Wenn es auf dem Wasen um die Wurst geht …
Armin Weeber und Claudia Weeber-Barth gehören zu einer traditionsreichen Schaustellerfamilie. Mit ihrer Wurstbude haben sie einem einfachen Klassiker eine große Bühne gegeben. Heute reicht ihr gastronomisches Reich vom Wasen bis an den Neckar.

Eine Familie mit Wasen-DNA
1887 nahm mit Karl Weeber alles seinen Anfang. Der Bäckermeister und Gastwirt aus Oßweil bekam damals eine von Pferden gezogene Schiffschaukel angeboten. Seine Söhne sollten mit anpacken – und so kam die Familie zur Schaustellerei. Aus der zunächst von Hand angeschobenen Fahrattraktion entwickelte sich über Generationen ein Familienunternehmen mit Fahrgeschäften, Gastronomie und schließlich dem Festzelt „Zum Wasenwirt“.
Armin Weeber wuchs in dieser Welt auf und gehörte später gemeinsam mit seinem Bruder Fritz zur Führung des „Wasenwirts“.
Vom Festzelt an den Grill
Gemeinsam mit seiner Frau Claudia schlug Armin Weeber irgendwann einen eigenen Weg ein: die Wurstbude. 2019 kaufte das Ehepaar eine neue Bude für den Wasen und einen Foodtruck. Dann kam Corona – und mit der Absage der Großveranstaltungen brach eine der wichtigsten Einnahmequellen der Schausteller weg.
„Das bedeutete damals null Umsatz für uns“, erinnert sich Claudia Weeber-Barth. Doch es ging um mehr als ums Geld: „Das ist unser Leben! Die Schaustellerei ist nicht einfach ein Beruf, sondern die Welt, in der unsere Familie zu Hause ist!“
Wenn plötzlich alles stillsteht
Die Weebers warteten nicht einfach ab. Im April 2020 rückten sie mit ihrer mobilen Wurstbude vor das Klinikum in Bad Cannstatt und verteilten kostenlos Bratwürste an das Krankenhauspersonal. Bereits eine Woche zuvor hatte es eine entsprechende Aktion vor dem Klinikum Stuttgart gegeben.
Gleichzeitig suchten sie nach neuen Absatzmöglichkeiten. So wurde aus der klassischen Festplatz-Currywurst unter anderem Currywurst im Glas, die während der Pandemie zur Abholung und Auslieferung angeboten wurde.
Die Wurstbude als Erfolgsmodell
Heute ist die „Wurstbude Stuttgart“ mobile Gastronomie für Großveranstaltungen, Firmenevents und andere Anlässe und bezeichnet sich als „Deutschlands größte mobile Wurstbude“. Neben klassischen Wurstvarianten gibt es vegetarische und vegane Alternativen. Die Weebers setzen auf regionale Produkte und Partner aus der Region Stuttgart.
„Bei uns wird in der Wurstbude vor Ort alles frisch für unsere Gäste zubereitet!“, erklärt Claudia Weeber-Barth.
Wenn die Stars Hunger bekommen
Auch Prominente gehören zum Publikum. Unter dem Motto „Stars zum Anbeißen!“ präsentiert die Wurstbude auf ihrer Website bekannte Gäste wie Leon Dajaku, DJ Robin, Kevin Kurányi, Otto und AlmKlausi.

Dabei machen die Weebers keinen Unterschied zwischen Prominenten und anderen Gästen. Jeder Star darf zwar gerne eine „Extrawurst“ bekommen – mehr wert sei er deshalb aber nicht. Vor der Theke sind alle gleich. Und am Ende stellt sich für jeden dieselbe Frage: Rote oder Currywurst?
Mehr als nur ein Imbiss
Auch optisch wollen die Weebers überzeugen. Beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt belegte der Familienbetrieb mit der Wurstbude in den drei Jahren vor 2025 laut offizieller Presseinformation jeweils den ersten Platz bei der Standprämierung. 2025 holte Armin Weeber mit seinem Crêpes-Stand den zweiten Platz.
Vom Wasen an den Neckar
2026 übernahmen Armin Weeber und Claudia Weeber-Barth das traditionsreiche Uferstüble in Ludwigsburg-Hoheneck. Der Biergarten am Neckar wurde behutsam weiterentwickelt. Neu sind unter anderem ein gestalteter Spielbereich, zusätzliche Veranstaltungsflächen und ein weiterentwickelter Beach-Bereich. Spezialitäten aus der Wurstbude finden ebenfalls ihren Weg auf die Speisekarte.
Damit hat die Familie neben der mobilen Gastronomie einen festen Standort geschaffen – und bringt gleichzeitig ein Stück Wasen an den Neckar.
Tradition, die sich verändert
Vielleicht liegt darin das Erfolgsgeheimnis der Familie Weeber. Tradition bedeutet für sie offenbar nicht, alles genauso zu machen wie die Generation davor. Auf die Schiffschaukel folgten Fahrgeschäfte und Gastronomie, später das große Festzelt. Heute gehören Wurstbude, Foodtrucks und Uferstüble zum Familienunternehmen.
Die Formen ändern sich, das Prinzip bleibt: Menschen zusammenbringen und ihnen ein besonderes Erlebnis bieten.
Wenn es am Ende einfach schmecken muss
Die Geschichte von Armin Weeber und Claudia Weeber-Barth zeigt, wie sich Schaustellerei verändern kann, ohne ihre Seele zu verlieren. Hinter einer vermeintlich einfachen Wurstbude stecken Generationen von Erfahrung, Mut zum Risiko und die Fähigkeit, sich immer wieder neu aufzustellen.
Eine Rote bleibt eine Rote, eine Currywurst eine Currywurst. Aber auf dem Wasen, zwischen Musik, Fahrgeschäften und Menschen, schmeckt sie eben nach ein bisschen mehr. Und inzwischen gilt das auch am Neckar: Hier geht es eben um die Wurst.
Text: Boris Mönnich
Fotocredits: Wurstbude

