KI kommt in Stuttgarter Klassenzimmer: Stuttgart und Universität Tübingen starten Kooperation
Drei Jahre lang wollen Stuttgart und die Universität Tübingen gemeinsam erforschen, wie Künstliche Intelligenz den Unterricht unterstützen kann. Adaptive Lernsysteme sollen an Stuttgarter Schulen unter realen Bedingungen erprobt werden.
Künstliche Intelligenz soll künftig noch stärker Einzug in den Unterricht an Stuttgarter Schulen halten. Die Landeshauptstadt Stuttgart und die Universität Tübingen haben dafür am Montag, 14. September 2026, eine auf drei Jahre angelegte Kooperationsvereinbarung geschlossen.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung im Stuttgarter Rathaus von Bürgermeisterin Isabel Fezer und dem Kanzler der Universität Tübingen, Dr. Andreas Rothfuß. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aktuelle Erkenntnisse aus der Bildungsforschung möglichst schnell in den Schulalltag übertragen werden können – und welche Erfahrungen aus den Klassenzimmern wiederum für die Forschung wichtig sind.
Lernsysteme sollen sich an Schülerinnen und Schüler anpassen
Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit sind sogenannte adaptive Lernsysteme. Dabei handelt es sich um digitale Programme, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erkennen können, welche Inhalte Schülerinnen und Schüler bereits beherrschen und wo noch Lernbedarf besteht.
Auf dieser Grundlage können Aufgaben, Lerntempo oder Erklärungen individuell angepasst werden. Gerade angesichts unterschiedlichster Lernstände und Voraussetzungen soll damit eine stärker personalisierte Unterstützung im Unterricht möglich werden.
„Niemand reagiert so schnell auf die Ergebnisse der PISA-Studie wie wir“, erklärte Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer bei der Unterzeichnung. Die unterschiedlichen Voraussetzungen, Lernstände und Stärken von Schülerinnen und Schülern stellten Schulen vor große Herausforderungen. Adaptive Lernsysteme könnten dabei helfen, Lernangebote stärker auf den individuellen Bedarf auszurichten.
Forschung trifft auf Schulalltag
Für die Kooperation arbeiten das Schulverwaltungsamt Stuttgart und das Tübingen Center for Digital Education (TüCeDE) der Universität Tübingen zusammen.
Das Schulverwaltungsamt bringt dabei vor allem den direkten Zugang zu den Stuttgarter Schulen und die Erfahrungen aus der digitalen Schulentwicklung ein. Die Universität steuert ihre wissenschaftliche Expertise zur Entwicklung und Erforschung KI-gestützter Lernsysteme bei.
Die neuen Anwendungen sollen nicht nur theoretisch untersucht werden. Stuttgarter Schulen sollen ausgewählte Systeme direkt im Unterricht testen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten die Projekte und werten die Erfahrungen gemeinsam mit den Lehrkräften aus.
Für Universitätskanzler Dr. Andreas Rothfuß ist die Kooperation deshalb auch ein Beispiel dafür, wie Forschung unmittelbar in die Praxis übertragen werden kann.
Vier Bereiche stehen im Mittelpunkt
Die Zusammenarbeit umfasst mehrere konkrete Handlungsfelder:
Adaptive Lernsysteme:
An Stuttgarter Schulen sollen digitale Lernprogramme aus Forschungsprojekten des TüCeDE unter realen Unterrichtsbedingungen erprobt werden.
Forschung und Abschlussarbeiten:
Studierende der Universität Tübingen können sich in Abschlussarbeiten und Forschungsprojekten mit konkreten Fragestellungen des Stuttgarter Schulverwaltungsamts beschäftigen. Dabei geht es beispielsweise darum, wie KI-Anwendungen datenschutzkonform im Unterricht eingesetzt werden können.
Neue Unterrichtskonzepte:
Lehrkräfte sollen gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Konzepte für den Einsatz von KI im Unterricht entwickeln. Ein mögliches Beispiel ist der reflektierte Einsatz von Chatbots beim Schreiben und Überarbeiten von Texten im Deutschunterricht. Die daraus entstehenden Materialien sollen anschließend möglichst frei zur Verfügung gestellt werden.
Beratung bei KI-Fragen:
Die Universität soll das Schulverwaltungsamt außerdem bei fachlichen Fragen rund um Künstliche Intelligenz unterstützen. Dazu gehört auch die Einschätzung, welche KI-Werkzeuge für den schulischen Einsatz geeignet sind.
Erfahrungen aus Stuttgarter Schulen fließen in die Forschung ein
Die Kooperation soll dabei nicht auf einzelne Projekte beschränkt bleiben. Vorgesehen ist auch ein regelmäßiger Austausch über bestehende Stuttgarter KI-Initiativen.
Dazu gehört unter anderem die KI School, ein Pilotprojekt am Königin-Charlotte-Gymnasium Stuttgart, sowie das städtische KI-Netzwerk.
Ein jährliches gemeinsames Steuerungsgespräch soll die weitere Zusammenarbeit begleiten. Einzelne Vorhaben können zusätzlich in eigenen Vereinbarungen konkretisiert werden.
Ziel: KI sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen
Mit der Kooperation wollen Stuttgart und die Universität Tübingen die digitale Entwicklung an Schulen wissenschaftlich begleiten. Dabei geht es nicht allein darum, neue technische Möglichkeiten auszuprobieren.
Entscheidend ist vielmehr die Frage, welchen konkreten Mehrwert KI für den Unterricht bringen kann – und unter welchen Bedingungen solche Systeme sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll eingesetzt werden können.
Für Stuttgarter Schulen könnte damit in den kommenden drei Jahren ein praxisnahes Testfeld entstehen, in dem neue KI-Anwendungen direkt im Unterricht erprobt und gemeinsam mit Lehrkräften weiterentwickelt werden.
Text: M.C. Alten-Siegl
Fotocredits: Universität Stuttgart / Alexander Ries

