Während sich die Verkehrssicherheit in Baden-Württemberg insgesamt verbessert, entwickelt sich der Radverkehr in die entgegengesetzte Richtung. Die aktuellen Unfallzahlen für 2025 zeigen einen deutlichen Anstieg bei Fahrrad- und Pedelec-Unfällen – ein Trend, der zunehmend Besorgnis auslöst.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden im vergangenen Jahr 13.073 Unfälle mit Fahrrädern und Pedelecs registriert. Das entspricht einem Plus von 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders alarmierend ist die Zahl der Todesopfer: 60 Radfahrende verloren 2025 ihr Leben – statistisch mehr als eine Person pro Woche.
Damit steht die Entwicklung im klaren Gegensatz zur Vision Zero, die das Ziel verfolgt, keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr zu haben. Während bei Autos und Motorrädern die Unfallzahlen unter anderem durch technische Fortschritte tendenziell sinken, bleibt der Radverkehr deutlich zurück.
Ein zentraler Grund liegt in der Infrastruktur. Mit der steigenden Nutzung des Fahrrads wachsen die Anforderungen an sichere Verkehrsbedingungen – doch der Ausbau hält nicht Schritt. Radfahrende bewegen sich häufig in einem System, das nicht auf ihre Bedürfnisse ausgelegt ist. Fehlende Schutzmechanismen wie Knautschzonen oder Airbags erhöhen das Risiko schwerer Verletzungen bei Unfällen erheblich.
Auffällig ist zudem, dass tödliche Unfälle häufig außerhalb geschlossener Ortschaften passieren, insbesondere beim Queren größerer Straßen. Auch ältere Menschen sind überproportional betroffen. Die bestehenden Verkehrsstrukturen überfordern viele Radfahrende, vor allem dort, wo sichere Querungsmöglichkeiten oder klare Verkehrsführungen fehlen.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf und fordert, die Vision Zero verbindlich im Koalitionsvertrag der kommenden Landesregierung zu verankern. Im Fokus stehen gezielte Investitionen in die Sicherheit des Radverkehrs. Dazu zählen unter anderem der Ausbau durchgängiger Radnetze, sichere Querungsstellen, optimierte Ampelschaltungen, bessere Sichtverhältnisse an Kreuzungen sowie Temporeduzierungen für den motorisierten Verkehr.
Zudem wird eine systematische Analyse von Unfallursachen gefordert, um wirksame Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Klar ist: Eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrende erfordert politische Prioritätensetzung – denn die aktuellen Zahlen lassen keinen Spielraum für Entwarnung.
Fotocredits: Ghost Bike © ADFC Hamburg Cajus Pruin

