23. Januar 2026 / Kultur

Angekommen – Stimmen der Gegenwart im Theaterhaus Stuttgart

Zehn Jahre nach 2015 geben Geflüchtete im Theaterhaus Stuttgart Bühne, Bilder und Stimmen dem Begriff Ankommen neu.

Veröffentlicht am 23. Januar 2026 um 09:07 Uhr

Angekommen
Wie das Theaterhaus Stuttgart zehn Jahre nach 2015 neue Perspektiven auf Flucht, Heimat und Zugehörigkeit eröffnet

Was bedeutet es eigentlich, anzukommen? Zehn Jahre nach dem sogenannten „Flüchtlingssommer 2015“ stellt das Theaterhaus Stuttgart genau diese Frage – und überlässt die Antwort jenen, die sie aus eigener Erfahrung geben können. Mit der neuen Veranstaltungsreihe „ANGEKOMMEN“ rückt das Theaterhaus ab Januar 2026 Menschen in den Mittelpunkt, die durch Flucht und Vertreibung nach Deutschland gekommen sind. In Theater, Fotografie und politischem Gespräch entstehen persönliche, vielstimmige Perspektiven auf ein Thema, das bis heute unsere Gesellschaft prägt.

Bühne frei für persönliche Geschichten
Herzstück der Reihe ist die Bühnenpremiere des theatermusikalischen Geschichtenabends „Angekommen“ am Samstag, 31. Januar 2026, um 19:00 Uhr in der Halle T3. Der Abend, arrangiert, moderiert und inszeniert von Ernst Konarek, bringt sechs Menschen auf die Bühne, die ihre individuellen Wege nach Deutschland erzählen – nicht als abstrakte Debatte, sondern als gelebte Realität.

In Gesprächen und Monologen, mit Fotografien, Texten, Dichtung und Musik aus ihren Herkunftsländern berichten Katerina „Katja“ Radieva (Ukraine), Amidou Fousseni (Togo) sowie Osama Helou, Hisham „Hemo“ Dalou, Rafaat Zuaiter und Abdulhakim Aljassem (alle Syrien) von Verlust und Neuanfang, von Fremdsein und Zugehörigkeit, von dem langen Prozess, den man „Ankommen“ nennt.
Musikalisch begleitet werden sie von Ernst Kies (Akkordeon) und Karim Othman-Hassan (Oud, Nay). Die Regieassistenz übernimmt Raluca Urea.

Der Abend versteht sich nicht als abgeschlossenes Narrativ, sondern als Einladung zum Zuhören – offen, nahbar und bewusst vielschichtig. Weitere Vorstellungen sind bereits in Planung.

Tickets: 15 € / ermäßigt 10 € / U18 7 € / Soli-Ticket 1 €

Gesichter, Geschichten, Lebenswege
Bereits eine Woche vor der Bühnenpremiere beginnt „ANGEKOMMEN“ mit einer visuellen Annäherung an das Thema. Die Fotoausstellung „Angekommen“ des Stuttgarter Fotografen Chris Meier zeigt 15 einfühlsame Porträts geflüchteter Menschen, die aktuell in Plochingen leben. Ergänzt werden die Fotografien durch persönliche Lebensläufe, die von Brüchen, Hoffnung und Neubeginn erzählen.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Michael Mikolajczak und der Stadt Plochingen. Unter den Porträtierten sind auch die sechs Mitwirkenden des Bühnenabends – so entsteht ein inhaltlicher Bogen zwischen Ausstellung und Theater.

Die Vernissage findet am Sonntag, 25. Januar 2026, um 11:30 Uhr in der Galerie im Theaterhaus (1. OG) statt. Der Eintritt ist frei, musikalisch begleitet von Karim Othman-Hassan.

Politik, Haltung und die Frage nach dem Dazugehören
Den Abschluss der Reihe bildet eine Lesung und ein Gespräch mit Ryyan Alshebl am Sonntag, 1. März 2026, um 19:15 Uhr in der Halle T4. Alshebl, 1994 im syrischen Suweida geboren, floh 2015 nach Deutschland und wurde 2023 zum Bürgermeister von Ostelsheim gewählt – eine Biografie, die politische und persönliche Ebenen verbindet.

Anlässlich seines Buches „Flucht nach vorn“ spricht er mit der taz-Redakteurin Derya Türkmen über Alternativen zu Populismus und Politikverdrossenheit, über demokratische Teilhabe – und über die Frage, wann man wirklich angekommen ist.

Tickets: 14 € / ermäßigt 10 € / U18 7 € / Soli-Ticket 1 €

Ankommen als offener Prozess
Mit „ANGEKOMMEN“ schafft das Theaterhaus Stuttgart einen Raum für Begegnung, Reflexion und Dialog. Die Reihe macht deutlich: Ankommen ist kein einmaliger Moment, sondern ein fortlaufender Prozess – individuell, politisch und gesellschaftlich. Und einer, der erzählt werden muss.

 Fotocredits: Simon Wachter

Meistgelesene Artikel

31-Jährige tot in Wohnung gefunden – Bekannter in Haft
Aus den Stadtteilen

Nach Vermisstenmeldung findet Polizei in Stuttgart-Nord eine 31-Jährige tot in Wohnung. Ein 32-jähriger Bekannter sitzt in Haft.

weiterlesen...
Kölsche Frohsinn als Exportschlager jetzt auch in Stuttgart angekommen.
Veranstaltungen

„Kölsche Lebenslust erobert Stuttgart: 600 Narren, Mitsing-Karneval und Kölsch satt – das Mash wird zur Altstadtkneipe.“

weiterlesen...
25 Jahre Stuttgart PRIDE: Starkes Zeichen für Vielfalt beim CSD-Neujahrsempfang
Inside Kulturblog

Stuttgart PRIDE feiert 25 Jahre IG CSD e.V., stellt das Motto 2026 vor und setzt ein klares Zeichen für Zusammenhalt und Vielfalt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Was die EU-Kommission gegen Online-Mobbing tun will
Aus aller Welt

Leitlinien für Lehrerinnen und Lehrer, eine App nach französischem Vorbild und KI als neuer Risikofaktor: Die Europäische Kommission stellt einen Aktionsplan gegen Mobbing im Netz vor. Was steht drin?

weiterlesen...
Säugling in Berlin an Meningokokken gestorben
Aus aller Welt

Meningokokken-Erkrankungen sind in Deutschland sehr selten, verlaufen jedoch meist schwerwiegend. In Berlin gab es nun einen Todesfall.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

100 Jahre Metropol: Das Stuttgarter Kultkino startet ins nächste Jahrhundert
Kultur

Das Metropol wird 100: Ein Jahr voller Events, Filmreihen und frischem Look – Stuttgart feiert seine Kino-Ikone.

weiterlesen...
Christoph Sonntag feiert umjubelte Premiere von „AZNZ 2.0“ im Theaterhaus Stuttgart
Kultur

Der König des schwäbischen Kabaretts zündet mit „AZNZ 2.0“ im Theaterhaus Stuttgart ein fulminantes Feuerwerk aus Pointen.

weiterlesen...