Ist das Handwerk wirklich so?
Handwerk ist schmutzig, einfache Arbeit und bietet kaum Perspektiven. Wirklich? Zur bundesweiten Woche der Ausbildung vom 24. bis 28. März 2025 nehmen wir gängige Vorurteile unter die Lupe – gemeinsam mit denen, die es wissen müssen: Handwerkerinnen und Handwerkern aus der Region Stuttgart.
Vorurteil 1: Handwerk ist vor allem eins – harte Arbeit ohne geistige Herausforderungen.
„Ganz im Gegenteil!“, sagt Sarah Jetter, Elektrikerin für Energie- und Gebäudetechnik im dritten Lehrjahr aus Steinheim an der Murr. Besonders bei der Arbeit mit Strom heißt es: Mitdenken! Logisches Denken, mathematisches und physikalisches Knowhow sind für ihre Arbeit essenziell. Neben handwerklicher Tätigkeit wie Schlitze fräsen oder Löcher bohren programmiert sie auch Steuerungssysteme und führt komplexe Messungen durch. "Die Abwechslung macht den Job so spannend!", begeistert sich die 19-Jährige.

Tatsache ist: Handwerk ist längst digital! Dachdecker setzen Drohnen ein, Optiker designen Brillen per 3D-Druck und Handwerksbetriebe nutzen moderne Trackingsysteme für ihre Ausstattung. „Die technologische Entwicklung macht Handwerksberufe anspruchsvoller und innovativer als je zuvor“, erklärt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Vorurteil 2: Wer kreativ sein will, sollte lieber studieren.
Fabian Schöllhammer, Installateur-, Heizungsbau- und Klempnermeister aus Nürtingen, wollte einst Grafikdesigner werden – doch dann entdeckte er das Handwerk als kreative Spielwiese. Heute plant er Bäder, kreiert harmonische Raumkonzepte und gestaltet Fassaden. "Materialien, Farben, Licht – alles fließt in meine Arbeit ein. Gestaltung ist im Handwerk allgegenwärtig!", sagt der 38-Jährige.

Das kann auch Sophia Thiem, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerin aus Schlierbach, bestätigen. „Mosaike legen erfordert Kreativität und gestalterisches Geschick“, so die 19-Jährige. Neben der praktischen Umsetzung spielt auch Farbenlehre eine Rolle – sie liebt es, aus Materialien echte Kunstwerke zu erschaffen.

Tatsache ist: Handwerkerinnen und Handwerker sind Gestalter! Sie entwerfen Möbel, Mode oder ganze Bauwerke, setzen Kundenwünsche in Designs um und entwickeln kreative Lösungen für komplexe Herausforderungen. „Kreatives Denken ist im Handwerk ein Muss!", bestätigt Kammerchef Peter Friedrich.
Vorurteil 3: Manager wird nur, wer studiert.
„Auf keinen Fall!", sagt Michaela Hubrig, Maler- und Lackiermeisterin, Gerüstbaumeisterin und staatlich geprüfte Betriebsmanagerin. Als Chefin des Familienbetriebs in Dürnau ist sie nicht nur Managerin, sondern auch Macherin: Sie entwickelt Strategien, führt ihr Team und plant Projekte – und das alles mit direktem Praxisbezug.
Auch Markus Rockenstein, Installateur- und Heizungsbaumeister aus Stuttgart-Plieningen, sieht sich als Manager. Vom Kundenkontakt über Personalplanung bis hin zu Marketingentscheidungen verantwortet er alle Unternehmensbereiche. Seinen Karriereweg beschreibt er als pragmatisch: „Nach der Ausbildung habe ich Berufserfahrung gesammelt und dann den Meister gemacht – schon war ich bereit für die Chefrolle!"

Tatsache ist: Im Handwerk führt die Karriereleiter schnell nach oben. Nach der Gesellenprüfung kann man sich zum Meister weiterbilden und so in führende Positionen aufsteigen – bis hin zur Selbstständigkeit. „Wer will, kann im Handwerk sein eigener Chef werden und Verantwortung übernehmen", sagt Peter Friedrich.
Jetzt Handwerk erleben!
Wer neugierig geworden ist, kann das Handwerk hautnah erleben: Beim Girls‘Day am 3. April oder während der Praktikumswochen vom 31. März bis 25. April haben Interessierte die Chance, einen Handwerksberuf kennenzulernen.
„Das Handwerk ist vielseitig, innovativ und zukunftssicher – und für jedes Talent ist etwas dabei!", ist Kammerchef Peter Friedrich überzeugt. Probier es aus und finde deinen Weg ins Handwerk!
Eine Übersicht der Ausbildungsberufe finden Sie hier: www.hwk-stuttgart.de/berufe
Weitere Informationen: www.hwk-stuttgart.de/berufsorientierung
Bildnachweis: amh-online.de/Sascha Schneider

