14. Dezember 2025 / Aus aller Welt

Studie: Viele Songtexte nun einfacher und negativer

Bei Songs in den US-Charts zeigt sich ein Trend. Die Texte sind weniger komplex und enthalten oft negative Begriffe. Auch US-Präsident Trump könnte bei der Entwicklung eine Rolle spielen.

Auch Songs von Taylor Swift wurden von Wissenschaftlern auf ihre Text-Qualität untersucht.
Veröffentlicht am 14. Dezember 2025 um 06:00 Uhr

Die Texte der erfolgreichen Songs in den USA sind laut einer Studie in den vergangenen Jahrzehnten einfacher und negativer geworden. Außerdem enthielten sie mehr sogenannte stress-bezogene Wörter, berichteten die Studienautoren von der Universität Wien, die Psychologen Mauricio Martins und Markus Foramitti. Das lasse auch Rückschlüsse auf die Gemütslage der Hörer zu. «Personen tendieren zu der Musik, die mit der eigenen Stimmung übereinstimmt», sagte Foramitti.

Für ihre Analyse, die in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» erschienen ist, untersuchten die Wissenschaftler die Texte der 100 beliebtesten englischsprachigen Lieder in den USA der Billboard Hot 100-Charts im Zeitraum von 1973 bis 2023. Das waren insgesamt 20.186 Songs. 

Für die Einordnung der «stress-bezogenen» Wörter nutzten die Autoren ein wissenschaftlich anerkanntes Wörterbuch mit 270 Begriffen wie «abuse» (MIssbrauch), «attack» (Angriff) oder «pressure» (Druck). Als negativ wurden Substantive wie «pain» (Schmerz) und «anger» (Angst) eingeordnet. Ein Song galt als umso einfacher, je mehr Wörter man streichen konnte, ohne die Verständlichkeit zu verringern. 

Analyse auch von Texten von Taylor Swift

Ein Beispiel für einen komplexen Song sei «Goodbye Yellow Brick Road» (1973) von Elton John, sagte Foramitti der Deutschen Presse-Agentur. Die Texte von US-Star Taylor Swift enthielten teils stress-geladene Wörter und handelten von Herzschmerz («Bad Blood»), was im Zusammenhang der Studie als Beispiel für Negativität gelte. Eher mit wenig Stress und wenig Komplexität verbunden sei hingegen der Song «Special» von Lizzo aus dem Jahr 2023. 

Während normalerweise die Menschen gern Musik gemäß ihrer Stimmungslage hörten, sei dies in Extremsituationen wie der Corona-Pandemie anders gewesen, so die Autoren. Die Texte der erfolgreichen Songs seien rund um diese Krisenjahre eher fröhlicher geworden. «Das deutet auf eine Flucht der Menschen aus der Überforderung im Alltag hin», sagte Foramitti.

Hat Trump einen neuen Trend ausgelöst?

Zugleich fiel den Autoren ein neuer Trend seit 2016 auf: Seitdem nehme die Komplexität der Texte wieder deutlich zu, hieß es. Beim Blick auf die politische Landschaft könnte die erste Präsidentschaft von Donald Trump eine Rolle spielen. Aber ob der damalige und aktuelle US-Präsident tatsächlich die Ursache für die Trendwende bei Songtexten sei, müsse noch näher untersucht werden, sagte Foramitti.


Bildnachweis: © Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
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