Universität Hohenheim misst heißesten Tag seit rund 150 Jahren
37,4 Grad auf den Fildern: Neue Höchstmarke in Württembergs längster Klimazeitreihe / Messstation dokumentiert Extreme seit 1878
Die Hitze hat den Stuttgarter Talkessel fest im Griff – doch ausgerechnet am vergleichsweise kühleren Rand der Stadt wurde nun ein historischer Rekord gemessen: An der Klimastation der Universität Hohenheim auf den Fildern kletterte das Thermometer am 27. Juni 2026 auf 37,4 Grad Celsius. So heiß war es dort seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1878 nicht.
Damit liefert die älteste Wetter- und Klimamessreihe Württembergs einen markanten Datenpunkt in einer Entwicklung, die Klimaforscher seit Jahren beobachten – und zunehmend als alarmierend einordnen.
„Unsere Messreihe reicht zurück bis ins Jahr 1878 und ist eine der längsten Zeitreihen in Deutschland“, erklärt der Physiker und Erdsystemwissenschaftler Volker Wulfmeyer. „Innerhalb dieser fast 150 Jahre stellt der 27. Juni 2026 einen neuen Rekord dar.“
„Jahrhundertsommer“ werden zur neuen Häufigkeit
Besonders brisant: Aus Sicht der Wissenschaft ist der neue Höchstwert kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines Trends. Wulfmeyer warnt, dass die Abstände zwischen Extremereignissen spürbar schrumpfen.
„Unsere Messungen bestätigen, was wir in der Klimaforschung vorhergesagt haben: Die Extremwetter nehmen zu und werden intensiver. Die sogenannten Jahrhundertsommer werden immer heißer und folgen immer dichter aufeinander.“
Was früher als Ausnahme galt, wird damit zunehmend zur statistischen Normalität – mit direkten Folgen für Stadtklima, Landwirtschaft und Gesundheit in der Region Stuttgart.
Präzisionsarbeit am Klimasystem
Die Messstation der Universität Hohenheim gilt als wissenschaftliches Frühwarnsystem für klimatische Veränderungen in Südwestdeutschland. Im Fokus stehen nicht nur Temperaturwerte, sondern komplexe Wechselwirkungen zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre.
Wulfmeyer und sein Team arbeiten dabei an hochpräzisen Messverfahren, darunter auch laserbasierte Technologien zur Erfassung atmosphärischer Prozesse. Ziel ist es, Wetter- und Klimamodelle so weiterzuentwickeln, dass Extremereignisse künftig genauer und räumlich hochaufgelöst prognostiziert werden können.
Ein Rekord mit Signalwirkung
Der neue Temperaturwert von 37,4 Grad ist damit mehr als nur eine statistische Spitze. Er markiert einen weiteren Datenpunkt in einer Messreihe, die seit über anderthalb Jahrhunderten dokumentiert, wie sich das Klima im Südwesten verändert.
Und er wirft eine unbequeme Frage auf: Wenn dieser Sommer bereits Rekorde bricht – was kommt als Nächstes?
Fotocredits: Universität Hohenheim / Francesca Billmaier

