19. September 2025 / Aus aller Welt

Reanimation: Ersthelfer könnten 10.000 Leben im Jahr retten

Mehr als jeder Dritte zögert im Notfall, Bewusstlose wiederzubeleben. Regelmäßige Trainings und andere Maßnahmen könnten deshalb viele Leben retten. Denn die ersten vier Minuten entscheiden.

Schnelle Erste Hilfe kann Leben retten - regelmäßiges Üben hilft, sich sicher zu fühlen. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 19. September 2025 um 07:00 Uhr

Bis zu 10.000 Menschen in Deutschland könnten pro Jahr vor dem Tod bewahrt werden - wenn Mitmenschen ihnen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnell Erste Hilfe leisteten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der ADAC Stiftung aus München, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Demnach überleben bislang nur etwa elf Prozent derjenigen, die außerhalb von Kliniken einen Herzstillstand erleiden. Doch dies müsse nicht so bleiben, betonen die Studienautoren. 

Konkrete Maßnahmen könnten Leben retten

Wenn etwa an den Schulen ein verbindliches Reanimationstraining eingeführt würde, es Anreize für regelmäßige Schulungsangebote für Erwachsene gäbe, die Telefonreanimation durch die Leitstellen gesetzlich verpflichtend würde, könnten viele Leben gerettet werden. Ein nationales Register müsste Standorte von Defibrillatoren erfassen und diese bedarfsgerecht verteilen. Zudem müssten Apps etabliert und finanziert werden, die qualifizierte Ersthelfer bei Notfällen in ihrem Umfeld alarmieren. Auch solle das Ehrenamt in First-Responder-Strukturen gezielt gefördert werden, schlagen die Experten vor.

Die Studie zeigt, dass sich viele Menschen bislang nicht zutrauen, selbst beherzt zuzudrücken und Atem zu spenden, wenn neben ihnen jemand leblos zusammenbricht. Doch schon nach vier Minuten ohne Reanimation steigt das Risiko irreversibler Hirnschäden rapide. Der Rettungsdienst benötigt den Angaben zufolge im Schnitt aber sieben Minuten bis zum Eintreffen, auf dem Land teils deutlich länger - zusätzlich zu der Zeit für den Notruf.

Mehr als jeder Dritte traut sich nicht zu, Hilfe zu leisten

Zugleich verfügen rund 75 Prozent der Bevölkerung über keine aktuellen Reanimationskenntnisse, wie eine repräsentative Umfrage ergab. 37 Prozent trauen sich im Ernstfall keine Hilfe zu. Und drei Viertel der Bevölkerung fühlen sich bei der Bedienung eines Defibrillators unsicher, wie aus dem «Monitor Reanimation 2025» hervorgeht, den die ADAC Stiftung anlässlich der anstehenden «Woche der Wiederbelebung» nun vorlegt. 

Demnach ist der Reanimationsunterricht bislang nur in zwei Bundesländern, in Hessen und dem Saarland, an den Schulen verpflichtend - obwohl 80 Prozent der Bürger dies befürworten. Auch die Telefonreanimation, bei der Leitstellen die Anrufenden Schritt für Schritt anleiten, werde bislang nicht konsequent umgesetzt. Ersthelfer-Apps deckten erst die Hälfte Deutschlands ab, zudem seien ihre Finanzierung und die technischen Standards uneinheitlich. Defibrillatoren seien zwar lebensrettend, jedoch unsystematisch verteilt und ihr Standort nicht zentral erfasst.

Jeder neunte Laie hat schon eine Reanimation durchgeführt

«Wer im Ernstfall handelt, gibt nicht nur einem Menschen eine zweite Chance, sondern macht unsere Gemeinschaft stärker», betont die Vorständin der ADAC Stiftung, Christina Tillmann. Ziel sei daher eine «Kultur der Wiederbelebung» – ein gesellschaftliches Selbstverständnis, im Notfall sofort zu helfen. In Deutschland erleiden etwa 136.000 Menschen jährlich einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, im vergangenen Jahr wurden knapp 70.000 außerhalb einer Klinik reanimiert. Die Wahrscheinlichkeit, helfen zu müssen, ist also nicht gering. Und tatsächlich gaben neun Prozent der befragten Laien an, bereits mindestens einmal in ihrem Leben jemanden reanimiert zu haben.


Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa
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