22. November 2025 / Boris Mönnich für Stuttgart

Die Könige der Straße – und ihr stiller Kampf gegen den Radweg

Wenn Radwege leer bleiben und Radler die Straße erobern, wird der Morgenverkehr zum Nervenkitzel zwischen Hupen, Mutproben und Moral.

Die Könige der Straße

Es ist ein sonniger Tag, der Radweg ist frei, breit, glatt wie ein Kinderpopo – und völlig überflüssig. Denn echte Radfahrer fahren auf der Straße. Mitten drauf. Neben der SUV-Karawane. Zwischen hupenden Pendlern und genervten Busfahrern. Warum auch diesen eigens für sie gebauten, oft millionenschwer sanierten Sonderweg benutzen, wenn man stattdessen die Nerven der gesamten motorisierten Bevölkerung mal so richtig durchkneten kann?

Vielleicht ist es ein Statement. Eine Art ziviler Ungehorsam gegen die Infrastruktur. Oder einfach der Adrenalinkick: Wie dicht kann ein Außenspiegel an meinem Ellbogen vorbeiziehen, ohne dass es kracht? Natürlich fahren sie nicht aus Versehen auf der Straße. Nein, sie wollen gesehen werden. Und gehört. Und bejubelt. Oder wenigstens leicht angehupt. Schließlich ist es ein stiller Protest gegen alles: den Autowahn, die Gesellschaft, den Kapitalismus – oder einfach gegen gesunden Menschenverstand.

     

Und das Schönste: Sie fühlen sich dabei moralisch überlegen. Denn sie retten ja die Welt – Tritt für Tritt, Pedalumdrehung für Pedalumdrehung. Während du im Auto CO2 in die Luft bläst, pflügen sie sich mit ihren Waden aus Stahl durch die Abgasschwaden und werfen dir Blicke zu, die irgendwo zwischen Heiligenschein und Märtyrertum liegen.

Und wehe, man wagt es, das Fenster herunterzukurbeln und eine kleine Frage zu stellen wie: „Warum gibt’s eigentlich den Radweg?“ – dann kommt die volle Breitseite. Von Rücksichtslosigkeit, Umweltzerstörung bis hin zur Forderung, Autos generell zu verbannen. Klar, das ganze System muss weg – aber bis dahin reicht es erstmal, wenn du mit 30 im zweiten Gang hinter ihnen herzuckelst. Doch hey: Ohne solche Menschen wäre der Morgenverkehr nur halb so spannend. Ein bisschen Nervenkitzel gehört schließlich dazu. Wer braucht schon Kaffee, wenn man stattdessen täglich Puls 180 dank Radfahrer-Slalom hat? Und während der Radweg friedlich vor sich hin verstaubt, treten sie mit heroischer Entschlossenheit dem Verkehr auf der Straße entgegen. Danke dafür. Wirklich.

Boris Mönnich

Fotocredits: Pexels / KI

Meistgelesene Artikel

🔥 Lenny Kravitz rockt Stuttgart! Jazz Open 2026 mit Mega-Line-up komplett 🔥
Veranstaltungen

Lenny Kravitz kommt! Die Jazz Open Stuttgart 2026 versprechen legendäre Nächte – jetzt Tickets sichern, bevor alles ausverkauft ist!

weiterlesen...
✨ KIWANIS KULINARIUM – Ein Abend, der Herzen nährt
Veranstaltungen

Genuss, Glamour und gelebte Nächstenliebe: Das KIWANIS KULINARIUM vereint Kulinarik und Charity für Kinder in Not.

weiterlesen...
Genussvoller Auftakt: Taste 12 Stuttgart startet mit der Edition 2026 im Schloss Solitude 🎉🍷
Lifestyle & Trends

Stilvoller Genussabend im Schloss Solitude: Taste 12 Stuttgart feiert den Start der neuen Edition 2026 mit Wein, Käse & Lebensfreude.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Lebensmitteltafeln melden mehr ehrenamtliche Helfer
Aus aller Welt

77.000 Helfer packen bei den Tafeln an – doch ein Drittel der Einrichtungen sucht weiter dringend Unterstützung. Warum trotz zusätzlicher Helfer die Lage angespannt bleibt.

weiterlesen...
Auf den Straßen kann es glatt werden
Aus aller Welt

Örtlich Frost, Glätte und Sichtweiten unter 150 Meter: Auf was sich Autofahrer in der Nacht und am Freitagmorgen einstellen müssen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Harald Wohlfahrt Palazzo feiert 20 Jahre Glanz auf dem Wasen
Boris Mönnich für Stuttgart

Ein Jubiläum voller Genuss und Bühnenzauber: Stuttgart erlebt die 20. Spielzeit im funkelnden Spiegelpalast.

weiterlesen...
Funkelzauber in der Wilhelma: Christmas Garden Stuttgart eröffnet
Boris Mönnich für Stuttgart

Der Christmas Garden Stuttgart verzaubert die Wilhelma mit über 30 neuen Lichtinstallationen und lädt bis Januar 2026 zu magischen Spaziergängen ein.

weiterlesen...