Mit einem breit angelegten Beteiligungsprozess eröffnet die Stadt Stuttgart die Diskussion über die Zukunft des Bismarckplatzes im Westen der Landeshauptstadt. Unter dem Titel „Bismarck(platz) im Fokus. Ein Stadtgespräch über Namen, Orte und Erinnerung“ lädt die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur des Kulturamts alle Interessierten dazu ein, sich aktiv an der Debatte über den Umgang mit dem historischen Namen zu beteiligen.
Im Mittelpunkt stehen drei öffentliche Workshops am 10. Juni, 22. Juli und 17. Oktober 2026. Ziel ist es, gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie historische Namensgebungen im öffentlichen Raum heute bewertet und gestaltet werden können. Der Bismarckplatz gilt als lebendiger Treffpunkt im Herzen von Stuttgart-West und ist zugleich Gegenstand einer zunehmend kontroversen gesellschaftlichen Diskussion.
Ausgangspunkt des Prozesses sind unterschiedliche Sichtweisen innerhalb der Stadtgesellschaft. Während einige Initiativen eine Umbenennung des Platzes fordern, sprechen sich andere für eine stärkere historische Einordnung des Ortes aus. Der Beteiligungsprozess geht auf einen Gemeinderatsantrag zurück und soll einen offenen Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung ermöglichen.
Die Workshops setzen auf Austausch und Beteiligung. Neben persönlichen Erfahrungen und Perspektiven werden verschiedene Ansätze diskutiert – von künstlerischen Interventionen über Formen der historischen Kontextualisierung bis hin zu einer möglichen Teilumbenennung oder vollständigen Umbenennung des Platzes. Die erarbeiteten Ideen sollen am Ende zu einem gemeinsamen Vorschlag zusammengeführt werden.
Begleitend dazu setzen sich die Künstlerinnen Ann-Kathrin Müller und Judith Engel im Rahmen einer künstlerischen „Inventour“ mit den zahlreichen Bismarck-Bezügen im Stuttgarter Stadtbild auseinander. An mehreren Terminen im Juli und Oktober laden sie dazu ein, historische Spuren und Erinnerungsorte gemeinsam zu erkunden.
Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses werden am 17. November 2026 im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung vorgestellt.
Hintergrund der Debatte ist die veränderte historische Bewertung Otto von Bismarcks. Während er lange als Reichsgründer und prägende Figur des Deutschen Kaiserreichs verehrt wurde, rücken heute auch seine autoritäre Politik sowie seine Rolle im Kontext kolonialer Machtstrukturen stärker in den Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung. Die Diskussion um den Bismarckplatz steht damit exemplarisch für die Frage, wie Städte mit historischen Ehrungen im öffentlichen Raum umgehen und Erinnerungskultur zeitgemäß gestalten können.
Fotocredits: Sarah Schmid/Stuttgart Marketing GmbH

