13. Juli 2026 / Boris Mönnich für Stuttgart

Felix Sturm verliert seinen letzten Kampf – und beendet eine große Boxkarriere

Emotionaler Abschied in Stuttgart: Felix Sturm unterliegt Granit Stein nach Punkten und beendet seine Karriere nach 56 Profikämpfen.

Veröffentlicht am 13. Juli 2026 um 09:38 Uhr

Felix Sturm: One last Dance im Ring

Ein letztes Mal betrat Felix Sturm am 11. Juli die große Bühne. In der nicht ausverkauften Porsche-Arena in Stuttgart endete die beeindruckende Karriere des fünffachen Box-Weltmeisters allerdings anders, als es sich viele Fans erhofft hatten. Statt eines triumphalen Abschieds musste sich der 47-Jährige dem 14 Jahre jüngeren Granit Stein nach Punkten geschlagen geben.

Schon vor dem Hauptkampf hatte Sturm betont, dass sich ein frühes Erscheinen lohnen würde. „Wer erst zum Hauptkampf erscheint, verpasst einen großen Teil des Abends.“ Tatsächlich entwickelte sich die Veranstaltung zu einem hochklassigen Boxevent, das weit mehr zu bieten hatte als den emotionalen Abschied seines Hauptdarstellers.

Bereits die Vorkämpfe überzeugten mit einer Reihe vielversprechender Talente. Boxer wie Ilias Benlamlih, Malek Semmo, Mert Caliskan, Elvir Sendro und Gianni Dedic nutzten die große Bühne, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Gemeinsam mit weiteren Nachwuchsprofis sorgten sie für einen abwechslungsreichen Abend und zeigten, dass die Zukunft des deutschen Boxsports viel Potenzial bereithält.

Prominenten Besuch gab es ebenfalls: Schauspieler Florian Munteanu, der als Viktor Drago aus „Creed 2 – Rocky’s Legacy“ weltweit bekannt wurde, reiste eigens aus den USA nach Stuttgart an. Für ihn war der Abschiedskampf eine Herzensangelegenheit. „Die Karriere von Felix Sturm hat mich auf meinem Weg zum Erwachsenwerden begleitet und war immer eine große Inspiration!“, verriet der 35-Jährige.

 


Im Mittelpunkt stand jedoch das Duell zwischen Erfahrung und Ehrgeiz. Während Felix Sturm ein letztes Kapitel seiner außergewöhnlichen Karriere schreiben wollte, witterte Granit Stein die Chance, sich mit einem Sieg gegen eine deutsche Box-Ikone endgültig einen Namen zu machen.


Von Beginn an machte der 33-Jährige aus Ingolstadt deutlich, dass er nicht als Statist in den Ring gestiegen war. Mit hohem Tempo und permanentem Vorwärtsdrang setzte Stein den ehemaligen Weltmeister unter Druck und begeisterte mit seiner offensiven Kampfführung. Sturm hielt mit seiner großen Routine dagegen, boxte technisch sauber, zeigte starke Reflexe und landete immer wieder präzise Treffer. Dennoch werteten die Punktrichter die höhere Aktivität des Herausforderers letztlich als ausschlaggebend und sprachen Granit Stein den Sieg zu.

Für Felix Sturm war es erst die siebte Niederlage seiner langen Profilaufbahn. Insgesamt bestritt er 56 Kämpfe – weitere werden nach eigenen Angaben nicht mehr folgen.

Nach seinem größten Karriereerfolg richtete Granit Stein zunächst Worte an seinen prominenten Gegner. „Danke an Felix, dass er sich getraut hat, seinen letzten Kampf gegen mich zu bestreiten“, sagte Stein unter den Buhrufen des Publikums: „Er wusste, dass man bei mir auf Granit beißen kann.“

Auch wenn die Enttäuschung über den Ausgang des Kampfes spürbar war, blickte Felix Sturm mit Stolz auf seine Laufbahn zurück. „Man wünscht sich einen anderen Abgang, aber so ist nunmal das Leben, Gott bestimmt etwas, und wir leben damit. Wenn man bei Siegen feiern kann, dann muss man auch Niederlagen wegstecken können. Am Ende zählt nur eine Sache: Ich hatte eine tolle Karriere, jetzt will ich nur noch Champion für meine Familie sein. Das Leben geht weiter, ich freue mich auf das, was kommt.“

Dass dieser Kampf tatsächlich sein letzter sein würde, daran ließ der ehemalige Weltmeister keinen Zweifel. Seiner Familie habe er das Karriereende „versprochen“ – und dieses Versprechen wolle er einhalten. „Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann – dazu gehören Charakter und das eigene Wort.“

Unter dem Motto „One Last Dance“ wurde der Abschied des Ausnahmesportlers emotional inszeniert. Schon vor dem ersten Gong war allerdings vielen Beobachtern klar, dass Granit Stein alles andere als ein leichter Gegner sein würde. Der Ingolstädter ging mit einer Bilanz von 20 Siegen aus 23 Profikämpfen in den Ring und bestätigte eindrucksvoll seinen Ruf als kompromissloser Angriffsboxer – ausgerechnet an dem Abend, der eigentlich ganz Felix Sturm gehören sollte.

Text Boris Mönnich

Fotocredits Andreas Engelhard

Meistgelesene Artikel

Geburtstag mit Herz: Marc Wenger feiert mit 150 Gästen und sammelt Spenden für den guten Zweck
Lifestyle & Trends

150 Gäste, Spitzenküche und bewegende Momente: Marc Wenger verzichtete auf Geschenke und machte seinen Geburtstag zu einem Fest der Solidarität.

weiterlesen...
Gigant am Himmel: Antonov An-124 transportiert 80-Tonnen-Rotor von Stuttgart nach Malaysia
Stuttgart - Online

Spektakulärer Einsatz am Flughafen Stuttgart: Eine Antonov An-124 brachte einen 80 Tonnen schweren Generator-Rotor zurück nach Malaysia.

weiterlesen...
One Last Dance: Felix Sturm steigt in Stuttgart zum letzten Mal in den Ring
Veranstaltungen

Boxlegende Felix Sturm verabschiedet sich am 11. Juli in der Porsche-Arena mit seinem letzten Profikampf von den Fans.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Kurze Pause vor der nächsten Hitze - 36 Grad am Wochenende
Aus aller Welt

Am Samstag und Sonntag wird es in weiten Teilen Deutschlands wieder heiß. Und auch die nächste Woche bringt kaum Abkühlung.

weiterlesen...
Sächsische Schweiz nach Unwetter teilweise gesperrt
Aus aller Welt

Nach dem tödlichen Unwetter in der Sächsischen Schweiz dürfen Teile des Nationalparks nahe der berühmten Felsformation Bastei nicht betreten werden. Warum noch immer Lebensgefahr besteht.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Frl. Wommy Wonder begeistert mit neuer Sommershow „Alles muss raus!“ im Theaterhaus Stuttgart
Boris Mönnich für Stuttgart

Mit neuen Songs, bissigem Humor und viel Gefühl startet Frl. Wommy Wonder im Theaterhaus Stuttgart in die Sommershow „Alles muss raus!“.

weiterlesen...
Vom Schaustellerleben zum Biergarten: Claudia und Armin Weeber verwirklichen ihren Traum am Neckar
Boris Mönnich für Stuttgart

Mit dem Uferstüble in Ludwigsburg-Hoheneck schlagen Claudia und Armin Weeber ein neues Kapitel auf – mit Tradition, Regionalität und viel Herz.

weiterlesen...