Es läuft bei der Deutschen Bahn. Also irgendwie.
Man muss der Deutschen Bahn eines lassen: Sie schafft es immer wieder, die Erwartungen zu unterbieten. Und das ist in einem Land, das für seine Ingenieurskunst weltberühmt ist, durchaus eine bemerkenswerte Leistung.
Nehmen wir nur Stuttgart 21. Das Projekt sollte einst zeigen, was Deutschland kann: modern, effizient, zukunftsweisend. Heute zeigt es vor allem, was Deutschland ebenfalls kann: Bauzeiten dehnen wie Kaugummi. Wer damals zur Grundsteinlegung ein Baby bekommen hat, kann mittlerweile vermutlich mit diesem Kind gemeinsam den Führerschein machen, bevor der Bahnhof vollständig fertig ist.
Doch warum sollte man sich auf ein einzelnes Problem konzentrieren, wenn man gleich mehrere gleichzeitig haben kann? Während in Stuttgart weiter gebaut, verschoben und nachkalkuliert wird, verwandeln sich Züge und S-Bahnen bei sommerlichen Temperaturen regelmäßig in mobile Saunalandschaften. Klimaanlagen verabschieden sich zuverlässig genau dann, wenn man sie am dringendsten braucht. Das hat natürlich auch Vorteile: Wer sich den Wellnessurlaub nicht leisten kann, bekommt auf der Heimfahrt kostenlos eine Dampfbehandlung. Nur die Aufgüsse fehlen noch.
Und dann wäre da noch der bundesweite Totalausfall am späten Dienstagabend des 23. Juni. Der Grund: Probleme mit der Funktechnik. Funktechnik! Ein Wort, das klingt, als hätte es jemand direkt aus den 1980er-Jahren in die Gegenwart gebeamt. Während andere Länder über künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Hochgeschwindigkeitsnetze diskutieren, kämpft Deutschlands größter Mobilitätskonzern offenbar mit Technologien, die möglicherweise noch Faxgeräte als junge Innovation erlebt haben.
Natürlich kann immer mal etwas kaputtgehen. Das passiert. Aber wenn Großprojekte nicht fertig werden, Klimaanlagen bei Hitze regelmäßig ausfallen und zentrale Kommunikationssysteme bundesweit schlappmachen, entsteht irgendwann der Eindruck, dass hier nicht einzelne Pannen passieren, sondern ein Gesamtkonzept verfolgt wird.
Vielleicht verstehen wir die Bahn einfach falsch. Vielleicht ist Unzuverlässigkeit gar kein Fehler, sondern Teil des Erlebnisses. Eine Art Überraschungsprogramm für Fahrgäste. Wird der Zug pünktlich sein? Funktioniert die Klimaanlage? Kommt man überhaupt ans Ziel? Niemand weiß es. Jede Reise wird zum Abenteuer. Andere zahlen viel Geld für Escape Rooms – Bahnreisende bekommen den Nervenkitzel gratis.
Und dennoch bleibt die Deutsche Bahn erstaunlich optimistisch. Immer wieder gibt es neue Versprechen, neue Zeitpläne und neue Verbesserungsprogramme. Das erinnert ein wenig an einen Fußballverein, der seit Jahren gegen den Abstieg kämpft und trotzdem vor jeder Saison von der internationalen Spitze spricht.
Aber vielleicht sollten wir nicht so kritisch sein. Schließlich gibt es auch Dinge, die bei der Bahn zuverlässig funktionieren. Die Pressemitteilungen zum Beispiel. Die kommen fast immer pünktlich.
Tja. Es läuft bei der DB. Nur leider meistens nicht auf den Schienen.
Boris Mönnich
Fotocredits: KI generiert

