Zwischen Rummelplatz und Neckarufer
Das Schaustellerleben ist geprägt von Bewegung, Begegnungen und der Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Für Claudia Weeber-Barth ist genau das weit mehr als ein Beruf – es ist eine Lebensphilosophie. Gemeinsam mit ihrem Mann Armin Weeber hat sie im März dieses Jahres den traditionsreichen Biergarten Uferstüble in Ludwigsburg-Hoheneck übernommen. Mit dem Schritt in die Gastronomie erfüllen sich die beiden einen lang gehegten Traum und schlagen gleichzeitig ein neues Kapitel in einer Familiengeschichte auf, die seit Generationen eng mit Volksfesten und Jahrmärkten verbunden ist.
Eine Familientradition mit jahrzehntelanger Geschichte
Sowohl Claudia Weeber-Barth als auch Armin Weeber stammen aus Familien, deren Leben seit Generationen auf den Festplätzen des Landes stattfindet. Bereits ihre Ururgroßeltern waren als Schausteller in ganz Deutschland unterwegs und legten damit den Grundstein für eine Tradition, die bis heute fortlebt.
Während Claudias Familie über viele Jahrzehnte hinweg spektakuläre Fahrgeschäfte wie Achterbahnen, Riesenräder oder Wilde Mäuse betrieb, ist der Name Weeber vor allem mit dem Cannstatter Volksfest verbunden. Dort gehörte Armin Weeber zu den Mitbegründern des bekannten Wasenwirts und trug maßgeblich dazu bei, das Festzelt über viele Jahre hinweg zu prägen.
Für Außenstehende wirkt das Schaustellerleben oft bunt und unbeschwert. Tatsächlich verlangt es jedoch ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatzbereitschaft. Ein fester Wohnort spielt häufig nur eine untergeordnete Rolle, stattdessen bestimmen Wohnwagen, Volksfeste und ständig wechselnde Einsatzorte den Alltag. Auch Claudia Weeber-Barth wuchs in dieser besonderen Welt auf – zwischen Kirmesplätzen, Internaten und einem Familienleben, das sich größtenteils unterwegs abspielte.
„Unsere schönsten, aber auch unsere schwierigsten Momente haben wir unterwegs erlebt“, erzählt sie. Gerade dieser außergewöhnliche Lebensstil habe die Familie eng zusammengeschweißt. Freundschaften entstanden auf den Festplätzen, gearbeitet wurde gemeinsam, und die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwammen oft.
Schaustellermentalität als Erfolgsrezept
Auch heute profitieren Claudia und Armin von den Erfahrungen, die sie über Jahrzehnte im Schaustellergewerbe gesammelt haben. Wer ständig unterwegs ist, lernt schnell, pragmatisch zu denken, Herausforderungen anzunehmen und flexibel zu reagieren. „Man muss für alles eine Lösung finden“, sagt Claudia Weeber-Barth.
Genau diese Einstellung hilft den beiden nun auch bei ihrer täglichen Arbeit im Uferstüble. Dass sie einmal einen Biergarten übernehmen würden, war allerdings keineswegs lange geplant. Das Ehepaar lebt selbst im Landkreis Ludwigsburg und gehörte schon seit Jahren zu den Stammgästen des Uferstübles. Mit den damaligen Betreibern entwickelte sich im Laufe der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis – und daraus schließlich die Möglichkeit, den beliebten Biergarten selbst weiterzuführen. „Eigentlich wollten wir irgendwann einmal etwas Festes aufbauen. Dass daraus gleich so ein besonderer Ort wird, hätten wir nie gedacht“, erinnert sich die Gastronomin.
Bewährtes bewahren und Neues schaffen
Seit der Übernahme im Frühjahr entwickelt das Ehepaar das Uferstüble Schritt für Schritt weiter. Dabei verfolgen Claudia und Armin keinen radikalen Neuanfang, sondern setzen bewusst auf eine behutsame Modernisierung, die den besonderen Charakter des Biergartens erhält.
So wurde der Spielbereich für Familien neugestaltet, zusätzliche Flächen für Veranstaltungen geschaffen und auch der Beach-Bereich soll künftig mit entspannter Musik und sommerlichem Flair noch stärker zum Treffpunkt und zum Place-to-be werden. Gleichzeitig werden viele Bereiche des Biergartens nach und nach modernisiert, ohne den Charme des traditionsreichen Standorts am Neckar zu verlieren.
Regionale Produkte stehen im Mittelpunkt
Ein besonderes Anliegen der neuen Betreiber ist die enge Verbundenheit zur Region. Deshalb stammen viele Zutaten und Produkte von heimischen Betrieben. Auch bei der Auswahl der Weine legen Claudia und Armin großen Wert auf Erzeugnisse aus Baden-Württemberg.
Statt auf Masse setzen sie bewusst auf Qualität. Davon profitieren auch die Gäste: Einige Spezialitäten aus der bekannten mobilen Wurstbude der Familie haben inzwischen ihren festen Platz auf der Speisekarte gefunden und zählen bereits zu den beliebtesten Angeboten des Biergartens.
Die Aufgaben sind dabei klar verteilt. Während Claudia Weeber-Barth für Gestaltung, Atmosphäre, Marketing und viele kreative Ideen verantwortlich ist und gleichzeitig weiterhin mit Deutschlands größter mobiler Wurstbude auf dem Stuttgarter Frühlingsfest und dem Cannstatter Volksfest vertreten ist, kümmert sich Armin um Technik, Organisation und Logistik. „Er sorgt dafür, dass alles läuft. Ich kümmere mich darum, wie es aussieht und wie es sich anfühlt“, sagt sie schmunzelnd.
Vom Wanderleben zur neuen Heimat
Nach Jahrzehnten auf Achse haben Claudia und Armin einen Ort gefunden, an dem sie dauerhaft ankommen können. Trotz der vielen Arbeit genießt Claudia Weeber-Barth immer wieder die besonderen Momente am Neckar. „Das Uferstüble ist einer der schönsten Flecken in Ludwigsburg“, sagt sie. „Manchmal fühlt es sich noch immer ein bisschen unwirklich an. Doch die Leichtigkeit, die dieses Ort ausstrahlt, ist mittlerweile unsere Heimat geworden.“

Dass der Start gelungen ist, führen beide nicht zuletzt auf ihr engagiertes Team zurück. Gerade in den ersten Monaten sei dessen Unterstützung von unschätzbarem Wert gewesen. „Ohne unsere tollen Mitarbeiter hätten wir das ganze wahrscheinlich nicht so schnell hinbekommen - und ganz sicherlich wären wir auch nicht so schnell in unserem neuen beruflichen Leben angekommen!“
Vielleicht beschreibt genau das den Wandel, den Claudia und Armin Weeber vollzogen haben. Die Bühne hat sich verändert, die Leidenschaft ist jedoch dieselbe geblieben. Früher waren es Festzelte, Fahrgeschäfte und Jahrmärkte, heute sind es Biergarten, Neckarufer und laue Sommerabende. Geblieben ist der Wunsch, Menschen eine schöne Zeit zu bereiten – ganz gleich, ob auf dem Volksfest oder unter schattigen Bäumen am Wasser.
Text Boris Mönnich
Fotocredits: Fotoquelle Tim Meyle / vibsmedia

