🌳🍇 Agroforst im Weinbau: Wie Bäume Reben stärken – ohne Abstriche beim Wein
Zwischen den Reben wachsen Bäume – was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, könnte für den Weinbau der Zukunft entscheidend sein. Denn sogenannte Vitiforst-Systeme, also Weinberge mit integrierten Bäumen, zeigen erstaunliche Vorteile: Sie verbessern die Wasserversorgung und fördern die Biodiversität – und das ohne Qualitätsverlust beim Wein.
Ein Blick in den Versuchsgarten
Seit 2007 läuft im rheinland-pfälzischen Ayl ein groß angelegter Langzeitversuch. Forschende der Universität Hohenheim und der Universität Freiburg untersuchen dort, wie sich Bäume und Reben gegenseitig beeinflussen. Die Ergebnisse überraschen:
Tiefwurzelnde Bäume wie Eichen und Pappeln wirken wie natürliche Wasserpumpen. Sie holen Feuchtigkeit und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten nach oben – ein Effekt, den die Wissenschaft „hydraulischer Lift“ nennt.
Reben profitieren so von besserer Wasserversorgung, gerade in Trockenphasen.
Zusätzlich steigt die Stickstoffverfügbarkeit im Boden – ein zentraler Faktor für gesundes Wachstum und Aromabildung.
Biodiversität trifft Wurzelkommunikation
Doch das ist längst nicht alles: Bäume verändern auch das Bodenleben. Unter Eichen steigt die mikrobielle Vielfalt, unter Pappeln bilden sich spezialisierte Gemeinschaften. Gleichzeitig scheiden die Reben andere Wurzelmetabolite aus – Zeichen einer pflanzlichen Kommunikation mit den Bäumen.
Kurz gesagt: Mehr Artenvielfalt, mehr Austausch, mehr Resilienz.
Bleibt der Wein der gleiche?
Die große Frage lautet: Schmeckt man das auch?
Antwort: Nein. Sechs Weine aus den Versuchsanlagen – Riesling und Sauvignon Blanc, jeweils im Vergleich mit und ohne Bäume – wurden sensorisch geprüft. Ergebnis: Keine Einbußen in Qualität oder Geschmack. Nur minimale Unterschiede bei Zucker und Säure, die aber nicht ins Gewicht fielen.
Im Gegenteil: Durch die Beschattung reifen die Trauben etwas später, was das Aroma sogar verbessern kann – weil kühlere Nächte und warme Tage den typischen Charakter der Sorten verstärken.
Zukunftsmodell für den Klimawandel
Die Forschenden sind überzeugt: Vitiforst ist mehr als ein Experiment. Es könnte zu einem neuen Standard im Weinbau werden – ressourcenschonend, klimaresilient und mit zusätzlichem Marketingpotenzial. „Wein aus Agroforstsystemen“ – ein Label, das bei umweltbewussten Konsument:innen gut ankommen dürfte.
Das Projekt VitiForst
Damit das Konzept aus dem Versuchsfeld in die Praxis gelangt, startet das Verbundprojekt VitiForst. Neue Testflächen entstehen am Kaiserstuhl und im Remstal, begleitet von den Landesanstalten für Weinbau in Freiburg und Weinsberg. Ziel ist es, die positiven Effekte wissenschaftlich abzusichern und praxistaugliche Modelle für Winzer:innen zu entwickeln.
Finanziert wird das Projekt mit 600.000 Euro vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
✨ Fazit: Die Römer kannten es schon – Reben, die mit Bäumen wachsen. Heute erlebt das alte Wissen ein wissenschaftliches Comeback. Vitiforst könnte den Weinbau in Zeiten des Klimawandels nachhaltiger, widerstandsfähiger und vielfältiger machen.
Fotocredits Universität Hohenheim Jakob Hörl

