Am Dienstagabend, den 20. Mai 2025, fand im Stuttgarter Pub „Alte Schule“ im Rahmen der Diversity-Woche eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Man(n) kann auch anders – männliche Rollenbilder im Wandel“ statt. Eingeladen waren Alexander Wehrle (Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart), Kabarettist Christoph Sonntag sowie Alexander Stotkiewitz vom Referat Gleichstellung im Sozialministerium Baden-Württemberg. Moderiert wurde die Veranstaltung von Simon Hameister von der Abteilung für Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart.
Emotionen im Profisport – Ein Tabu fällt
Den Auftakt der Diskussion machte Alexander Wehrle, der auf die Veränderungen im Profisport aufmerksam machte: „Das Bild des harten, unnahbaren Mannes bröckelt zunehmend“, so Wehrle. Er schilderte eindrucksvoll, wie Spieler heute Emotionen zeigen – sei es durch Freudetränen wie bei Maxi Mittelstädt oder durch Angsttränen wie bei Angelo Stiller, der wegen einer Verletzung um seinen Platz im Kader bangte. Für Wehrle ist klar: „Männer dürfen Emotionen zeigen und auch mal loslassen – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Menschlichkeit.“

Alte Rollenbilder – neue Herausforderungen
Christoph Sonntag brachte mit gewohntem Humor und Tiefgang einen intergenerationalen Blick ein. Er verglich heutige Männlichkeitsvorstellungen mit denen früherer Generationen, etwa jener seines Schwiegervaters. „Das Bild vom starken, wortkargen Ernährer ist tief verankert, aber überholt“, so Sonntag. Besonders betonte er, dass seine Stiftung dieses Thema künftig stärker aufgreifen wolle. Gleichzeitig äußerte er Bedenken, dass junge Männer aus anderen Kulturkreisen oft ganz andere Rollenbilder und Demokratieverständnisse mitbringen – hier müsse man „viel früher und differenzierter ansetzen“.
Sonntag formulierte pointiert: „Frauen haben die Diplomatie in der Hand“, und verwies damit auf das Potenzial weiblicher Kommunikations- und Konfliktlösungsstile als gesellschaftliches Vorbild.
Gleichstellung leben – auch in der Familie
Alexander Stotkiewitz brachte eine persönliche Perspektive ein: Als junger Vater teilte er sich die Elternzeit gleichberechtigt mit seiner Frau. „Ein halbes Jahr ich, ein halbes Jahr sie – das war für uns selbstverständlich“, erklärte er. Damit wolle er nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Zeichen setzen, dass Gleichstellung gelebt werden kann – auch von Männern.
Fazit: Der Mann von heute – emotional, empathisch, partnerschaftlich
Die Diskussion machte deutlich, dass sich das Rollenbild des Mannes im Wandel befindet – und dieser Wandel längst im Alltag angekommen ist. Ob im Profisport, in der Familie oder im gesellschaftlichen Diskurs: Der „neue Mann“ ist nicht mehr das Alpha-Tier oder der unnahbare Macher, sondern ein empathischer, emotionaler und partnerschaftlich denkender Mensch.
Fazit der Veranstaltung:
Die junge Generation engagierter Männer begegnet dem Thema Männlichkeit mit mehr Offenheit und Reflexion als frühere Generationen. Der „globale Mann“ von heute ist aufgeschlossen, zeigt Gefühle und übernimmt Verantwortung – nicht nur im Beruf, sondern auch in der Care-Arbeit und im gesellschaftlichen Miteinander. Eine chancengerechte Gesellschaft braucht diese Vielfalt männlicher Lebensentwürfe – und Veranstaltungen wie diese tragen dazu bei, das Gespräch darüber zu fördern.
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