Stromausfall in Stuttgart: Wenn das Handy schweigt, hilft die Kurbel
Am 10. September steht beim bundesweiten Warntag die Warnung der Bevölkerung im Mittelpunkt. Doch was passiert, wenn ausgerechnet im Krisenfall der Strom ausfällt? Dann können Smartphone, Internet und digitale Anzeigen schnell an ihre Grenzen kommen. Ein kleines Gerät kann deshalb plötzlich besonders wichtig werden: das batteriebetriebene Notfallradio mit Handkurbel.
Strom gehört zum Alltag, ohne dass wir darüber nachdenken. Er sorgt dafür, dass Wasser gepumpt wird, Ampeln funktionieren, Supermärkte öffnen können und Heizungen laufen. Fällt die Energieversorgung aus, sind die Auswirkungen deshalb schnell im gesamten Alltag spürbar.
Für Krankenhäuser oder Notrufleitstellen gelten besondere Anforderungen. Sie müssen über eine Notstromversorgung verfügen. Private Haushalte haben diese Absicherung in der Regel nicht und sollten deshalb selbst vorsorgen. Neben Trinkwasser, Lebensmitteln, Licht und Wärme gehört dabei auch die Frage dazu, wie im Ernstfall Informationen empfangen werden können.
Deutschlands Stromnetz ist zuverlässig – aber nicht unverwundbar
Das deutsche Stromnetz gilt als eines der zuverlässigsten weltweit. Stromunterbrechungen dauern im Durchschnitt nur wenige Minuten pro Jahr und betreffen meist einzelne Regionen oder Haushalte. Größere und länger andauernde Ausfälle sind selten.
Doch Naturereignisse, technische Schäden oder Sabotage können die Situation jederzeit verändern. Wie schnell ein Stromausfall zum Problem für den Alltag werden kann, zeigte zuletzt ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins. Zehntausende Haushalte und zahlreiche Betriebe waren betroffen. Heizung, Wasserversorgung, Geschäfte und medizinische Einrichtungen standen teilweise still. Auch die Kommunikation über Mobilfunk war beeinträchtigt.
Warum das Smartphone im Blackout nicht ausreicht
In den ersten Stunden eines Stromausfalls können Smartphones noch wichtige Warnungen liefern. Cell Broadcast und Warn-Apps funktionieren allerdings nur, solange das Mobilfunknetz erreichbar und der Akku ausreichend geladen ist.
Bei einem größeren Ausfall steigt zudem die Belastung der Netze. Viele Menschen versuchen gleichzeitig, Informationen abzurufen oder Angehörige zu erreichen. Zwar verfügen zahlreiche Mobilfunkstandorte über Notstrom, dieser reicht jedoch je nach Standort nur begrenzte Zeit.
Je länger der Stromausfall dauert, desto wichtiger wird deshalb eine Informationsquelle, die unabhängig vom Stromnetz funktioniert.
Radio bleibt im Krisenfall eine wichtige Verbindung
Genau hier kommt das klassische Radio ins Spiel. Über das Modulare Warnsystem des Bundes können Behörden amtliche Informationen an Rundfunkveranstalter übermitteln. Diese können unter anderem über die aktuelle Lage, die voraussichtliche Dauer des Ausfalls und wichtige Anlaufstellen informieren.
Auch der Südwestrundfunk kann weite Teile seines Sendegebiets bei einem Stromausfall weiterhin mit Informationen versorgen. Voraussetzung auf der Empfängerseite ist allerdings ein Gerät, das unabhängig vom normalen Stromnetz betrieben werden kann.
Ein paar Minuten kurbeln können entscheidend sein
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt deshalb, ein Notfallradio im Haushalt bereitzuhalten. Sinnvoll sind Geräte, die über mehrere Energiequellen verfügen – etwa Batterien, einen Akku, Solarenergie und eine Handkurbel.
Die Kurbel wird dabei zur letzten Reserve: Selbst wenn Steckdose, Stromnetz und Batterien ausfallen, lässt sich damit Energie für den Radioempfang erzeugen. Je nach Gerät können wenige Minuten Kurbeln für eine längere Betriebszeit ausreichen.
Für die Bevölkerung bedeutet das vor allem eines: Auch wenn Internet, Fernsehen und Mobilfunk ausfallen, bleibt eine Möglichkeit bestehen, offizielle Informationen zu empfangen.
Gut vorbereitet für den Ernstfall
Ein längerer Stromausfall ist in Stuttgart ebenso wie bundesweit ein seltenes Szenario. Gerade weil solche Situationen ungewöhnlich sind, lohnt sich eine einfache Vorbereitung. Ein Notfallradio, geladene Powerbanks, Taschenlampen sowie ausreichende Vorräte können helfen, die ersten Stunden oder Tage zu überbrücken.
Beim bundesweiten Warntag am 10. September geht es deshalb nicht nur darum, Warnsignale zu hören. Es geht auch darum, sich Gedanken darüber zu machen, wie Informationen ankommen, wenn die digitale Infrastruktur einmal nicht mehr funktioniert.
Text: M.C.Alten-Siegl
Fotocredits: Fabrice Weichelt

