Der Name Roland Emmerich steht weltweit für spektakuläre Blockbuster und monumentale Katastrophenszenarien. Doch bei seinem Gesprächsabend im Schauspielhaus zeigte sich der Regisseur von einer ganz anderen Seite: ruhig, nachdenklich und erstaunlich persönlich.
Kein „Master of Disaster“
Im Gespräch mit Moderator Michael Steinbrecher in Kooperation mit SWR Kultur, sprach Emmerich nicht nur über seine Karriere in Hollywood, sondern auch über Politik, Krankheit, Liebe und die Zukunft des Films. Den oft verwendeten Titel „Master of Disaster“ mag er selbst übrigens nicht besonders. Statt großer Gesten dominierte an diesem Abend vielmehr ein leiser, reflektierter Ton.
Besonders deutlich wurde Emmerich bei seinem Blick auf die politische Lage in den USA. Den amerikanischen Präsidenten nannte er zwar nicht direkt beim Namen, kritisierte jedoch die aufgeheizte Stimmung und die zunehmende Angst der Filmstudios vor politischen Konsequenzen. Politische Filme seien in Hollywood schwieriger geworden.
Einblicke ins persönliche Leben einer Hollywood-Legende
Sehr offen sprach der Regisseur auch über seine Gesundheit. Er habe einen Hirntumor, Leukämie und Nierenkrebs überlebt und wolle deshalb weiterarbeiten, solange es möglich sei. Aktuell arbeite er an mehreren neuen Projekten, bei denen auch künstliche Intelligenz eine Rolle spiele. KI könne Produktionen unterstützen und günstiger machen, echte Schauspieler aber niemals ersetzen.
Immer wieder wurde der Abend auch persönlich. Emmerich erzählte von seinem Leben zwischen Los Angeles und London sowie von seinem Mann Omar, mit dem er seit vielen Jahren zusammen und seit 2017 verheiratet ist. Heute gehe er offen mit seiner Homosexualität um – etwas, das ihm früher schwergefallen sei, gerade im Umfeld großer Actionfilme.
Das Publikum erlebte keinen lauten Hollywood-Star, sondern einen eher zurückhaltenden Menschen, der mit wenigen Worten oft mehr sagte als andere mit langen Reden. Gerade diese Mischung aus Distanz und Offenheit machte den Abend im Schauspielhaus besonders.
Text Boris Mönnich
Fotocredits: „Björn Klein“

