15. September 2025 / Aus aller Welt

Wie die ältesten Mumien der Welt entstanden

Nicht nur in Ägypten entstanden aus Menschen Mumien. In bestimmten Regionen kamen dabei nicht Sand oder spezielle Substanzen, sondern Hitze und Rauch von Feuern zum Einsatz.

Dieser Fund soll älter als 9.000 Jahre sein.
Veröffentlicht am 15. September 2025 um 21:01 Uhr

Einbalsamierte Pharaonen, teure Grabbeigaben, riesige Pyramiden: Bei Mumien denken die meisten Menschen wohl zuerst an die ägyptischen. Mehr zum Schaudern – und außerdem weitaus älter – sind sogenannte Räuchermumien aus Südostasien. Bis zu 12.000 Jahre alt seien diese ältesten bekannten Beweise für die gezielte Mumifizierung von Menschen, berichtet ein Forschungsteam im Fachmagazin «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

Es handelt sich dabei um Mumien von Jägern und Sammlern, konserviert durch das Räuchern über Feuer über einen längeren Zeitraum hinweg. Anders als ägyptische Mumien wurden die Körper nicht liegend, sondern hockend oder gebeugt – teils eng verschnürt – bestattet, und weisen vielfach Spuren von Verbrennungen auf. Mit den konservierten Überresten von Verstorbenen hätten die Menschen physische und spirituelle Verbindungen zu ihren Vorfahren aufrechterhalten können.

Ähnliche Praktiken gibt es bis heute

Ähnliche Rituale fänden sich noch heute bei einigen indigenen Gesellschaften im Hochland von Neuguinea und Australien, erläutert das Team um Hsiao-chun Hung von der Australian National University in Canberra. Offenbar hätten bestimmte kulturelle Überzeugungen und Bestattungspraktiken über 10.000 Jahre lang in Jäger- und Sammlergemeinschaften fortbestanden.

Mumifizierung war bisher vorwiegend aus trockenen Klimazonen bekannt: Die Chinchorro in Chile konservierten ihre Toten bereits vor 7.000 Jahren in der Atacama-Wüste, die Ägypter entwickelten vor etwa 4.500 Jahren ihre berühmten Einbalsamierungen von Pharaonen und konservierten Körper zudem in heißem Wüstensand. In den eher feuchten Monsunregionen Südostasiens wäre eine solche Trocknung kaum möglich.

An den Leichen wurde rumgeschnippelt

Bewohner von Regionen im heutigen Südchina, Vietnam, Laos, Malaysia und Indonesien nutzten daher einst Rauch und kontrollierte Hitze, wie es in der Studie heißt. Einbezogen wurden Mumien aus 95 archäologischen Stätten im südostasiatischen Raum. Bei den Untersuchungen stießen die Wissenschaftler auf Schnittspuren an Knochen, die auf gezielte Eingriffe etwa zum Beugen von Körperteilen oder Ablassen von Flüssigkeiten hinwiesen.

In einigen Fällen gebe es auch Spuren, die auf eine rituelle Entnahme kleiner Fleischstücke deuteten. Das wiederum könne ein Zeichen für komplexe Bestattungstraditionen mit rituellen Interaktionen mit dem Körper sein. «Unsere Ergebnisse unterstreichen eine tiefe und dauerhafte biologische und kulturelle Kontinuität, die alte Jäger- und Sammlervölker in Südostasien mit heutigen indigenen Gemeinschaften in Neuguinea und Australien verbindet.»


Bildnachweis: © Yousuke Kaifu;Hirofumi Matsumura/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Lifestyle Night 2026: Stuttgarts exklusivste Nacht über den Dächern der City
Lifestyle & Trends

Am 6. Juni wird Stuttgart zur Bühne für Luxus, Networking und Genuss – bei der Lifestyle Night in exklusiver Penthouse-Location.

weiterlesen...
„30 Jahre 0711“: Hip-Hop-Geschichte explodiert auf dem Schlossplatz
Musik Szene Stuttgart

SWR3 feiert „30 Jahre 0711“ in Stuttgart: Massive Töne & Stars liefern Kopfnicker-Jam für die Hip-Hop-Geschichte.

weiterlesen...
Bayern gewinnt Pokalfinale gegen Stuttgart – VfB kämpft bis zum Schluss
Sport

m DFB-Pokalfinale unterliegt der VfB Stuttgart dem FC Bayern München nach intensivem Spiel in Berlin – starke VfB-Leistung bleibt unbelohnt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Saarländer schwimmt in Rekordzeit um Manhattan
Aus aller Welt

Durch unzählige Gewässer ist Andreas Waschburger schon geschwommen. Dabei hat er zahlreiche Medaillen gesammelt. Jetzt hat er ein ganz besonderes Rennen absolviert - und das ganz besonders schnell.

weiterlesen...
Widmung von Albert Einstein in Dortmund aufgetaucht
Aus aller Welt

Eine kleine Widmung und eine Riesen-Überraschung: In einer Literatursammlung, die der Dortmunder Uni-Bibliothek überlassen wurde, finden sich Zeilen von Albert Einstein.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Saarländer schwimmt in Rekordzeit um Manhattan
Aus aller Welt

Durch unzählige Gewässer ist Andreas Waschburger schon geschwommen. Dabei hat er zahlreiche Medaillen gesammelt. Jetzt hat er ein ganz besonderes Rennen absolviert - und das ganz besonders schnell.

weiterlesen...
Widmung von Albert Einstein in Dortmund aufgetaucht
Aus aller Welt

Eine kleine Widmung und eine Riesen-Überraschung: In einer Literatursammlung, die der Dortmunder Uni-Bibliothek überlassen wurde, finden sich Zeilen von Albert Einstein.

weiterlesen...