Wenn Heinrich Del Core in seinen auffälligen roten Schuhen von den kleinen Katastrophen des Alltags berichtet, kommt einem unweigerlich der Gedanke: Das kann doch unmöglich wahr sein! Zu absurd, zu pointiert, zu perfekt für die Bühne – und doch ist alles genau so passiert. Denn Rottweiler mit den italienischen Wurzeln scheint ein besonderes Talent zu haben, die schrägsten Situationen magisch anzuziehen und sie anschließend mit trockenem Witz und liebevoller schwäbischer Selbstironie zu erzählen.

Nun steht ein neues Kapitel an: Heinrich Del Core ist Großvater geworden. Noch größer allerdings ist die Freude seiner Frau – sie wurde endlich Oma, ein Titel, dem sie seit Jahren entgegenfiebert. Mit dem Nachwuchs verändert sich plötzlich alles - davon erzählte der sympathische Kabarettist in der Markgröninger Stadthalle in seinem aktuellen Programm. Von einem Tag auf den anderen sieht sich Del Core mit Kinderwagen konfrontiert, die preislich früher einem Moped entsprochen hätten und heute eher einem Thermomix. Er installiert Baby-Apps auf dem Handy, rührt Teig für Oma-Kaffeerunden und fragt sich nebenbei, wie das alles so schnell gehen konnte.
„Opa“ klingt für Heinrich Del Core verdächtig nach Seniorenalter – und eigentlich fühlt er sich dafür noch viel zu jung. Gut, morgens meldet sich der Körper manchmal mit Geräuschen, die eher an einen Werkzeugkasten erinnern. Doch seine Frau beruhigt ihn zuverlässig: Er sei noch „knackig“. Sie selbst macht sich um das Älterwerden ohnehin keine Gedanken. Einmal hinterließ sie den Kindern lediglich einen Zettel mit der Nachricht: „Sind auf dem Friedhof.“ Heinrich ergänzte trocken: „Kommen aber wieder.“
Als wäre das nicht genug, stehen gleich zwei Hochzeiten ins Haus. Heinrich bekommt Schwiegersohn und Schwiegertochter – und muss sich auf etwas ganz Besonderes einstellen: eine vegane Hochzeit. Für ihn, den überzeugten Fleischliebhaber und langjährigen Junggesellen, eine echte Herausforderung. Darf man da noch Butter aufs Brot schmieren? Ist wirklich alles Käse – oder eben gerade nicht? Und darf man wenigstens noch sagen: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“?
Natürlich fehlten bei seinem Auftritt in Markgröningen auch die klassischen Del-Core-Geschichten nicht. Sobald bei ihm das Wort „Urlaub“ fällt, ist klar: Es wird schiefgehen. Wer rechnet schon damit, dass nachts plötzlich eine Schlange den Koffer bewacht? Skurriles lauert überall – an der Käsetheke, im Schlafzimmer oder in den Aufsätzen von Grundschulkindern. Dazu kommen nächtliche Kämpfe um Bettdecken, eiskalte Füße und das Phänomen des Schnarchens, das in Lautstärke und Luftdruck locker mit einem Laubbläser mithalten kann. Kein Wunder also, dass viele Paare getrennt schlafen – manchmal ist Flucht die einzige Lösung. Und zwar ganz und gar unromantisch.
Trotz all dieser Umbrüche waren sich die Fans in Markgröningen einig: Dieser Abend war ein typischer Heinrich-Del-Core-Abend: witzig, nachdenklich und schwäbisch sympathisch. Oder wie er selbst es auf den Punkt brachte: „Meine Frau ist jetzt Oma – aber ich bleib der Alte.“

Fotocredits: Boris Mönnich / Candumedia

