21. September 2024 / Inside Kulturblog

„Three days after“ – eine apokalyptische, dystopische Reise um die Welt mit Josh von Staudach

Künstler Josh von Staudach sein neustes 360 Grad-Werk „Three days After“ im riesigen Kuppelsaal des Planetariums, der größten Leinwand Stuttgarts, auf

Veröffentlicht am 21. September 2024 um 10:47 Uhr

„Three days after“ – eine apokalyptische, dystopische Reise um die Welt  mit Josh von Staudach

Am 09.09.2024  führte der Künstler Josh von Staudach sein neustes 360 Grad-Werk „Three days After“ im riesigen Kuppelsaal des Planetariums, der größten Leinwand Stuttgarts, auf. Sieben Jahre lang arbeitete Josh von Staudach an seinem Werk.

Was passiert bei diesem virtuellen Spektakel? Josh von Staudach beschreibt es so:


"Wir schweben zunächst über die Manhattan Bridge Richtung New York City, die Morgendämmerung öffnet den Vorhang zu einer eigenartig verformten Umgebung. Während Ground Zero und One World Trade Center vorbeizogen, erhärtet sich der Verdacht, dass hier keine Menschenseele mehr unterwegs ist – die sonst so pulsierende Großstadt ist bewegungslos, erstarrt. Der leergefegte Times Square und die Straßen hin zum Empire State Building festigen die Vorstellung, dass die Menschheit den Planeten verlassen haben muss ... 


Während die Freiheitsstatue ein letztes Lied seufzt, fallen wir aus zwei Kilometer Höhe in die West 34th Street, nur um kurze Zeit später in den Bauch des Containerschiffs Maersk Karachi zu tauchen ...
Die Industrie ist zweiter Teil des Triptychons: in Bremerhaven schwirren zehntausende Container mit bis zu 180 km/h an uns vorbei, der Flug endet auf einem Schrottplatz – nur um dann von einem Flugplatz nach Japan zu starten und in Fukuyama, einem der größten Stahlwerke der Welt zu landen, das offenbar seinen letzten Atemzug macht ... In hunderten Tanks der Pascagoula Raffinerie sind Ölreserven gespeichert, die aber auch das Kraftwerk, mit den drei Kaminen groß wie Eiffeltürme, nicht mehr braucht ... Die gigantische Baustelle eines Offshore-Windparks in Le Havre ist der vergebliche Versuch, das Rad noch zu drehen ...


Wollten Außerirdische der Evakuierung der menschlichen Spezies beiwohnen, sie wären ganz klar, wie bei Steven Spielberg, am Devils Tower in Wyoming gelandet. Die markante Form dieses Solitär-Felsens leitet den dritten Teil ein, in dem Versuch, uns mit der Natur zu versöhnen – wären wir noch da ... Doch! Ja! Wir sind noch da und gleiten nun durch die fantastische, regenbogenbunte, kristalline Umgebung des Yosemite Nationalparks. Fast meditativ, fast 12 Minuten lang. Kein Entkommen als Fazit. Alles was wir als Menschen hier machen, bleibt hier. Auf unabsehbare Zeit ...
Der Soundtrack dazu wird unseren Ohren Fragen stellen: Wie klingt eine von Menschen verlassene Welt? Es können nur Erinnerungsstücke an vergangene Zeiten sein, gelegentlich leicht verstaubt. ... Was sind das für eigenartige Geräusche? Erinnert dieser Klang an Pink Floyd? Ist das Klavier ein wenig verstimmt? Rauscht hier der Wind oder mein Gehörgang? Um die optischen Sinneseindrücke passend zu begleiten, reicht die Palette vom Ambient Genre über Post-Rock hin zu orchestralen Arrangements – immer genauso verfremdet, wie die Objekte auf der Leinwand.“

Der Künstler plant weitere Aufführungen in Planetarien und ich hoffe, dass es nicht bei dieser Premiere bleibt: Diese phantastische, apokalyptische und dystopische Reise um die Welt muss fortgesetzt werden und die Öffentlichkeit erreichen! Zeigt sie doch die düsteren Aussichten auf eine Welt, drei tage nachdem, aus welchen Gründen auch immer, die Menschheit verschwand. Beeindruckende Bilder, die am Ende beim Betrachter Fragen und Gedanken auf unsere Zukunft im Hinblick auf Metropolen, Industrie und Natur wecken.

Fotos: Colette Baeker

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