow entfaltet er jene Präsenz, die ihn seit Jahrzehnten zu einer festen Größe des südwestdeutschen Kabaretts macht.

Aus dem Fernsehen ist Christoph Sonntag unter anderem aus der ARD-Sendung „Meister des Alltags“, aus „Verstehen Sie Spaß?“ oder als „Bruder Christophorus“ in „Das jüngste Gerü(i)cht“ bekannt. Doch auf der Bühne zeigt sich einmal mehr, warum ihm der SWR den Titel „König des schwäbischen Kabaretts“ verliehen hat.

Mit „AZNZ 2.0“ liefert Christoph Sonntag eine hochaktuelle, wilde und dabei herrlich selbstironische Bestandsaufnahme unserer Zeit – inklusive Tränenlachgarantie.

Wer nicht dabei war, ist definitiv von gestern.

Fotocredits: Ralf Alten/Stuttgart Inside

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